Christiane Pusch

Treuenbrietzen: Christiane Pusch – Mit Leib und Seele fürs Familienzentrum

Treuenbrietzen. Christiane Pusch ist eine zurückhaltende, ruhige und gewissenhafte Frau, die sich nicht gerne in den Mittelpunkt drängt. Es sei denn, es geht um ihre Arbeit. Dann läuft sie zu Hochtouren auf, erzählt und berichtet, sprudelt vor Ideen und Energie, begeistert Menschen und legt einfach los. Die 54-jährige arbeitet in diesem Jahr 30 Jahre für die Stadt Treuenbrietzen und ist mit ihren Aufgaben und Themen rundum zufrieden. Sie kann kreativ sein und kann helfen, den Kindern, den Familien und den Älteren. Dies schätzen nicht nur die Besucher des Familienzentrums und die Nutzer der Angebote. Auch der Bürgermeister schätzt die langjährige und zuverlässige Mitarbeiterin sehr.

Angefangen hat Christiane Pusch in der Jugendarbeit. Im Jahr 2013 wechselte sie in den Bereich „Frühe Hilfen“ und „Familienarbeit“. Dort hat sie ihre Berufung gefunden. Über ihre Arbeit sprach für Fläming 365 Jonathan Summer mit ihr.

Familienzentrum Treuenbrietzen

Jonathan Summer: Frau Pusch, im Januar haben Sie den Mitgliedern des Ausschusses für Bildung, Ordnung und Sicherheit der Stadt Treuenbrietzen Ihre Arbeit im Familienzentrum so engagiert vorgestellt, dass viele davon beeindruckt waren. Haben Sie Ihren Traumjob im Familienzentrum gefunden?

Christiane Pusch: Definitiv ja, ich lebe ihn.

Jonathan Summer: Was macht Ihre tägliche Arbeit zu diesem Traumjob?

Christiane Pusch: Die Arbeit in den „Frühen Hilfen“ ist für mich ein Traumjob, weil sie sowohl Sinn, Beziehung und Wirksamkeit miteinander verbindet, als auch Familien in einer der sensibelsten und prägendsten Phasen ihres Lebens begleitet. Die Zeit rund um Schwangerschaft und die ersten Lebensjahre ist voller Fragen und Unsicherheiten, aber auch voller Chancen. Genau zu diesem Zeitpunkt unterstützend wirken zu können, erfüllt mich sehr.

Ich liebe es zudem, Vertrauen aufzubauen und Eltern zu stärken, anstatt Defizite in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn ich erlebe, wie aus Unsicherheit Sicherheit wird, wie Eltern beginnen, sich selbst wieder mehr zuzutrauen und ihr Kind mit einem guten Gefühl begleiten, dann weiß ich, warum ich diese Arbeit mache.

Jede Familie ist anders, jede Begegnung einzigartig. Diese Vielfalt, die Nähe, die echten Gespräche und das gemeinsame Finden von Lösungen machen meine tägliche Arbeit lebendig und sinnstiftend.

Besonders schön finde ich, präventiv arbeiten zu dürfen, also frühzeitig zu unterstützen, bevor Belastungen größer werden. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass meine Arbeit nachhaltig wirkt und Kindern einen stabilen Start ins Leben ermöglichen kann.

„Frühe Hilfen“ sind für mich deshalb nicht einfach ein Beruf, sondern eine Herzensaufgabe.

Jonathan Summer: Und das merkt man sofort. Welche Angebote stecken hinter dem Bereich „Frühe Hilfen“?

Christiane Pusch: Das sind die Angebote zu den „Frühen Hilfen“, kurz erklärt:

Familienzentrum Treuenbrietzen, Frühe HilfenEine Herzensangelegenheit ist für mich die „Babybegrüßung“. Hier erhalten die Familien, die gerade Nachwuchs bekommen haben, einen personalisierten Brief von mir, mit dem ich sie zur Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder beglückwünsche und die Möglichkeit gebe, sich einen sogenannten Babybegrüßungsrucksack auszusuchen. Dieser wird von der Stadt Treuenbrietzen und dem Aktiv für Treuenbrietzen e.V. finanziert. Antje Pieper im HuSAP-Laden fertigt die Rucksäcke an und keiner gleicht dem anderen. Im Nachhinein personalisiert Frau Pieper die Rucksäcke den Wünschen der Eltern entsprechend. So bekommt jedes Baby seinen individuellen Rucksack.

Zum „Krümelfrühstück“ treffen sich Eltern mit ihren Babys im ersten Lebensjahr zum gemeinsamen Frühstück, Austausch und Kennenlernen. Neben Zeit für Gesprächen bietet das Treffen die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und Fragen zum Familienalltag oder den Entwicklungsstufen zu stellen. Dieses gesellige Zusammensein ist ein niederschwelliges Angebot für Begegnung, Vernetzung und Unterstützung im frühen Familienleben.

