Roskow. Thomas Schulz ist schon seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik. Als Bürgermeister, Ortsvorsteher, Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordneter setzt er sich für die Belange seiner Mitbürger ein. Der Agraringenieur betreibt eine Chemische Reinigung in Brandenburg. Während seiner Arbeitszeit hat er sich die Zeit genommen mit Zauche 365 zu reden.
Andreas Koska: Thomas Schulz kandidiert für die Freien Wähler für den Landtag Brandenburg als Direktkandidat im Wahlkreis 16. Der 61-jährige dreifache Vater betreibt in Brandenburg/H. eine chemische Reinigung. Sie sind ein gestandener Mann, Herr Schulz. Weshalb tut man sich dann so etwas noch mal an?
Thomas Schulz: Man hat das ja schon über viele Jahre gemacht. Man steht ja nicht das erste Mal zur Wahl. Ich habe die Freien Wähler hier in Brandenburg mitgegründet, seinerzeit, und das ist ein Fortlauf der Geschichte, da wir irgendwo noch was bewegen wollen. Und die allgemeine Unzufriedenheit, die derzeit überall herrscht, die nicht zu übersehen ist, da will ich versuchen, dem eine Richtung zu geben.
Andreas Koska: Und welche Ziele hätten Sie für die nächsten fünf Jahre, falls Sie gewählt werden sollten?
Thomas Schulz: Ich würde mich speziell für Strukturänderungen im ländlichen Bereich einsetzen, das heißt ÖPNV, wir brauchen Radwege, wir brauchen eine andere Busverbindungssituation, da wir sonst abgehängt werden, im Vergleich zu Teltow, wo schnell mal eine gute Taktung da ist – und bei uns viermal am Tag, wenn überhaupt der Bus fährt. Wir brauchen eine optimale Radwegverbindung. Wir kämpfen mittlerweile schon seit Jahrzehnten darum, um die Verbindung nach Potsdam, um Ketzin-Potsdam in der Verlängerung hinzukriegen bis an alle anderen Radwege um Brandenburg.
Wir brauchen eine Situation, in der wir weiter unsere Schulen und Kitas betreiben können. Es muss eine komplett andere Ausstattung erfolgen, aber von Landesseite, nicht von kommunaler Seite, da wir das sonst gar nicht mehr stemmen können.
Und man muss sagen, die Ökonomie muss wieder im Vordergrund stehen, ich bin selber im eigentlichen Ursprungsberuf Landwirt, Agraringenieur. Was auf dem Land los ist, was den Bauern auf der Seele drückt, wo sie schon gezeigt haben, um was es geht und oder gehen müsste. Aber es hat sich nicht viel was geändert.
Andreas Koska: Sie sind ja Kreistagsabgeordneter, und der Wahlkreis ist ja riesig, das muss man ja ganz deutlich sagen. Jetzt ist auch noch das Amt Brück dazugekommen. Wie gut kennen Sie Ihren Wahlkreis?
Thomas Schulz: Also ich sage mal, das ist natürlich sicherlich ein bisschen unterschiedlich. Ich kenne natürlich das Amt Beetzsee, das hinter Brandenburg liegt, wie meine Westentasche. Ich kenne auch sehr gut den Bereich nach Ziesar runter, auch Wusterwitz durch meine ursprünglichen Berufssituation und auch sicherlich Damsdorf und Umgebung. Ich bin dadurch, dass man ja auch im Kreistag unterwegs war, auch viel in den anderen Bereichen unterwegs gewesen. Also kennen und die Straßen ja, alle Einzelteile nein.
Andreas Koska: Nein, ich glaube, das wäre auch bisschen viel verlangt, jedes Dorf und jeden Weiler zu kennen. Oft sind die Probleme auch ähnlich. Sie haben zum Beispiel die Radwege angesprochen. Ich weiß zufälligerweise, dass zwischen Brück und Golzow die Leute seit 20 Jahren für ihren Radweg kämpfen, den sie ja immer noch nicht bekommen haben. Wäre das auch so ein Thema?
Thomas Schulz: Das ist das Thema, das wir parallel haben in Roskow rüber nach Zachow. Mit der Anbindung nach Ketzin, wofür auch ich selber persönlich um die 20 Jahre darum kämpfen – und wir eine lapidare Ablehnung bekommen haben vom Land mit der Begründung, es gäbe zu wenig Verkehr. Wir wollten seit über 20 Jahren Fußgängerüberweg haben. Es gibt zu wenig Querungen. Aber wir leben nun mal auf dem Land, und ich habe nicht wie in einer Stadt Tausende von Menschen, die jeden Tag da hin und her laufen. Und ich kann nicht einen hinstellen, der jeden Tag da nur quer über die Straße läuft, damit die Zählung stimmt. Wenn wir 600 Einwohner haben im Ortsteil können natürlich nicht Tausende jeden Tag überlaufen. Es geht aber trotzdem um die Sicherheitsfrage. Einen Raser kann ich nicht aufhalten, aber ich kann bestimmte Grundsätze klären.
Andreas Koska: Herr Schulz, dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Wahl und auch für die weitere politische Arbeit. Danke für das Gespräch.
Thomas Schulz: Danke.
(Der Wahlkreis 16 umfasst u.a. diese Städte und Gemeinden: Brandenburg an der Havel, OT Görden, Brandenburg an der Havel, OT Plaue, Groß Kreutz (Havel), Kloster Lehnin, Beetzsee, Beetzseeheide, Havelsee, Päwesin, Roskow, Borkheide, Borkwalde, Brück, Golzow, Linthe, Planebruch, Bensdorf, Rosenau, Wusterwitz, Buckautal, Görzke, Gräben, Wenzlow, Wollin, Ziesar)
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