Interview mit Organist und Komponist Ingo Wagner aus Mützdorf bei Wiesenburg – Wagner spielt am 30. März im Rahmen der Orgelvesper in der Dorfkirche Buckau

Mützdorf, Buckau, Dippmannsdorf. Fläming 365 hatte die Gelegenheit, den Organisten, Komponisten und Dippmannsdorfer Schulleiter Ingo Wagner zu interviewen. Anlass ist sein Konzert in der Dorfkirche Buckau am kommenden Sonntag.

Kristin Grünke: Mit 5 Jahren begannen Sie mit Klavierunterricht. Kommen Sie aus einem musikalischem Elternhaus?

Ingo Wagner: Nein. Das kam alles von meiner Seite. Ich hatte den Wunsch, Klavier zu spielen. Meine Eltern haben einen Privatlehrer organisiert. Das war gar nicht so einfach in der DDR-Zeit. Mehrere Nachbarskinder haben mitgemacht, so dass es sich für den Klavierlehrer lohnte.

Kristin Grünke: Die Faszination des Klavierspiels blieb und übertrug sich dann auf die Orgel?

Ingo Wagner: Ja, kann man so sagen. Klavier spielt man nur mit den Händen, und ich dachte mir, ich muss den Johann Sebastian Bach unbedingt auf der schönen Silbermann-Orgel damals in unserem Dorf spielen.

Kristin Grünke: Die Orgel spielt man mit Händen und Füßen?

Ingo Wagner: Ja, man nennt die Orgel nicht umsonst die Königin der Instrumente.

Kristin Grünke: Sie spielen demnächst in Buckau Johann Sebastian Bach auf der Orgel. Ist Bach ein Vorbild für Sie?

Ingo Wagner: Ja, Johann Sebastian Bach ist ein sehr moderner Musiker. Ich denke, in der heutigen Zeit würde er Dinge schreiben, die mit Techno zu tun haben. Bachs Musik klingt so wie sein Name: Bach. Es fließt. Es ist sehr rhythmisch. Bach versuche ich bei meinem kommenden Konzert in Buckau so zu interpretieren, dass es möglichst luftig und leicht klingen wird.

Kristin Grünke: Jede Orgel klingt anders. Probieren Sie die Orgeln vor jedem Konzert aus?

Ingo Wagner: Ja, ich schaue mir die Orgeln vorher immer an. Nicht jede Orgel eignet sich für die Literatur, die ich spiele. Ich habe Zuhause eine Orgel, an der ich übe, aber die ist natürlich auch wieder ganz anders als die in einer Kirche.

Kristin Grünke: Sie sind Leiter der Naturpark-Grundschule in Dippmannsdorf. Welche Fächer unterrichten Sie neben Musik?

Ingo Wagner: Ich unterrichte auch Mathematik. Musik und Mathe haben so viel miteinander zu tun.

Kristin Grünke: Haben Sie an der Schule Kinder, die ebenfalls die Leidenschaft an der Musik teilen?

Ingo Wagner: Ja, habe ich. Es ist so ähnlich, wie bei mir in der Kindheit. Auf dem Dorf ist es schwierig, adäquaten Musikunterricht zu bekommen. Die Kinder bräuchten nochmal eine besondere Förderung, wenn sie eine musikalische Laufbahn einschlagen möchten. Bei mir gab es zum Glück den Absprung zum Musikspezialgymnasium nach der 8. Klasse. Dieser Schritt war ganz wichtig für mich.

Kristin Grünke: Spielen Sie noch andere Instrumente als Klavier und Orgel?

Ingo Wagner: Ja, ich war 20 Jahre lang zusammen mit meiner Frau freischaffend. Unser englischsprachiges Musikprojekt „AnamcorA“ geht in die Celtic Electric Musikrichtung, mit keltischen Einflüssen. Ich komme eigentlich aus der irish-scottish Folk Richtung. Deshalb spiele ich auch Akkordeon, schottischen und irischen Dudelsack.