Unser „Schwangerenfrühstück“ findet einmal im Monat statt, gemeinsam mit dem „Krümelfrühstück“. Die Mütter kommen ins Gespräch, teilen ihre Erfahrungen, atmen einfach mal durch und können Themen für Beratungsbedarfe ansprechen. Es geht ums Kennenlernen, Zuhören, Lachen und darum, gemeinsam die Vorfreude auf das kleine Wunder zu genießen.

PEKiP und Babymassge sind keine regelmäßigen Angebote. Kurse entstehen auf Nachfrage der Eltern und wenn genügend Anmeldungen vorhanden sind.

PEKiP („Prager-Eltern-Kind-Programm“) ist ein entwicklungsbegleitendes Gruppenangebot für Eltern mit ihren Babys im ersten Lebensjahr. In einer warmen und geschützten Umgebung haben die Babys die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, ihre Sinne zu entdecken und erste soziale Kontakte zu knüpfen. Eltern erhalten wertvolle Anregungen zur Förderung ihres Kindes und Raum für Austausch mit anderen Müttern und Vätern. PEKiP stärkt die Eltern-Kind-Bindung und unterstützt die natürliche Entwicklung des Babys auf spielerische Weise.

„Babymassage“ ist eine liebevolle, achtsame Berührungstechnik, die die Bindung zwischen Eltern und Baby stärkt. Durch sanfte Streichungen wird die Körperwahrnehmung des Babys gefördert, es fühlt sich geborgen und entspannt.

Im Angebot „Gedichte für Wichte“ lernen Eltern Fingerspiele und Lieder kennen und starten eine gemeinsame Bücherreise, bei der ein Buch „gefunden“ wird, dass dann gemeinsam gelesen wird. Ein Glück, dass ich die Bibliothek im Haus habe, bei der ich immer neue Bücher zum Vorstellen ausleihen kann. Danach heißt es “Aus die Socken fertig los“, jetzt wird geklettert und balanciert.

KaKeKi („Kaffee Kekse Kinderlachen“) ist unser Spielenachmittag und findet einmal im Monat statt. Bei diesem Kursangebot treffen sich Familien mit Kindern von 1-5 Jahren. Im gemeinsamen Spiel können sie ihre sozialen Fähigkeiten weiter ausbauen. Die Eltern können mit ihren Kindern spielen oder bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee in den Austausch gehen.

„Eltern-Kind-Kreativ“ ist ein Kreativangebot. Hier können Kinder mit ihren Eltern einmal im Monat Töpfern und ihren Ideen freien Lauf lassen. Die Bindung der Eltern zu den Kindern wird durch das gemeinsame Tun gestärkt.

Dann gibt es noch die Elternberatung: Manchmal gibt es Lebenssituationen, in denen mehr oder weniger Hilfe gebraucht wird. Hier stehen wir für eine Erstberatung und der Weitervermittlung zu Verfügung. Unser Netzwerk besteht aus vielen Ansprechpartnern.

Jonathan Summer: Wie werden diese Angebote angenommen und gibt es noch freie Kapazitäten?

Christiane Pusch: Die Angebote in unserem im Haus werden sehr gut angenommen. Die Nachfrage und die Fülle der Kurse bestätigen unsere Angebotsauswahl. Wenn die Kapazität zeitweise ausgeschöpft ist, suchen und finden wir eine gemeinsame Lösung.

Jonathan Summer: Wie werden Eltern und Kinder auf die Angebote des Familienzentrums aufmerksam? 

Christiane Pusch: Wir bewerben unsere Angebote über folgende verschiedene Medien.

  • Unsere Angebotsheftchen
  • Plakate
  • Internetseite der Stadt Treuenbrietzen
  • Facebook
  • Treuenbrietzener Nachrichten
  • Whatsapp-Status

Jonathan Summer: Sie lassen sich regelmäßig neue Angebote einfallen, sind dabei selbst kreativ und denken nicht nur an die Kinder, sondern auch an die Mütter und Väter. Warum ist eine Betrachtung der gesamten Familie bei Ihrer Arbeit so wichtig? 

Christiane Pusch: Bei den Angeboten sollen sich alle Familienmitglieder wohlfühlen können. Alltag, Stress, Koordination von Aufgaben gibt es schon zuhause genug. Eltern sollen in entspannter Atmosphäre Zeit mit ihrem Kind/ihren Kindern verbringen ohne einen Wäscheberg zu sehen, der noch zuhause auf sie wartet. Wenn sich die Familien bei meinen Angeboten wohlfühlen, bauen wir eine gute Beziehung zueinander auf. Somit fällt es den Eltern leichter, über unangenehme oder problembehaftete Situationen in ihrem Alltag zu sprechen, wie z. B. finanzielle Sorgen, Elterngeld, Beikost, Jobsuche, Änderung der Wohnsituation oder Eingewöhnung in der Kita.
Und sind wir mal ganz ehrlich, die Kinder könne meine Angebote nicht alleine nutzen.

