Wiesenburg/Mark. Seit vielen Jahren erfolgt die Essensversorgung für Kitas und Schulen in der Region über Cateringunternehmen. Das jedoch nicht immer zur Zufriedenheit von Eltern und Verwaltungen. Oft wurde die Qualität des Essens bemängelt. Dazu kommt, dass das Essen meist bereits am frühen Morgen zubereitet und abgefüllt wurde, da es ja noch transportiert werden musste. Das lange Warmhalten schadete der Qualität, so dass viele Kinder trotz bezahlter Beiträge die Mahlzeiten nicht essen wollten.
Bereits auf mehreren Mitmachkonferenzen kam das Thema einer regionalen Essensversorgung zur Sprache. Bisher fehlte es jedoch an geeigneten Räumlichkeiten. Zudem ist eine Küche für eine einzelne Kommune in der Regel nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die Sicherstellung der Mittagsverpflegung in Schulen und Kindertagesstätten gehört zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben der Kommunen. Durch die geplante interkommunale Zusammenarbeit kommt jetzt Bewegung in die Sache.
Es besteht die Absicht, zusammen mit dem Amt Niemegk und der Stadt Bad Belzig einen Zweckverband-Essensversorgung zu gründen, wobei die bestehende Küche der Firma B.O.S.S. in den Zweckverband überführt werden soll. Die bisherige Betreiberin der Küche am Standort Niemegk hat ihren Rückzug angekündigt, sodass sich die Möglichkeit der Geschäftsübernahme im Rahmen interkommunaler Zusammenarbeit bietet.
Zur langfristigen Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, sozialverträglichen und wirtschaftlich stabilen Versorgung beabsichtigen die beteiligten Kommunen daher, diese Aufgabe im Wege einer Rekommunalisierung wahrzunehmen. Die Reaktionen in der kürzlich stattgefundenen Gemeindevertretersitzung waren durchweg positiv. „Das ist etwas Historisches, wir sind froh, dass es endlich soweit ist“, sagte Astrid Rabinowitsch. Daniele Rabinowitsch bestätigte dies:
„Wir wünschen und das schon lange, es ist eine Herzensangelegenheit. Endlich keine Ausschreibungen mehr und keine Cateringfirma, bei der die Qualität nicht stimmt.“
Deshalb war für alle auch die Nähe der Küche zu den Einrichtungen ein wichtiges Kriterium für ihre Zustimmung. Lediglich ein Abgeordneter stimmte dagegen, zwölf dafür.
Mit der Gründung eines Zweckverbandes nach § 10 Gesetz über kommunale Gemeinschaftsarbeit im Land Brandenburg (GKGBbg) wird eine rechtssichere, dauerhafte und vergaberechtlich privilegierte Organisationsform gewählt, die eine enge interkommunale Zusammenarbeit ermöglicht und die kommunale Steuerungs- und Kontrollfunktion sicherstellt. Der Zweckverband ermöglicht zudem eine wirtschaftliche Betriebsführung, Preisstabilität sowie die schrittweise Digitalisierung der Bestell- und Abrechnungsprozesse.
Die Gemeindeverwaltung Wiesenburg/Mark leistet hierfür viel Zuarbeit und wird perspektivisch die Personalverwaltung im Auftrag des Zweckverbandes übernehmen. Ein Großteil der insgesamt 17 Arbeitnehmenden muss überführt bzw. bei Trägern angestellt werden. Die Wirtschaftsplanung sowie personalrechtliche Belange wie zum Beispiel die Eingruppierung, sind weitestgehend abgeschlossen.
Erste Gespräch mit der Küchenleitung und Köchen fanden bereits statt. Derzeit werden Personalgespräche vorbereitet. Erste Stellenbeschreibungen und ein Entwurf eines Stellenplans sind erstellt. Die Kommunen Niemegk und Bad Belzig planen teilweise Personalübernahme oder müssen dies noch tun. Der Satzungsentwurf des Zweckverbandes wird in Abstimmung mit Kommunalaufsicht gefertigt. „Zum Preis kann man abschließend noch keine konkrete Zahl nennen, weil wir derzeit noch kalkulieren und Angebote einholen, bsw. für Digitalisierung und Lieferfahrzeuge. Es soll aber stabile und sozialverträgliche Preise geben“, so Martin Malichatka von der Gemeinde Wiesenburg/Mark.
Aber es gibt auch noch Herausforderungen zu bewältigen. Die Bestellungen in der Küche erfolgten bisher analog. Angedacht ist eine APP bzw. eine digitale Bestelllösung. Auch die Anforderungen an Arbeitsschutz und Brandschutz müssen geprüft und ein HCCP-Konzept erstellt werden. Auch die Abrechnung sollte idealerweise digital erfolgen.
Die Beschlüsse für die Gründung des Zweckverbandes sollen in allen beteiligten Kommunen im März getätigt werden.
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