Reetz. Der Ofen in der Reetzer Gerüchteküche ist aus. Am vergangenen Freitag informierte Martin Bauer, Geschäftsführer des Landguts Reppinichen, dass die Ziegelei gekauft wurde.
Natürlich nicht vom Landgut selbst, sondern von der Lindhorst Gruppe, zu der das Landgut gehört. Damit ist deren Geschäftsführer Jürgen Lindhorst in eine millionenschwere Vorleistung gegangen. Die Vision ist, nicht nur einen Windpark zu errichten, sondern auf dem Areal Strom anzulegen – und das zu günstigen Preisen. Dazu braucht es weitere Investoren. Gespräche mit großen betreiben, die für ihre Produktion viel Energie brauchen, wurden schon geführt. Trotzdem ist alles auch mit einem großen Risiko behaftet, denn sicher ist im Moment noch nichts.

Viele interessierte Bürger aus Reetz, Reetzerhütten und Reppinichen hatten sich eingefunden, um zu hören, wie die Pläne aussehen. Davon war selbst Martin Bauer überrascht. „Ich dachte, ich gehe hier mit 20 Leuten durch den Betrieb“, sagte er. Denn viele kannten das Werk nur von außen und waren gespannt, wie es innen aussieht. Es waren auch einige ehemalige Mitarbeiter dabei, für die alles natürlich sehr emotional war. Nach einigem Hickhack wurde das Werk schließlich doch abgewickelt und die Leute in die Arbeitslosigkeit entlassen.
Ehe es zum Kauf kam, gab es harte Verhandlungen, denn Wienerberger hatte anfangs sehr überzogene finanzielle Vorstellungen. Das Betriebsgelände ist gigantisch, denn dazu gehören auch die Lagerplätze und die Abbaugruben. Bei einem Rundgang konnten sich alle selbst ein Bild davon machen. Von Anfang an war es für das Landgut und die Lindhorst Gruppe wichtig, dass keine neue Industriebrache entsteht. Davon hat Wiesenburg genug. Für eine langwirtschaftliche Nutzung ist alles viel zu groß. Deshalb war von Anfang an der Plan, alles energetisch zu nutzen. Das wurde auch erst jetzt bekannt, vorher konnte man nicht konkret werden, sonst hätte man eine Preiserhöhung von Wienerberger befürchten müssen. Für das Landgut heißt es nun erst einmal – aufräumen. Am Ende soll ein Arbeitgeber einziehen, der eine Perspektive und natürlich auch Arbeitsplätze in die Region bringt.

Eine zweite Ankündigung von Martin Bauer wurde mit viel Beifall zur Kenntnis genommen. Die ehemalige Gaststätte in der Reetzer Dorfmitte wurde ebenfalls gekauft. In Reetz nutzt man derzeit das Sportplatzgebäude als Dorfgemeinschaftshaus. Dort ist es sehr beengt, so dass oft Leuten für Feierlichkeiten abgesagt werden musste, da kein ausreichender Platz zur Verfügung stand. Barrierefrei ist es auch nicht und die sanitären Einrichtungen sind aus der Bauzeit. Mit dem Sondervermögen des Bundes kam Hoffnung auf, dass man die ehemalige Gaststätte erwerben könnte. Der jetzige Eigentümer hatte angekündigt, verkaufen zu wollen. Dieses Vorhaben scheiterte zur großen Enttäuschung der Reetzer an den Gemeindevertretern, auch eine Unterschriftenaktion half da nichts. Das bekam auch Martin Bauer mit, der im Zuge des Windparkprojektes mit vielen Bürgern Kontakt hatte. „Ich habe gemerkt, wie wichtig das den Menschen ist“, sagte er. Und so kaufte das Landgut das Objekt. Vor drei Wochen wurde alles beurkundet. Im Februar erfolgt der Auszug des jetzigen Bewohners. Das Gebäude wird an die Gemeinde für Null Euro verpachtet, das Landgut trägt auch die anfallenden Nebenkosten. Dann müssen die Reetzer es bewirtschaften und für die Dorfgemeinschaft nutzbar machen. Sollte der Windpark kommen, ist angedacht, das Gebäude aus den Erlösen zurück zu kaufen.
Und so hat das Landgut erst einmal eins geschafft – sich viel Arbeit aufzuhalsen. Derzeit ist man noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen.
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