Das 75-Jährige Bestehen der Sportgemeinschaft (SG) Reetz war der Märkischen Volksstimme im Januar 1973 einen Beitrag wert, in dem über die Entwicklung der örtlichen SG berichtet wurde. Als Sportverein „Frisch Auf“ war die Sportgemeinschaft im Jahr 1897 unter dem Vorsitz des Müllermeisters Otto Kühne gegründet worden.
Als erste Trainingsstätte bewährte sich der Schulhof. Bald stellten sich die ersten Erfolge der aktiven Sportler ein und Gastwirt Richard Mehlitz entschloss sich, Turngeräte für den Sportverein anzuschaffen. Er kaufte einen Reck, einen Kasten und Taue und stellte den Reetzer Sportfreunden den Saal zum Training zur Verfügung. Diese Entscheidung des Gastwirts war kein Einzelfall. In Städten und Dörfern hatten sich vielerorts Gastwirte entschlossen, den Sportvereinen Räumlichkeiten zur Nutzung anzubieten. Im Gegenzug tranken die Sportler ihr abendliches Bier im Gasthof, hielten in den Lokalitäten ihre Vereinstreffen ab und unterstützten bei Veranstaltungen, zu denen die Wirte einluden. Doch zurück nach Reetz.
1922 zählte der Sportverein „Frisch Auf“ 70 aktive Mitglieder. Alle frönten dem Geräteturnen, die Leichtathletik wurde damals nur als Ausgleichssport nebenbei betrieben. Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde die intensive Sportarbeit in Reetz unterbrochen.
1946 begann der Neuaufbau der Sportgemeinschaft. In der Märkischen Volksstimme von 1973 werden die Sportfreunde Kurt Friedrich und Otto Schulze genannt, die sich damals um die Fortsetzung der sportlichen Tradition im Dorf besonders bemühten. In der Gemeindevertretung waren seinerzeit Otto Großkopf und Ernst Striebing für den Sport in Reetz verantwortlich. Erster Vorsitzender der Sportgemeinschaft nach dem Krieg wurde Rolf Friedrich.
In der Berichterstattung heißt es weiter: „Seit 1949 wurde die SG Reetz unter Leitung von Willi Schmidt zur Hochburg im Geräteturnen des Kreises Zauch-Belzig. Ein gesunder, ehrgeiziger und freundschaftlicher Wettkampf um die beste Turnsektion des Kreises entbrannte zwischen den Sportgemeinschaften Fredersdorf, Lütte, Dippmannsdorf, Ragösen und Reppinichen. Unzählige Kreismeistertitel wurden von den Sportlern der SG Reetz im fairen Wettkampf erkämpft.“
Der Autor, der namentlich in der Berichterstattung nicht genannt ist, nimmt in seinem Aufsatz Bezug auf die Chronik der Sportgemeinschaft, die damals von Richard Oschatz geführt wurde. Er nennt die darin gelesenen Namen der Aktiven, die sich um die Entwicklung des Sportes in Reetz Verdienste erworben haben. Es sind Kurt Friedrich, Willi Senst, August Ihlow, Werner Ihlow, Werner Senst Wolfgang Striebing, Richard Striebing und Werner Friedrich, „die mit all ihrer Persönlichkeit und all ihrer Kraft um gute Ergebnisse bemüht waren.“
Erwähnt wird auch, dass bei den DDR-Meisterschaften der Institute für Lehrerbildung der Sportfreund Werner Senst 1958 den Meistertitel in Berlin erringen konnte und 1959 in Leipzig einen zweiten Platz. Zum 70-jährigen Jubiläum der Sportgemeinschaft erhielt diese vom Kreisvorstand des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) eine neue Fahne gestiftet. Dann folgt der Satz, dass die Reetzer Sportgemeinschaft 1972 als erste in der Republik mit der olympischen Alltagsmedaille ausgezeichnet wurde, die „nun schon in aller Welt bekannt durch die Veröffentlichung der Londoner „Sunday Times“.“
Ob es sich bei der olympischen Alltagsmedaille um die Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille handelte, bleibt an dieser Stelle unbeantwortet. Vielleicht lösen die Reetzer dieses Rätsel ja bei Gelegenheit. Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille wurde damals jedenfalls vom Deutschen Turn- und Sportbund an verdienstvolle Sportler, Trainer und Mitglieder vergeben und galt als höchste Auszeichnung, die von der sportlichen Massenorganisation vergeben werden konnte. Benannt war die Medaille nach Friedrrich-Ludwig-Jahn (1778 bis 1852), der zu den Begründern der Turnbewegung gehörte.
Die aktiven Reetzer Sportler waren damals aber nicht nur um sportliche Höchstleistungen bemüht, sondern sorgten auch dafür, dass das Dorf sich entwickelt und neue Sportstätten entstanden. Dazu gehörte die neu erbaute Kegelbahn, für die Tausende freiwillige Arbeitsstunden geleistet wurden.
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