Wiesenburg/Mark. Noch stapeln sich die Umzugskisten überall im Haus. Und es ist längst nicht alles fertig.
Trotzdem freut sich Ian Del mit seiner Familie, endlich eingezogen zu sein. Seit etwa einer Woche wohnt die vierköpfige Familie in ihrem neuen Tiny Haus im Wiesenburger KoDorf.

Zwanzig Jahre hat die Familie in Berlin gelebt. Für Studium und berufliche Entwicklung war das auch perfekt. Aber für Ian Delù stand schon immer fest, sein ganzes Leben will er nicht in der Stadt verbringen. Selbst sozusagen im Grünen aufgewachsen, wünscht er sich die schönen Seiten auf dem Land auch für seine Kinder. Und auch die Angebote in Wiesenburg und Umgebung findet die Familie völlig ausreichend. „Wir waren verblüfft, wieviel es hier gibt“, sagte er, „man hat hier alles, was man braucht.“
Auf das KoDorf wurde Ian Delù durch Freunde aufmerksam gemacht. Das Konzept überzeugte die Familie. „Man hat seine Privaträume, aber gleichzeitig die Möglichkeit, viel gemeinsam zu machen“, so Ian Delù. Besonders für die Kinder freut es ich. In der Stadt konnte man sie unbeaufsichtigt nicht auf die Straße lassen. Hier haben sie die Möglichkeit, sich auszutoben. Die Familie ist 2024 in die Genossenschaft eingetreten. Ihr jetziges Haus war damals das Einzige, was noch frei war. Nehmen wir – war man sich sofort einig. Das gesamte Projekt Kodorf läuft jedoch schon länger.
2018 erschien in der Zeitschrift Kommunal kein gewöhnlicher Artikel, sondern ein Suchaufruf. Gesucht wurde ein Gelände für eine neue Form der Gartenstadtsiedlung: das KoDorf. Städte und Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet bewarben sich. Nun, acht Jahre später und dank der Unterstützung des Landes Brandenburg, werden die ersten Häuser im KoDorf Wiesenburg bezogen.
„Mein Dank gilt insbesondere den Mitgliedern der Vielleben Genossenschaft für ihr Durchhaltevermögen trotz des Krisenjahrzehnts, unserer Gemeindevertretung für die vielen Weichenstellungen, unserem Land Brandenburg und unserer Regionalen Planungsgemeinschaft, welche durch ihre Unterstützung eine offene Wunde der Nachwendezeit schließen konnten und natürlich dieser kleinen, großartigen Verwaltung in Wiesenburg/Mark, die Baurecht, Fördermittel, Grundstücke, Beräumung… eben alles, was es braucht, um einer Idee Raum zu geben, organisiert hat“, sagt Bürgermeister Marco Beckendorf. Es mussten viele Widrigkeiten überwunden werden, die das Projekt immer wieder verzögerten.
Im Laufe der Jahre fanden viele Infoveranstaltungen statt. So lernten sich die zukünftigen Bewohner schon im Voraus kennen. Natürlich gab es auch Zweifel, dass alles nicht so schnell geht, wie gewünscht. Ausschlaggebend für das Durchhalten war das gute Gefühl für die Gruppe und das diese generationsübergreifend ist. Am Ende zählt, mit wem man zusammenlebt. Aber auch die Region war ein Aspekt, sich für Wiesenburg zu entscheiden. Die Befürchtungen, nicht akzeptiert zu werden, haben sich nicht bestätigt. Familie Delù ist begeistert von der Landschaft, aber auch von den vielen Initiativen der Menschen hier. Testen konnten sie alles schon seit dem Sommer. Seit Mitte August hatten sie ihr vorrübergehendes Domizil in der Alten Schule Wiesenburg. Grund dafür war die Einschulung ihres ältesten Sohnes. Dieser vermisst momentan zwar noch seine Berliner Freunde, aber gerade Kinder gewöhnen sich schnell ein. Der jüngste Sohn der Familie besucht inzwischen die Kita in Wiesenburg.
Für Ian Delù heißt es jetzt, ranklotzen. Denn trotz der Arbeit in Berlin soll alles schnellstmöglich eingerichtet werden. Der wichtigste Raum, die Küche, ist aber fertig. Im Moment schlafen alle noch auf Matratzen, denn die Betten sind noch nicht aufgebaut. Alle sind froh, dass nun wieder alles an einem Ort ist, denn die vergangenen Monate haben sie sozusagen aus dem Koffer gelebt. Ian Delù sieht alles als eine Investition in die Zukunft. Mit weniger zu leben will er auch seinen Kindern mitgeben. So ist auch noch nicht klar, ob wirklich alle Kartons ausgepackt werden. Darin ist sicher viel, was gar nicht benötigt wird.
Auch Dorothee Bornath ist inzwischen in ihr kleines Häuschen eingezogen. Sie hat den Vorteil, dass sie schon viele Jahre in Wiesenburg lebt und sich auskennt. Zudem hat sie das gesamte Prozedere hautnah miterlebt. Aber nun ist auch sie froh, dass sie endlich einziehen konnte. Auch wenn nicht alles geklappt hat. Der Kleiderschrank war zu groß und es fehlt noch eine Treppe zur oberen Etage. Dort will sie künftig schlafen. So bleibt im Moment erstmal die Schlafcouch. „Ich freue mich sehr endlich einziehen zu können. Ich warte seit Sommer 2025, da bin ich aus der Alten Schule ausgezogen … wir sind ja aktuell erst 4 Parteien hier im ersten Hof, aber das ist schon prima. Wir kennen uns alle ja schon einige Zeit. Tragehilfe beim Einzug und anschließend ein gemeinsamer Kaffee auf der Terrasse waren ein schöner Anfang. Es ist schön und einfach wie wir uns unterstützen, egal ob es war zu halten oder zu tragen gibt, Jemand was aus dem Baumarkt braucht oder eine Einrichtungsidee … Ich bin gespannt wie unser zusammen leben sich mit immer mehr Menschen weiterentwickelt“, sagt Dorothee Bornath.
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