Niemegk. Friedhöfe werden immer mehr auch zu Begegnungsstätten. Besonders auf Dörfern, wo inzwischen Einkaufsstätten und Gaststätten fehlen.

Aber auch in Städten wünschen sich die Menschen schön gestaltete letzte Ruhestätten. So auch in Niemegk. Es gab eine Umfrage unter der Bevölkerung, wie die Aufenthaltsqualität auf dem Friedhof gesteigert werden kann. Ebenso gehört die zukünftige Gestaltung dazu, da sich auch die Bestattungskultur im Laufe der Jahrzehnte geändert hat. 2022 beschlossen die Stadtverordneten die Umgestaltung des Friedhofes Niemegk.
Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe aus engagierten Niemegkern gebildet, die sich um die Umgestaltung des Friedhofs kümmern. Zu ihnen gehören Gaby Hilgendorf, Christa Wallich, Julia Baumgarten und Michael Kroll. Das Erscheinungsbild soll naturnäher, ansehnlicher und würdevoller gestaltet werden. Und die ersten Ergebnisse sind bereits zu sehen. Die Wiese auf der Nordwestseite soll zu einer Blühwiese werden. Seit dem Sommer 2022 wurde sie zunächst nur noch einmal jährlich gemäht.
Die Kinder der 5. Klasse der angrenzenden Robert-Koch-Grundschule pflanzten 500 Krokusse. Mit Unterstützung des Naturparks Hoher Fläming wurden im Herbst 2023 weitere Blumenzwiebeln gesteckt und eine regional zertifizierte Wildkräuteraussaat vorgenommen. Jetzt zieren die Frühjahrsblüher die Wiesen am Weg zur Trauerhalle und stehen derzeit in voller Blüte. Etwa 6000 Blumenzwiebeln wurden in mehreren Aktionen mit fleißigen Helfern in die Erde gebracht. Am Haupteingang konnten durch eine Förderung des Landkreises zwei Scharlach-Weißdorne gepflanzt werden. Die Sanierung des östlichen Mauerteils am Haupteingang steht an. Um die Ideen der Arbeitsgruppe kenntlich zu machen, wurde ein Logo mit zentralem Wegekreuz des historischen Friedhofs entwickelt, mit einem Schmetterling und passenden Schriftzügen. Es steht symbolisch für die Umwandlung des Friedhofs, der immerhin 145 Jahre alt wird.

Wichtig für die Arbeitsgruppe ist es, dass die Bevölkerung eingebunden wird. Deshalb hatte sie am vergangenen Samstag die Niemegker aufgerufen, zum Friedhof zu kommen und ihre Gedanken und Wünsche mitzuteilen. Und das mit ganz besonderen Methoden. Am Weg zur Trauerhalle waren Stühle aufgestellt. Diese sollen nun bis Ende April über das Gelände „wandern“. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sie dort hinstellen, wo sie gern verweilen würden. Die Arbeitsgruppe protokolliert diese „Wanderung“ täglich. Bemerkt sie, dass sich die Stühle an bestimmten Orten konzentrieren, will man über die Schaffung eines Platzes zur Kommunikation nachdenken. Möglicherweise in Form einer Sitzgruppe.
Als nächstes wurde der „Eichhornkasten“ von Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe feierlich enthüllt. In diesem Kasten befindet sich ein kleines Büchlein. In dieses können und sollen die Besucher ihre Vorstellungen und Gedanken zur Friedhofsgestaltung eintragen. Aber alle konnten ihre Meinung auch sofort kundtun in Form einer kleinen Umfrage. Digital können alle ihre Gedanken auch per Email einreichen unter: lebendigerfriedhof@gmail.com . Neben Ideen und neuen Anregungen werden auch historische Aufnahmen (von 1879 bis heute) vom Friedhof gesucht.

Die Anwesenden kamen auch schon mit ersten Ideen, wie zum Beispiel die Gestaltung von Urnenfeldern. Auch wird die Umstellung der Grabbepflanzung von aufwendigen Wechselflor auf dauerhafte Staudenpflanzungen angeregt. Durch wiederkehrende Stauden könnten Pflegeaufwand und Kosten minimiert werden.
Im Herbst 2023 wurde Freiraumplanerin Julia Baumgarten mit der Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Friedhofsgestaltung beauftragt. Derzeit ist sie bei der Bestandsaufnahme. Und so wartet sie sehnsüchtig auf Gedanken und Vorschläge aus der Bevölkerung, damit der Friedhof auch stärker ein Ort des Verweilens werden kann.
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