Bad Belzig, Land Brandenburg. Brandenburg steuert auf einen beispiellosen Bruch mit dem europäischen Artenschutzrecht zu. Landesjagdchef Dirk-Henner Wellershoff kündigte an, in diesem Jahr 500 Wölfe töten zu wollen¹ – das bedeutet angesichts der offiziellen Zahlen zum Brandenburger Wolfsbestand eine de facto erneute Auslöschung der Population im Land. Unterstützt wird dieses Vorhaben vom Umweltstaatssekretär und früheren Jagdlobbyisten Gregor Beyer, dessen Referatsleiter erklärte, man wolle dafür sorgen, dass „der Wolf komplett aus dem Artenschutz rausfliegt“¹.
„Hier werden offenbar gezielt gesetzliche Artenschutzmechanismen ausgehebelt, um einer gut vernetzten Minderheit den Weg zu legalisierter Trophäenjagd freizumachen“, sagt Jürgen Hauschke, Vorsitzender der Initiative für die Natur e.V..
Die Ausschusssitzung zum Wolf am 2. Juli 2025 im Landtag, einberufen durch die CDU und von der AfD geleitet, war von Interessenvertretern der Jagdlobby dominiert. Der politische Einfluss dieser Szene wird durch Aussagen Wellershoffs untermauert:
„Jetzt haben wir ja mit Hanka Mittelstädt und Gregor Beyer zwei politisch Verantwortliche, mit denen ich seit Jahren befreundet bin“².
Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke ist bekennender Jäger.
Der Biologe Dr. Norman Stier warnte vor einer schon jetzt „starken illegalen Bejagung“ von Wölfen in Deutschland¹. Untersuchungen anderer Forscher haben gezeigt, dass die tatsächlichen Zahlen illegaler Tötungen die offiziellen Angaben mindestens um den Faktor zehn übersteigen – etwa 10 Prozent der Wolfspopulation in Brandenburg könnten jährlich so verschwinden.
Hans-Holger Liste, Sprecher der Allianz Wolf Brandenburg, kritisiert:
„Die Landesregierung riskiert durch ihre offensichtliche Klientelpolitik nicht nur die Wiederausrottung einer streng geschützten Art, sondern beschädigt auch Vertrauen in Gesetz, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Wer hier schweigt und wegschaut, macht sich mitschuldig.“
Der BUND Brandenburg hatte bereits im Frühjahr 2025 die von Staatssekretär Beyer angeordnete Tötung von 106 Bibern als rechtswidrig eingestuft³. Ähnliche Verfahren scheinen nun beim Wolf erprobt zu werden.
„Wir brauchen keine Jagdtrophäen im Wohnzimmer, sondern eine naturschutzorientierte Politik, die auf Wissenschaftlichkeit basiert und entsprechende Erkenntnisse ernst nimmt“, fordert Ralf Hentschel, Vorsitzender des Freundeskreis freilebender Wölfe:
„Brandenburg sollte mit gutem Beispiel für Artenschutz vorangehen, nicht für dessen Demontage.“
Wir fordern die Landesregierung daher auf, die rechtswidrige Jagdpolitik sofort zu beenden, die Einflussnahme der Jagdlobby zurückzudrängen und sich klar zu den europäischen und nationalen Natur- und Artenschutzgesetzen zu bekennen.
Quellen:
¹ BZ Berlin, 02.07.2025: „Jäger-Chef will 500 Wölfe schießen“
² Pirsch, 20.04.2025: „Wellershoff rechnet ab: Warum der DJV für uns keine Zukunft hat“
³ BUND Brandenburg, Pressemitteilung 01/2025 zur Biber-Tötung
(Dr. Hans-Holger Liste – Allianz Wolf Brandenburg | Jürgen Hauschke – Initiative für die Natur e. V. | Ralf Hentschel – Freundeskreis freilebender Wölfe)
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3 Kommentare
Was für irrsinnige Diskussionen. ☹️🙄
Ich mag den Wolf. 🐺
DANKE!
KEINE JAGD AUF WÖLFE
Der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg Dirk-Henner Wellershoff möchte noch in diesem Jahr 500 Wölfe töten lassen (1). Das bedeutet angesichts offizieller Zahlen zum Brandenburger Wolfsbestand eine de facto Wiederausrottung des Wolfes im Land.
Unterstützt wird dieses Vorhaben u.a. vom Umweltstaatssekretär und früheren Jagdlobbyisten Gregor Beyer, dessen verantwortlicher Referatsleiter für Artenschutz prompt erklärte, man wolle dafür sorgen, dass „der Wolf komplett aus dem Artenschutz rausfliegt“ (1).
Mit einem Fußmarsch vom Landtag in Potsdam zum Brocken vom 01. bis 08.09.2025 machen wir öffentlichkeitswirksam auf diese naturfeindliche und undemokratische sowie populistische Klientelpoiltik gegen den Wolf aufmerksam.
„Wolf und Luchs, brauchen strengen Schutz. Dazu stehen wir, dafür gehen wir. Potsdam zum Brocken, geplante Wolfsjagd stoppen.“
Unter diesem Motto tragen wir auf unserem einwöchigen Fußmarsch einen Forderungskatalog zum strengen Wolfs- und Artenschutz aus dem Wolfsland Brandenburg ins Luchsland Harz, d.h. auf den Brocken und damit symbolisch ganz nach oben an höchste Stelle der wolfreichsten Bundesländer.
🏫 Start des Schutzmarschs für Wölfe:
am 01.09.2025 um 10 Uhr in Potsdam vor dem Brandenburger Landtag (Am Alten Markt 1)
🏔️ Ende: am 08.09.2025 um 13 Uhr auf dem 1141m hohen Gipfel des Brocken
📑 Dort findet auch die Veröffentlichung unseres Forderungskatalogs zum Wolfs- und Artenschutz statt
Auf unserem Marsch besteht die Möglichkeit, uns zu treffen und uns für kürzere oder längere Abschnitte zu begleiten.
Für detaillierte Informationen zu Verlauf und aktuellen
Standorten auf unserem Marsch kontaktiert bitte: Semra, Allianz Wolf Brandenburg (AWB), Tel.: 01727622736, Email: info@gegenwolfsjagd.de
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Quellen:
(1) BZ Berlin, 02.07.2025: „Jäger-Chef will 500 Wölfe schießen“
(2) The Revelator, 23.06.2025: „The Politicians Who Cried Wolf“
(3) BfN-Schriften 715, 2024, „Populationsgefährdungsanalyse für die Art Wolf (Anhang II und
IV FFH-Richtlinie). Grundlage für die Ableitung des Referenzwertes für die günstige
Gesamtpopulation“ (https://www.bfn.de/publi…/bfn-schriften/bfn-schriften-715-
populationsgefaehrdungsanalyse-fuer-die-art-wolf)