Bad Belzig. Es sind häufig die kleinen Sachen, die einen aufschrecken können, nachdenklich machen – und die vor einiger Zeit noch undenkbar waren und jetzt offen zu Tage treten. So in Bad Belzig. Ein Auto, ein Kleinbus war vor mir unterwegs, An einer Ampel merkte ich auf, denn an der oberen Heckscheibe waren mehrere Aufkleber in einer Reihe zu sehen.
Mein Sohn war Legastheniker und so weiß ich, dass bei einer Schreib- und Leseschwäche die Vokale verschwinden, da sie in den Konsonanten mitgedacht werden. So auch bei diesen Aufklebern „FCK GRN“ las ich, sollte wohl heißen „Fuck Grün“ frei übersetzt „Nieder mit den Grünen“. Die Linke und die Antifa hatten da mehr Glück, wurde sie doch ausgeschrieben. Offenbar fehlte den Machern die Fantasie wie man Linke oder Antifa ohne Vokale aber mit Wiedererkennungswert schreiben kann. Also ist darauf „FCK Linke“ und „FCK Antifa“ zu lesen.
Nun kann man diese Meinung haben und vor allem ungestraft äußern, ob sie mir gefällt oder nicht.
Die „Alternative für Deutschland“ ist vom Verfassungsschutz in Brandenburg als „gesichert Rechtsextrem“ klassifiziert worden. Das weist explizit darauf hin, dass die Partei den Boden der Verfassung verlassen hat und als Feind der Demokratie gesehen wird. In Treuenbrietzen befürchtet man gar bei der kommenden Bürgermeisterwahl, dass der Kandidat dieser Partei trotz der offensichtlichen demokratiefeindlichen Einstellung Chancen hätte.
Was hat das mit den Aufklebern zu tun? Nun, ein weiterer ziert die Heckscheibe; „LVE AFD“ – „Love AfD“, da liebt also jemand die rechtsradikale Alternative. Noch vor wenigen Jahren waren Nazis und Faschisten eine Randerscheinung, die man negierte und abtat. Jetzt ist es en vogue ,diese Einstellung offen zur Schau zu stellen und gar damit zu prahlen.
Eins lässt sich sicher sagen: Die Ausrede „ich habe es vorher nicht gewusst“, gilt nicht mehr. Wer sein Gehirn nicht benutzt und nicht hinterfragt, der hat schon jetzt verloren.
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5 Kommentare
Andreas, es ist in der Tat erschreckend und mir geht das ganz schön an die Nieren, wenn ich aus Norwegen kommend hier einmal wieder den Urlaub verbringe, so wie ich das jetzt gerade mache. Wir beseitigen aber die Ursachen nicht, wenn wir nur die nun vorgefundenen Zustände beschreiben und kritisieren. Wir müssen viel mehr den Fokus auf die Ursachen legen. Hier ist in der Vergangenheit von den etablierten Parteien speziell in Ostdeutschland furchtbar viel falsch gemacht worden, indem man die Befindlichkeiten der Bevölkerung nur geringfügig wahrnahm oder vielleicht respektierte. Was ich damit meine, ist folgendes: Das Volk möchte gehört werden und erwartet auch von den etablierten Parteien ein wenig mehr Selbstkritik und weniger Ideenlosigkeit. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass viele Menschen diesen rechten Rand nur wählen, weil sie eben aus ihrem Blickwinkel heraus keinen Vorteil sehen, andere zu wählen. Auf der anderen Seite hat sich eine Kultur entwickelt, jegliche Kritik auch schnell mal mit dem Begriff „rechts“ abzukanzeln. Und genau das grenzt dann auch ganz schnell einmal aus. Wenn die Gesellschaft das im Auge hat, kann man das Ruder noch herumreißen. Wenn die Politik allerdings so ignorant weitermacht, sehe ich für Deutschland schwarz. Und gerade unser neuer Kanzler und seine Regierung hinterlassen nicht den Eindruck, dass die Gesamtsituation besser werden wird. Aber genau genommen liegt es bei uns…
Bravo! Cancel culture vertieft Gräben anstatt Probleme zu lösen.
Wunderbar geschrieben.!!!!
Werter Herr Koska, wer entscheidet denn in einer Demokratie wer ein Feind ist oder wer nicht?. Die Behörde einer Regierung oder doch besser einer wirklichen Demokratie würdig doch ein unabhängiges Gericht? Wer in der Art und Weise über eine demokratisch gewählte Partei urteilt und gleichzeitig der Meinung einer Behörde folgt die durch Parteibuchträger besetzt ist schrammt vermutlich an ein System das wir glaubten 1989 hinter uns gelassen zu haben. Übrigens ein Blick auf die Kampfgruppe der Linken, die sich nie von der diktatorischen SED losgesagt hat, die Antifa mit ihrer“Hammerbande“ wäre da wohl aufschlussreicher. Nicht um sonst wird die Antifa in einigen Demokratien als terroristische Vereinigung eingestuft und verboten.
@Ralf Nedler. Ich kann nicht für Herrn Koska reden, aber ich habe eine ähnliche Meinung:
Hitler wurde demokratisch gewählt – und brauchte dann nur zwei Monate, um die Demokratie zu zerstören. Danach gab es keine Wahl mehr. Aus dieser Erfahrung heraus kommt es im heutigen Deutschland nicht nur darauf an, dass eine Partei demokratisch gewählt wird, sondern auch darauf, dass die gewählte Partei auf der Seite der Demokratie steht. Die AfD und ihre Funktionäre haben mehrfach bekundet, dass sie die Demokratie hassen (z.B.: https://jugendstrategie.de/hasserfuellte-und-menschenverachtende-zitate-der-afd/)
Deshalb gibt es im Grundgesetz anders als in der Weimarer Republik die Möglichkeit, Parteien zu verbieten. Deshalb gibt es auch in unserer Zeitung keinen Platz für Parteien mit antidemokratischen Absichten. Deshalb veröffentlichen wir auch Kommentare wie den von Herrn Koska.