Weihnachten in der Wabe Wiesenburg

Wiesenburg. Das ambulante Wohnprojekt der Wabe für Drogen- und Alkoholabhängige Menschen in Wiesenburg/Mark platzte aus allen Nähten. Dort hatten die Bewohner zu einer gemütlichen Weihnachtsfeier eingeladen. Die 23 Bewohner hatten liebevoll die Tische gedeckt und Kaffee und Kuchen vorbereitet. Ein besonderer Leckerbissen waren die Torten, die Sozialpädagogin Heide Kistritz immer wieder auf einem kleinen Wagen präsentierte und die reißenden Absatz fanden. Im Vorraum war ein kleiner Stand aufgebaut, an dem Exponate aus der Werkstatt erworben werden konnten. Etwas eng wurde es, als der Wiesenburger Chor eintraf. Gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen, manchmal lauter, manchmal leiser. Für den Chor gab es zum Abschied ein kleines Geschenk. Die vielen Gäste bewiesen, hier wird alles richtig gemacht, keiner ausgegrenzt und somit der Sinn des Weihnachtsfestes in die Tat umgesetzt.

Die Bewohner leben in dem Wohnprojekt in Wohngemeinschaften mit drei, vier oder auch fünf Personen. Das wichtigste für die meisten ist, sich wieder an normale Tagesstrukturen zu gewöhnen und in einer Gemeinschaft zu leben, sagt die Leiterin der Einrichtung Vera Nahrath. Gerade die Einsamkeit sei für viele ein Hauptgrund, zum Alkohol zu greifen. Es gibt aber keine festgelegten Zeiten. Das Frühstück bereitet sich jeder selbst zu, entweder allein oder auch in der Gruppe. Was jedoch für alle Pflicht ist, ist der morgendliche Atemalkoholtest. Dann beginnt ein ganz normaler Tag, wie zu Hause auch. Die Kochgruppe, die wöchentlich wechselt, überlegt, was es zum Mittag geben soll und ist auch für die Einkäufe zuständig. Andere kümmern sich um die Außenanlagen. Aber es gibt natürlich auch ungeliebte Arbeiten, die aber getan werden müssen. So ist jeder einmal mit Putzen und Aufräumen dran.

Die Arbeit dort ist sozusagen in zwei Bereiche unterteilt, zum einen die Tagestruktur, zum anderen der Sozialdienst. Dort sind ausnahmslos Fachkräfte beschäftigt. Sie betreuen die Bewohner in allen Belangen, helfen und begleiten bei Behördengängen und Arztbesuchen, begleiten aber auch bei Rückfällen. „Viele müssen ein normales Leben erst wieder lernen“, so Vera Nahrath. Sie ärgert sich oft über die negative Berichterstattung und auch über die öffentliche Meinung über Suchtkranke. „Es wird oft verkannt und als Charakterschwäche dargestellt, aber es ist eine anerkannte psychische Erkrankung und für Betroffenen ein täglicher und Lebenslanger Kampf, aus der Spirale wieder heraus zu kommen“, betont sie. Und Manchmal gewinnt der Alkohol, manchmal aber auch der gesunde Anteil im Menschen.

Durch die Arbeit der Wabe haben viele Menschen den Weg aus der Krankheit gefunden, aber es braucht alles seine Zeit. Es geht auch nicht darum, den Menschen die Arbeit abzunehmen, sondern sie in ein normales Leben zu begleiten und wieder die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, so Nahrath. Aber oft muss mit Vorurteilen gekämpft werden. „Die sollen sich mal zusammenreißen“, hört man oft. Dabei wird außer Acht gelassen, dass den Betroffenen einfach das seelische Polster fehlt. „Es ist ein Teufelskreis, den man durchbrechen muss“, so Vera Nahrath. Aber es lohne sich, wenn man die Erfolge sieht, sagt sie. Jedoch fehlen in vielen Gemeinden und Städten einfach die Ansprechpartner. Dann kommt es zu Situationen wie in Bad Belzig, dass sich die alkoholkranken Menschen irgendwo zusammensetzen, um ihr Bier zu trinken, was dann wiederum den Anwohnern missfällt. „Da muss die Stadt etwas tun und einsehen, dass es ein Problem gibt“, ist Vera Nahrath der Meinung. Hier seien in erster Instanz die Stadtverordneten gefragt. Das ist in Wiesenburg/Mark durch die ambulante und in Medewitz durch die stationäre Betreuung gut gelöst. Natürlich braucht es engagierte Mitarbeiter, es ist ein Job, den nicht jeder machen kann. Man muss lernen, einen gesunden Abstand zu bekommen, so Nahrath, und nach Feierabend die Arbeit auch hinter sich lassen können.

In Wiesenburg ist das Wohnprojekt inzwischen akzeptiert. Das zeigte sich auch an den vielen Besuchern zur Weihnachtsfeier. So kommen die Nachbarn auch einfach mal mit einem Päckchen Kaffee vorbei, rufen aber auch an, wenn irgendwo jemand Hilfe benötigt. Neben den 23 Bewohnern  werden auch noch 16 Personen im eigenen Umfeld betreut. Die seit 2004 bestehende Einrichtung hat kaum offenen Kapazitäten. Aber natürlich gibt es auch Grenzen. „Wer keinen Abstinenzwillen zeigt, muss gehen“ sagt Vera Nahrath. Das kam jedoch bisher lediglich zweimal vor.

 

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