Wiesenburg/Mark. Im Jahr 1927 wurde erstmalig international ein Weltgebetstag von christlichen Frauen unterschiedlicher Konfessionen gefeiert.

Die Frauen aus der Geschichte des Weltgebetstags setzten wichtige Zeichen für Frieden und Versöhnung. Sie kämpften für die Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und Gesellschaft. Als eine der ersten engagierten sie sich für Umweltschutz. Unerschrocken traten sie gegen Rassismus und Intoleranz ein.
In jedem Jahr wird der Weltgebetstag von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Sie erarbeiten die Liturgie und erzählen persönliche Geschichten. Das besondere ist, dass der Gottesdienst überall zur gleichen Uhrzeit gefeiert wird – entsprechend der Zeitzonen natürlich. So begann der Weltgebetstag in Wiesenburg um 18 Uhr Ortszeit. Vorbereitet wurde er in diesem Jahr von Frauen aus Nigeria.
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und ein Ort der Gegensätze. Die Menschen leben zwischen Reichtum und Armut, zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen Gewaltspirale und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie sehen sich mit existenziellen Bedrohungen konfrontiert. Wie sie diese Lasten tragen und was ihnen Hoffnung gibt, teilten die Frauen, die die Liturgie für den Weltgebetstag 2026 zusammengestellt haben. Sie luden ein, in ihren Alltag einzutauchen und von ihnen und ihren Erfahrungen zu lernen. Ihre Geschichten und Artikel zeigen: Nigeria ist auch ein Land der starken Frauen, die Veränderungen anstoßen und mutig neue Wege gehen.

Pfarrer Stephan Schönfeld erzählte den Anwesenden im Gemeindehaus mit einem Lichtbildervortrag etwas über Nigeria. Vor allem über die schweren Bedingungen, unter denen gerade die Frauen dort leben und arbeiten. Oft müssen sie kilometerweit laufen, um an frisches Wasser zu kommen. Dieses transportieren sie dann in Gefäßen auf ihren Köpfen. In der Liturgie, dargeboten vom Chor der Wiesenburger Kirchengemeinde, erfuhren die Besucher etwas über das Leben in Nigeria. Drei Frauen erzählten ihre Geschichte und wie sie immer noch unterdrückt werden und ums Überleben kämpfen. Angst und Gewalt sind ihr ständiger Begleiter. Da gibt ihnen ihr Glaube Halt und damit das Wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. So stand der Weltgebetstag unter dem Motto: Kommt, bringt Eure Last! Diese Worte von Jesus geben den Frauen Hoffnung und Mut, sie haben eine Anlaufstelle für all ihre Sorgen und Nöte. Für die Frauen sind die Worte von Jesus aus dem Matthäusevangelium ein Lebenselixier.
Und so sind die Gottesdienste in Nigeria auch völlig anders als hier. Das stellte selbst Pfarrer Schönfeld fest. Würde nigerianische Frauen in unseren Gottesdienst kommen würden sie sich wohl fragen, was sie hier sollen. Denn in Nigeria sind die Gottesdienste lebhaft und von vielen fröhlichen Liedern begleitet. Einige davon bekamen die Anwesenden in Wiesenburg zu hören. Zum Abschluss konnten alle traditionelle nigerianische Gerichte probieren. Die Frauen des Kirchenchores hatten sich wieder alle Mühe gegeben, die Speisen zu kochen. Das war oft nicht leicht, denn nicht alle Zutaten sind bei uns erhältlich.

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