Reetz. Als Heimatschriftsteller bereiste Otto Boettger-Seni aus Freienthal in den 1930er und 1940er Jahren die Region. Er stattete Städten wie Werder, Beelitz und Belzig und kleinen Dörfern Besuche ab, um späterhin im Kreiskalender über sie zu berichten. 1940 veröffentlichte er einen Aufsatz über eine Stippvisite in Reetz. Vom damaligen Bürgermeister Friedrich hatte sich Boettger-Seni zuvor das Dorf zeigen lassen.
Besuche der Kirche, der ehemals Moritzschen Mühle auf dem Mühlberg und des neuen Schwimmbads gehörten zum Ausflugsprogramm.
Das Freibad betreffend heißt es: „Es war an alles gedacht, was eine moderne Badeanstalt benötigt. Das Wasser spenden zwei nahe gelegene alte Quellen, die nun diesem Zwecke nutzbar gemacht wurden. Demnächst erhält die Badeanstalt noch einen weiteren Zufluss an temperiertem Wasser durch ein nahe gelegenes technisches Werk.“
1937 war mit dem Bau der Badeanstalt begonnen worden. Einem im Heimatkalender von 1939 erschienenen Aufsatz zufolge, soll die Idee dafür auf einer Familienfestlichkeit entstanden sein. Den an dieser Stelle ursprünglich vorhanden gewesenen verschlammten Dorfteich wollte man in eine Badeanstalt verwandeln.
Die nachfolgend erledigten Voruntersuchungen ergaben dafür „ein äußerst günstiges Bild“. Der Teich hatte zwei Quellen als Zuflüsse und nach Norden hin bergab einen für gut befundenen Abfluss. Außerdem hatten Kinder den Dorfteich bereits in früheren Zeiten als Badestelle genutzt. „Aber dann verschlammte er mehr und mehr und wurde nur noch als Pferdeschwemme benutzt, oder einige verwegene Jungen wateten noch, so weit es ging, hinein.“
Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, konnte der Bau beginnen. Der Betrieb R. Senst stellte der Gemeinde zur Verwirklichung des Vorhabens kostenlos Schienen, Loren und eine Zugmaschine zur Verfügung. So konnte der Schlamm aus dem alten Dorfteich in die Lehmkuten gefahren und dort eingeebnet werden. „Durch die Ausschachtung des verlandeten Teiches wurde seinerzeit zwei Morgen fruchtbarer Acker gewonnen“, heißt es weiter.
Im Jahr darauf, 1938, wurde die neue Badeanstalt von Reetz mit einem Schwimmbecken (65 mal 25 Meter), einem Nichtschwimmerbecken (65 mal 12 Meter) und einem Planschbecken für die Kleinsten eröffnet.
Neben dem neuen Schwimmbad in Reetz existierten damals bereits vergleichbare Bäder in Belzig, Niemegk, Brück und Treuenbrietzen, die zur Entwicklung des Schwimmsports in der Region beitrugen.
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