Jeseriger Seefest: Von Holzschuhen bis Helga Hahnemann

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Jeserig/Fläming. Es wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass sich Helga Benke um die Organisation des Jeseriger Seefestes gekümmert hat. Die 74 ist Ortsvorsteherin des kleinen Flämingdorfes. Aber im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen und sie wird nicht erneut kandidieren. Ob es schon einen Nachfolger gibt? Helga Benke zuckt mit den Schultern. In diesem Jahr hat sie aber noch einmal alles in die Waagschale geworfen und das dreitägige Fest zu einem Erlebnis für alle gemacht.

Bereits am Freitag gab es ein Konzert in der kleinen Kirche. Diese ist für ihre tolle Akustik bekannt. Das Vokalensemble „Bellis“ aus Bad Belzig sang a-capella Lieder in verschiedenen Sprachen. Die „Bellis“ bestehen seit mehreren Jahren aus 6 Frauen. Der Name bezieht sich auf den botanischen Namen für das Gänseblümchen -bellis perennis-, deshalb werden sie auch oft die „Singenden Gänseblümchen genannt.

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Der Samstagnachmittag begann mit den Holzschuhtänzern aus Marzahna. Sie waren schon einmal in Jeserig zu Gast, damals allerdings bei Regenwetter. Diesmal beschlossen die Tänzer, auf der überdachten Bühne zu tanzen, denn die Sonne brannte genau auf die Tanzfläche. Dazu musste die Deko aus Sonnenblumen, die man auf Flächen des Landgutes Reppinichen pflücken durfte, erst mal beiseite gerückt werden. Die Tanzgruppe besteht seit nunmehr 16 Jahren, derzeit sind 12 Tänzer und Tänzerinnen aktiv. 22 Tänze haben sie in ihrem Repertoire. Begonnen hat alles in Schmögelsdorf bei Marzahna. Dort war ein Dorffest geplant und man suchte nach Einlagen, die natürlich so gut wie nichts kosten durften. So kam Heike Peuschke mit ihrem Mann und einem befreundeten Pärchen auf den Gedanken, das beliebte Lied „Annemarie“ in alten Kleidern zu tanzen. Dazu wurden Omas alter Kleiderschrank geplündert und die Holzschuhe hervorgeholt. Das kam so gut an, dass sich weitere Mitstreiter fanden, die aber auch auf Grund von Job oder Krankheit immer wieder wechselten. Jedes Jahr kam ein neuer Tanz dazu. Jetzt sind die Holzschuhtänzer im ganzen Fläming unterwegs, haben bereits auf der grünen Woche getanzt, auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern und, wie in Jeserig, auf Dorffesten. Ihren nächsten Auftritt werden sie auf dem Flämingmarkt in Raben im September haben. Alle machen es aus Spaß an der Freude, sie sind kein eingetragener Verein, sondern nur eine Gruppe, die Spaß an dem hat, was sie tut.

Den Höhepunkt des Festes gab es wohl schon am Nachmittag. Mit Waltraud Althoff aus Stendal hatte Helga Benke ein Original eingeladen, das Lachsalven auf dem ganzen Festplatz provozierte. Allerdings durfte auch niemand allzu zart besaitet sein, denn ihre Ausführungen waren teilweise recht derb und teilweise– wenn auch nur ein kleines Stück – unter der Gürtellinie. Wenn Waltraud Althoff jemanden auf dem Kieker hatte, blieb dem nur eins übrig, mitmachen. Und das taten die Gäste. Als Helga Hahnemann angekündigt, unterhielt sie mit der gleichen „Kodderschnauze“ wie die leider viel zu früh verstorbene Entertainerin. Aber es war auch viel Improvisation dabei auf die Reaktionen des Publikums. Dieses krümmte sich teilweise vor Lachen. Da blieb auch den Männern nichts weiter übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Schließlich gab es fürs Mitmachen auch etwas Süßes.

Neben dem Programm gab es auch noch viele andere Aktivitäten. Der Kuchenbasar war wieder gut gefüllt. Um den kümmert sich seit vielen Jahren Gisela Burmeister. Sie organisiert die Bäckerinnen und auch diejenigen, die auf dem Fest verkaufen.

Schon beim Aufbau waren viele Jeseriger dabei. Helga Benke hatte in jeden Haushalt einen Zettel wegen des Aufbaus auf dem Festplatz gegeben und konnte sich über 20 Helfer freuen. Das Kinderschminken lief in diesem Jahr etwas anders ab. „Die Gesichter zu bemalen, ist bei den Temperaturen keine gute Idee“, sagte Gabi Gensch, „deshalb haben wir uns entschlossen, Arme und Hände zu bemalen“, sprachs und vervollständigte die zarte Blüte auf dem Unterarm. Das Glücksrad war besonders bei den Kindern beliebt. Angefertigt hat es Manfred Albrecht. „Wir wollten sowas haben“, so Helga Benke, „aber was wir im Internet gefunden haben, war einfach zu teuer.“ So wurde Manfred Albrecht angesprochen, der es schon vor zwei Jahren herstellte. Inzwischen wurde es auch schon an andere Orte ausgeliehen.

Am Abend gab es noch Live Musik mit Sherz&Shine&Mal von Mal´s Scheune aus Wiesenburg und Discomusik mit DJ Dittberner aus Wiesenburg. Der Sonntag begann mit dem traditionellen Frühschoppen und Blasmusik vom Jugendblasorchester Wiesenburg. Dazu konnte sich jeder an der Erbsensuppe stärken. Und wem es zu heiß wurde, der konnte sich Im See etwas abkühlen. Aber auch dem macht die Trockenheit zu schaffen. Die Fische schnappen nach Luft und das Schilf, welches sonst immer noch etwas Sauerstoff produziert, steht inzwischen auf dem Trockenen.

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