Eine verschwundene Sportstätte: Der Tennisplatz im Wiesenburger Schlosspark

Wiesenburg. Im Herbst 2018 waren die Tage des Tennisplatzes im Wiesenburger Schlosspark gezählt. Mehr als 100 Jahre nach seiner Errichtung wurde begonnen, ihn aus Denkmalpflegerischen Gründen zurückzubauen. Ziel war, die ursprünglich bei der Anlegung des Parks in der Mitte des 19. Jahrhunderts vorhandene weiträumige Sichtachse über das Parterre bis zur Bahnlinie wieder herzustellen.

In den Lebenserinnerungen des Wiesenburger Stellmachers Paul Krüger heißt es: „Der Tennisplatz im Park bestand schon Anfang des Jahrhunderts. Er war aber nur der Herrschaft und ihren Gästen zugänglich. Wir Jungen waren bemüht, den einen oder anderen Ball, der über das Ziel hinausgegangen war, zu erhaschen, einzusammeln und auf das Spielfeld zurückzuwerfen.“

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fanden sich Wiesenburger Freizeitsportler, die sich für Tennis begeisterten. Sie setzten den mit Maschendraht umzäunten Platz und den Pavillon instand und frönten ihrem Sport. In alten Aufzeichnungen heißt es, dass das ursprünglich vorhandene Umkleidehäuschen noch mit Reet gedeckt und die Umzäunung des Platzes so dicht mit Pflanzen bewachsen war, dass das Grün vor unerwünschten Blicken schützte. Nach dem Rückbau ist nur eine Wiese geblieben und die Erinnerung an den Tennissport im Wiesenburger Schlosspark. Statt dort frönen Wiesenburger Tennisliebhaber jetzt ihren Sport im Flämingstadion.

Schöpfer des Wiesenburger Schlossparks ist der königlich-preußischen Rittmeister Curt Friedrich Ernst von Watzdorf (1839-1881). Nach erfolgten Umbauten am Schloss nahm sich der Pflanzenliebhaber, der auf seinen Reisen durch Europa viele Parkanlagen gesehen hatte, ab 1868 dem alten Schloss- und Tiergarten vor seiner Haustür an. Er begann, seine Vision von einem weitläufigen Schlosspark nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten zu verwirklichen. Das Parterre mit den Teppichbeeten entstand. Neue Teiche und Wege wurden angelegt. Kostbare Pflanzen, insbesondere Koniferen und Baumsämereien ließ er aus u.a. Belgien, England und sogar Amerika holen. Neben ausgewählten Bäumen ließ er viele Rhododendren pflanzen und verwirklichte seinen Traum immer weiter. Nach seinem Tod wurde Curt Friedrich Ernst von Watzdorf im Waldparkbereich am so genannten Stern begraben.

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