Bad Belzig.Rund 17.000 Menschen erkranken jährlich in Brandenburg neu an Krebs. Für sie selbst, aber auch für die Angehörigen ist es meist ein großer Schock, und es stellt das bisherige Leben völlig auf den Kopf.

Durch moderne Behandlungsmethoden kann das Leben von Krebspatienten mehr verlängert werden als in früheren Jahren. Das führt dazu, dass auch mehr Betreuung notwendig wird – und das nicht nur im medizinischen Bereich.
Das bemerkte auch Dr. med. Eva-Maria Schulze-Köhn in ihrer Praxis. Im Praxisalltag ist das nicht zu bewältigen. Deshalb besuchte die Ärztin den Tag der offenen Tür der Brandenburgische Krebsgesellschaft e. V. in Potsdam. Was sie dort hörte und sah, gefiel ihr. Aber für viele ihrer Patienten wäre der Weg nach Potsdam einfach nicht machbar.
Im Gespräch erfuhr sie, dass die Brandenburgische Krebsgesellschaft e. V. auf der Suche nach einem Raum war, um ihre Angebote auch in der Fläche anbieten zu können. „Ich hatte diesen Raum“, so Dr. med. Eva-Maria Schulze-Köhn, und so wurde man sich schnell einig, eine Beratungsstelle in Bad Belzig einzurichten. Die bisher einzige im Landkreis befindet sich in Teltow. Zum Weltkrebstag am 4. Februar wurde zur offiziellen Eröffnung geladen. Landkreis und Bürgermeister waren vor Ort dabei und hatten neben guten Wünschen auch jeweils eine Spende im Gepäck.
Neben der medizinischen Behandlung brauchen Patienten und ihre Angehörigen oft auch psychologische und soziale Unterstützung. Aber im ländlichen Raum sind die Wege weit. Deshalb haben viele Patienten noch nie so ein Angebot wahrgenommen. Mit der Eröffnung der Beratungsstelle wird diese Lücke geschlossen. Darüber freut sich nicht nur Dr. med. Eva-Maria Schulze-Köhn, sondern auch Patienten und Selbsthilfegruppen nehmen das Angebot gern an.
Eine Selbsthilfegruppe gibt es auch in Bad Belzig. Dort ist jeder willkommen. Viele fallen nach der Diagnose erst einmal in ein tiefes Loch. Da ist es gut, sich mit Menschen zu treffen, die das gleiche Schicksal haben. Und das nicht nur während der Zeit der Therapie, sondern auch später. Manchmal reicht schon eine gemeinsame Unternehmung, um wieder Mut zu schöpfen. Die Selbsthilfegruppe bemängelt jedoch, dass Patienten bei der Diagnose oft allein gelassen werden. Sie werden zwar medizinisch versorgt, hängen aber sonst meist in der Luft. Schon im Krankenhaus müsse deshalb ausreichend Infomaterial vorhanden sein.

Eines der größten Probleme ist für viele der Papierkrieg mit den Behörden. Die meisten sind damit schlicht überfordert. Es geht dabei um den Schriftverkehr mit Krankenkassen, Sozialamt, Rentenversicherung und anderen. Da stößt auch Dr. med. Eva-Maria Schulze-Köhn an ihre Grenzen und freut sich, dass nun jemand vor Ort ist, der genau weiß, wie man etwas erfolgreich formulieren muss.
Neben diesen Dingen ist aber vor allem eine umfängliche Betreuung wichtig. Und das nicht nur für die Patienten selbst. Oftmals trauen sich die Angehörigen nicht zu sagen, dass es auch ihnen mal schlecht geht. Immerhin wollen sie für Partner oder Partnerin da sein, müssen aber zusätzlich auch noch den eigenen Job bewältigen. Dazu kommen oft finanzielle Problem, weil zum Beispiel das Krankengeld ausgelaufen ist oder eine Teilrente im Raum steht. In der Familie wird oft wenig darüber geredet, weil man den anderen beschützen will. Dr. med. Eva-Maria Schulze-Köhn kennt solche Fälle aus ihrer Praxis. Deshalb sieht sie die Beratungsstelle auch als ganz wichtigen Anlaufpunkt für Angehörige. „Manchmal hilft es schon, sich einfach mal ausheulen zu können“, sagt sie.
Ab dem 10. Februar können Betroffene und Angehörige nun Beratungstermine in Bad Belzig vereinbaren. Eine Sozialarbeiterin und eine Psychologin, beide qualifizierte Psychoonkologinnen, unterstützen bei emotionalen Belastungen, Ängsten im Krankheitsverlauf sowie bei sozialrechtlichen, beruflichen und existenziellen Fragen. Sie unterstützen bei:

Sozialrechtlichen Fragen:
- Informationen zu Schwerbehindertenausweis,
- Rehabilitation,
- Pflegeleistungen und
- finanziellen Hilfen.
Psychologischen Belastungen:
- Umgang mit Ängsten,
- emotionalen Krisen und
- Unsicherheiten im Krankheitsverlauf.
Beruflichen Herausforderungen:
- Wiedereingliederung,
- Arbeitsunfähigkeit und
- Erwerbsminderung.
Existenziellen Themen:
- Sinnfragen,
- Lebensplanung und
- Zukunftsperspektiven.
Angehörigenberatung:
- Unterstützung für Partner und andere Bezugspersonen
Die Beratung kann persönlich vor Ort, telefonisch, schriftlich oder digital erfolgen. Alle Gespräche sind kostenfrei, vertraulich und auf Wunsch anonym möglich. Das Angebot ist unabhängig vom Praxisbetrieb und steht allen Ratsuchenden offen, egal, ob sie Patient*innen der Praxis sind oder nicht. Die Beratungen in Bad Belzig finden ausschließlich nach vorheriger Terminvereinbarung statt.
So kann man einen Termin vereinbaren:
Telefonisch (empfohlen):
Montag bis Freitag, 9:00 bis 15:00 Uhr
Tel. 0331 864806
Per E-Mail:
mail@krebsgesellschaft-brandenburg.de
Weitere Informationen gibt es unter:
www.krebsgesellschaft-brandenburg.de
Die Terminvergabe erfolgt über die zentrale Rufnummer in Potsdam. Das Team bespricht mit mit den Hilfesuchenden ihr Anliegen und vereinbart einen passenden Termin am Standort Bad Belzig.
Die Krebsberatungsstellen der Brandenburgischen Krebsgesellschaft e.V. werden vom GKV-Spitzenverband und PKV-Verband, dem Land Brandenburg sowie der Landeshauptstadt Potsdam gemäß § 65e SGB V anteilig gefördert. Natürlich sind Spenden wie die vom Landkreis und der Stadt Bad Belzig immer willkommen. Alle Mitarbeiter haben eine Zusatzqualifikation, um ihren Aufgaben gerecht zu werden.
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Eine Antwort
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Mein Mann ist im April des vorigen Jahres nach 18 Jahren Kampf gegen Proststakrebs gestorben.
Es ist schön, dass Anprechpartner jetzt vor Ort in Bad Belzig sind.
Wir mussten immer nach Potsdam fahren.
Natürlich bekam man dort Hilfe, aber der Krebs schwächt Patienten sehr und ohne meine Unterstützung wäre es schwierig gewesen.
Nach Belzig zu fahren erleichtert den Kontakt doch sehr.