Jonathan Summer: Im Familienzentrum sind auch die Kita-Verwaltung der Stadt und die Bibliothek untergebracht. Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Familien und für Ihre Arbeit?

Christiane Pusch: In unserem Haus arbeiten die „Frühen Hilfen“, die Bibliothek und die Kita-Verwaltung unter einem Dach. Das ist eine gelebte Symbiose für Familien. Kurze Wege, enge Zusammenarbeit und ein gemeinsames Ziel verbinden die Bereiche sowie der Wunsch Familien von Anfang an bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen.

Während die „Frühen Hilfen“ Eltern in sensiblen Lebensphasen beratend zur Seite stehen, öffnet die Bibliothek Räume für Bildung, Begegnung und Lesefreude. Die Kita-Verwaltung sorgt im Hintergrund für eine verlässliche Organisation und Struktur.

So entsteht ein Ort, an dem Beratung, Bildung und Betreuung ineinandergreifen und das unkompliziert und familiennah.

Jonathan Summer: Arbeiten Sie auch mit Partnern außerhalb des Familienzentrums zusammen und gibt es im Sommer auch Outdoor-Angebote? 

Christiane Pusch: Ich finde es wichtig, dass wir uns in einer Kommune gegenseitig unterstützen. Es gibt so viele Institutionen und auch private Personen die tolle Ideen haben und gern eine Zusammenarbeit nutzen.

Natürlich nutzen wir die Sommermonate auch für Outdoor-Aktivitäten. Unter anderem organisieren wir gemeinsam mit der AG Familie vom Aktiv für Treuenbrietzen e.V. ein Fest zum Kindertag am 1. Juni für alle Familien. Wir unterstützen außerdem tatkräftig das Sabinchenfest mit unseren Angeboten. Mit dem Kinoförderverein feiern wir gemeinsam das Geisterfest. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das eine Terrasse, die an meine Kursräume angrenzt, damit wir auch im Sommer oder bei schönem Wetter das „Krümelfrühstück“ oder „Gedichte für Wichte“ nach draußen verlegen können.

Jonathan Summer: Ihnen obliegt im Familienzentrum auch die Seniorenarbeit. Das heißt, Sie haben auch Angebote für die Omas und Opas der Familien. Was können Senioren bei Ihnen erleben?  

Familienzentrum TreuenbrietzenChristiane Pusch: Seit diesem Jahr haben wir im Familienzentrum eine Kollegin, die verschiedene Angebote für Senioren organisiert und durchführt, und die ich vor allem bei größeren Veranstaltungen unterstütze. Meine Angebote im Bereich der Seniorenarbeit beschränke ich seitdem auf das Seniorentöpfern. Hier kommen Seniorinnen und Senioren zusammen und arbeiten ihre Ideen in Ton aus. Ich stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Es ist kein Töpferkurs, eher ein gemütliches Kaffeetrinken, bei dem aus Ton kreative Ideen entstehen.

Jonathan Summer: Wie arbeiten Sie mit dem Seniorenbeirat der Stadt zusammen? 

Christiane Pusch: In Treuenbrietzen gibt es keinen Seniorenbeirat.

Jonathan Summer: Würden Sie sich einen Seniorenbeirat wünschen?

Christiane Pusch: Ja. Ich finde einen Seniorenbeirat sehr wichtig, weil er die Interessen  der älteren Bürgerinnen und Bürger vertritt. Der Seniorenbeirat sorgt dafür, dass ältere Menschen in einer Kleinstadt gesehen, gehört und beteiligt werden. Die Bedürfnisse und Themen, die ältere Menschen beschäftigen, z.B. Barrierefreiheit, medizinische Versorgung usw., werden durch den Seniorenbeirat an die Stadt heran getragen. Es könnte früh erkannt werden, wo Senioren Unterstützung brauchen. Z.B. Mobilität, Pflege aber auch Treffpunkte, Bildungsangebote. Es ist sehr vielschichtig. Der Seniorenbeirat hilft mit, die Stadt seniorenfreundlicher und lebenswerter für Generationen zu gestalten.

Jonathan Summer: Was wünschen Sie sich für die zukünftige Arbeit des Familienzentrums? 

Christiane Pusch: Ich wünsche mir, dass ich noch lange hier im Familienzentrum arbeiten und Familien begleiten darf. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Stadt Treuenbrietzen mich weiterhin so engagiert unterstützt, dass ich meine Angebote fortführen kann und neue Ideen entstehen können. Besonders schön wäre es, noch mehr ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu gewinnen, um neue Ideen umzusetzen und das Familienzentrum immer lebendig und vielseitig zu gestallten.

Jonathan Summer: Vielen Dank für das Interview.

(Jonathan Summer)

Bild 1: Christiane Pusch arbeitet mit Babys und Müttern.

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