Neuer Storchenhorst für Schwanebeck

Schwanebeck. “Mit dem Aufbau des Storchenhorstes wird der Rückbau der Freileitung entlang des alten Belziger Weges abgeschlossen”, sagt Netzmeister Thomas Lennecke vom e.dis-Regionalzentrum Bad Belzig.

Die alte 20-KV-Freileitung zwischen Schwanebeck und Bad Belzig ist damit Geschichte. Die entlang der 2,86 Kilometer langen Strecke stehenden 13 Masten aus Stahl, Beton und Holz sind demontiert. Bis auf zwei Holzmasten, an denen nach Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde Nistkästen für Turmfalken installiert werden.

Einem der demontierten Betonmasten steht wiederum eine neue, ganz andere Zukunft bevor. Er ist auserkoren, künftig ein Storchennest zu tragen!

Schon lange geplant – der Schwanebecker Storchenhorst

Schwanebecks Ortsvorsteher Hartmut Jänicke liebäugelte bereits seit einiger Zeit mit dem Plan, in der Straße Am Gesundbrunnen ein solches aufstellen zu lassen. Das von ihm ins Auge gefasste Vorhaben war vorab mit Christian Kurjo von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark abgesprochen worden. Nach einem Vororttermin war klar, dass das am Ortsrand liegende Areal nach Adebars Geschmack sein müsste und allen Erfordernissen Rechnung tragen würde.

In Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen e.dis und der Bad Belziger Elektrofirma Belitz wurde der Plan am Freitag verwirklicht – nachdem auch die Stadtverwaltung als Grundstücksbesitzer grünes Licht für das Vorhaben gegeben hatte.

Reichlich Erfahrungen mit dem Aufstellen von Storchenhorsten

Der Storchenhorst ist am Haken

Zwei Tage zuvor war der auserwählte Mast bereits angefahren worden, sodass Jürgen Skoruppa und Bodo Bunzel von Firma Elektro Belitz am Freitagmorgen mit der Installation des verzinkten Metallkorbes beginnen konnten. Die beiden sind voll des Lobes für die Konstruktion, die ein Metallbauer aus Brück ausgetüftelt hat. “Wir haben mittlerweile eine Menge Erfahrung auf diesem Gebiet”, sagen sie lachend und flechten Zweigwerk in den Korb. “Damit die Störche, wenn sie kommen, nicht erst lange am neuen Nest bauen müssen”, so Bunzel. Dann sind die beiden auch schon beim Thema und erzählen von Erlebnissen und Begegnungen mit den Rotstrümpfen. “Im letzten Frühjahr haben wir in Stromtal bei Brück einen neuen Storchenhorst aufgestellt. Wir waren noch gar nicht fertig, da kam der erste Storch schon angeflogen”, so Skoruppa. Rotstrumpf, vermutlich auf einem Erkundungsflug, ließ die Männer nicht mehr aus den Augen. Kaum das sie ihre Arbeit beendet hatten, der Storchenhorst stand, zog Adebar auch schon mit seiner Gefährtin ein. “Wir hatten noch nicht mal unsere Sachen eingepackt, da saß sie schon im Nest”, ergänzt Bunzel. Doch damit nicht genug, denn die Geschichte hatte auch noch ein Happy End. Zwei Jungstörche wurden im Sommer 2019 im Stromtaler Storchenhorst flügge, den Jürgen Skoruppa und Bodo Bunzel im Frühjahr aufgebaut haben.

Der Schwanebecker Storchenhorst ist bereit

Es passt!

Gut eine Stunde später ist es auch in Schwanebeck soweit. Der Mast mit dem von der Unteren Naturschutzbehörde gestifteten Nistkorb wird langsam aufgerichtet. Rund zwei Meter tief wird er in die Erde eingelassen. Immer wieder kontrolliert Skoruppa die Aufstellung mit dem Lot. “Er muss schließlich gerade stehen”, sagt er. Als der Mast steht und der Boden rundum verfestigt ist, geht es noch einmal mit dem Steigerfahrzeug elf Meter in die Höhe. Das Nest wird zusätzlich noch etwas ausgepolstert. Dann befinden Skoruppa und Bunzel ihr Werk für perfekt, das neue Storchenquartier für gut. “Das schönste ist, wenn man später an den Masten vorbeikommt und sieht, dass die Nester angenommen werden”, sagt Bunzel beim einpacken der Technik. Wenig später brechen die beiden Männer auf, um am alten Belziger Weg auch noch die Nisthilfen für die Turmfalken zu installieren.

In Schwanebeck heißt es jetzt, das Frühjahr abzuwarten. Bis dahin bleibt die spannende Frage, ob Adebar das Quartier in Gesundbrunnennähe annimmt, unbeantwortet. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht. Immerhin hat Adebar in den vergangenen Jahren regelmäßig dort vorbeigeschaut. Im vergangenen Sommer vorübergehend sogar in Begleitung. Seine Nistversuche auf einem maroden Storchenhorst in der Nähe blieben jedoch erfolglos.

Edis, die Bad Belziger Elektrofirma Belitz und die Untere Naturschutzbehörde arbeiten mittlerweile seit zweieinhalb Jahrzehnten Hand in Hand. Während dieser Zeit wurden weit mehr als 50 Storchenhorste neu aufgebaut oder erneuert. Nicht gezählt sind die vielen anderen Nisthilfen für Vögel, die unter anderem in ausgedienten Trafostationen und an ausgedienten Masten installiert wurden. “Das ist ein sehr gutes Beispiel für eine hervorragende Zusammenarbeit”, findet Hartmut Jänicke und dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz in Schwanebeck.

(Artikelfoto: Bodo Bunzel polstert den Korb aus)

Infokasten

Die 20 KV Freileitung zwischen Schwanebeck und Bad Belzig entlang des alten Belziger Weges wurde rückgebaut und durch Erdkabel ersetzt.

Planung und Genehmigung des Projekts dauerten von 2018 bis Mai 2019

Die nachfolgenden Montagearbeiten und die Verlegung des Erdkabels erfolgten von August bis Oktober 2019.

Daran schloss im Januar 2020 der Rückbau und die Demontage der alten Freileitung auf einer Länge von 2,86 Kilometern an.

Die Gesamtkosten bezifferten sich auf 172.000 Euro.

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