Kristin Grünke: Das ist etwas ganz anderes als Bach. Wie passt das zusammen?

Ingo Wagner: Ganz gut. Ich habe viele Stücke geschrieben für Dudelsack und Orgel.

Kristin Grünke: Seit wann komponieren Sie?

Ingo Wagner: Schon sehr lange. Unser zweites deutschsprachiges Musikprojekt „Zweeleute“ besteht nur aus Eigenkompositionen. Meine Frau textet und ich schreibe die Musik dazu. Ich habe Songs komponiert, aber auch klassische Stücke für ein Klavierkonzert. Das wurde allerdings noch nicht aufgeführt. Darauf hoffe ich noch.

Kristin Grünke: Wie würden Sie Ihre Kompositionen beschreiben?

Ingo Wagner: Es sind harmonische Stücke. Man hört keine schiefen Töne. Modern. Abwechslungsreich. Sehr melodisch. Das hört man auch bei dem Stück „Galaxy“, was ich am Sonntag in der Kirche in Buckau spiele. Die verschiedenen Klangebenen lassen sich mit der Orgel einfach gut umsetzen.

Kristin Grünke: Die Böttcher-Orgel in Buckau ist 1865 erbaut worden. Was ist das für ein Gefühl, an so einem alten Instrument zu spielen?

Ingo Wagner: Es ist ein tolles Gefühl. Aber in erster Linie denke ich nicht an die berühmten Leute, die dort gespielt haben.
Wo es mir allerdings kalt den Rücken runter lief, war in Altenburg. Die Orgel hat Johann Sebastian Bach als Orgelsachverständiger abgenommen. Diese Tasten hatte Bach angefasst und darauf gespielt. Das war ein tolles Gefühl.

Kristin Grünke: Haben Sie eine Lieblingsorgel?

Ingo Wagner: Ich habe jahrelang in Dessau in der Petrusgemeinde gespielt. Dort ist eine wunderschöne Orgel. Es ist eine recht große Orgel. Die hat ein Rückpositiv, das bedeutet, ein kleines Orgelwerk steht im Rücken des Organisten direkt zum Kirchenschiff gerichtet. Das ist meine Lieblingsorgel. Diese hat einen wunderschönen Klang. Ich war leider vor zehn Jahren das letzte Mal dort.
Und dann natürlich in meinem Heimatort Großkmehlen die Silbermann-Orgel. Diese klingt so wie der Name Silbermann: silbrig. Das Pedal spricht dort total toll an, ganz kraftvoll. Das hat man sehr selten, dass die alten Orgeln trotzdem so modern klingen.
Mein Anspruch ist es, wieder mehr Leute in die Kirche zu kriegen, dass sie sich mehr interessieren für die Orgelmusik und daran einfach Freude haben. Es geht um Freude und Musikgenuss. Ich selbst bin kein kirchlicher Mensch. In erster Linie spiele ich in Achtung vor der Kirchenmusik und der Geschichte um die Musik und weil es mir einfach Spaß macht.

Kristin Grünke: Am 30. März sind Sie zu Gast in Buckau. Wo kann man Sie sonst noch erleben?

Ingo Wagner: Am 01. August um 19 Uhr spiele ich in Jeserig bei Wiesenburg. Ansonsten bin ich bei Gottesdiensten im Umkreis von Dippmannsdorf zu hören . Dort spiele ich als Vor- und Nachspiel gern Stücke, die auch in meinen Konzerten zu hören sind. Da haben die Leute Freude dran, klatschen Beifall nach dem Gottesdienst und freuen sich einfach.
Am 13. April, 10 Uhr, begleite ich den Gottesdienst in Fredersdorf.
Am 27. April, 09.30 Uhr bin ich in Ragösen und um 11 Uhr in Dippmannsdorf.

Kristin Grünke: Vielen Dank für das Gespräch.

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