Locktow. Bereits zwei Stunden vor Beginn der Sitzung des 14. Kreistages gab es Protest gegen die Kürzung bei den Familienzentren vor dem Tagungsort, das renovierte Kulturhaus Locktow. Mit dem Protest wurde auf die sozialen Risiken aufmerksam gemacht, die eine Kürzung bei den Familienzentren bedeuten würde. Junge und Alte, Bedürftige und Schwangere, Familien – für sie alle sind die Familienzentren da.
Vorstehende Fotogalerie: © Thomas Singer
Viele der über 100 Protestierenden kannten bisher Locktow nicht, kamen aber hierher, stellvertretend für die vielen, die arbeiten mussten und für diejenige, die auf den ÖPNV angewiesen waren. Für sie alle war es nicht nur eine Herzenagelegenheit, sondern ihnen ging es um das „Herz der Orte“, wie eine Rednerin auf der kleinen Protestkundgebung sagte. Denn Familienzentren sind nicht nur fpür die kleinen Orte da, sondern auch für Ältere und Bedürftige, sie sind gegen Vereinsamtung und Vereinzelung.
Corinna Reinbach, Leiterin des Familienzentrums Bad Belzig, machte am Beispiel ihrer Einrichtung klar, dass sie für Einheimische, Zugezogene und Flüchtlinge gleichermaßen da sind. Die Familienzentren machen mocht nur Yoga und Rückenschule, sondern kümmern sich auch um Familien, Kinderrechte und Kinderschutz, Kreativität, Bewegung und vieles mehr. Von den Angeboten für Schwangere und Babys ganz zu schweigen.

Als einziger Kreistagsabgeordneter sprach deren ältestes Mitglied, der bereits seit 28 Jahren als Kreistagsabgeordneter arbeitende Klaus-Jürgen Warnick (Die Linke) zu den Protestierenden. Er mahnte an, die aus seiner Sicht falsche Politik der EU, der Welt, aber auch der Bundesregierung nicht zu vergessen. Andere Abgeordnete suchten das direkte Gespräch mit den protestierenden Menschen.

Auch Landrat Marko Köhler stellte sich ihnen. Er wiederholte, was er bereits in vielen Einzelgesprächen gesagt hat. Er sieht den Protest als Unterstützung und als Hilfe für ihn. Er will die Familienzentren erhalten, aber er dürfe nur die freiwilligen Aufgaben kürzen. Und selbst wenn er alle sogenannten freiwilligen Aufgaben kürzt, würde es nicht reichen. Die Kreispolitiker „versuchen Probleme zu lösen, die sie nicht verursacht haben“. Sie müssten sowohl sparen als auch gemeinsam noch viel lauter zu werden.
Das wiederholt er auch vor den Kreistagsabgeordenten im Kulturhaus Locktow. Inzwischen gibt es auch einen Antrag der CDU, der mehr Finanzen für die Familienzentren fordert. SPD, BVB/Freie Wähler und Die Linke/Piraten/Tierschutz PM hatten das bereits beantragt. Eigentlich sprach viel für einen gemeinsamen Amtrag der meisten Fraktionen im Kreistag. Doch auch eine 15-minütige Auszeit konnte keinen Durchbruch bringen. Der SPD-Fraktionsvorsitzenen, Melanie Balzer, blieb nur festzustellen:
„Die Mehrheit möchte das Gleiche, aber mit unterschiedlichen Mitteln.“
Die beteiligten Fraktionen werden sich die Kürzungen noch einmal kritisch anschauen und zusammen einen geeinten Weg suchen, um einen gemeinsamen Antrag einzureichen. Ziel bleibt es, den Familienzentren doch noch mehr Geld zukommen zu lassen. Ob in der Höhe wie bisher, das bleibt fraglich. Die Entscheidung fällt endgültig erst am 3. Dezember 2026, wenn der Kreistag wieder tagt, dieses Mal in der Heimvolkshochschule Seddiner See.
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