Boßeln mit Bad Belzigs Partnergemeinde Ritterhude

Lüsse. Die freundschaftlichen Bande, die 1991 zwischen der Gemeinde Ritterhude und der Stadt Bad Belzig, damals noch nur Belzig, geknüpft wurden, vertiefen sich weiter. So weilte am vergangenen Wochenende eine Delegation aus Ritterhude in der hiesigen Region: Konkret im Ortsteil Lüsse und eingeladen zu einer Kohlfahrt. Organisator des Treffens war das Städtepartnerschaftskomitee, dass 2016 in Bad Belzig gegründet, die Beziehung zwischen den Gemeinden weiter beleben soll.

Erste Erfolge haben sich herumgesprochen und vielfach auch neues Interesse an der Städtepartnerschaft geweckt. In dieser Folge fühlten sich neben Vereinen erstmals auch Ortsvorsteher von der Einladung zur Kohlfahrt angesprochen, obgleich Kohl- und Pinkelpartys hierzulande eher nicht zu den Traditionsveranstaltungen gehören. Anders in der niedersächsischen Gemeinde Ritterhude, wo Kohlfahrten mit deftigem Essen und einem gutem Schnaps zum Jahresbeginn dazugehören.

Sprichwörtlich “auf den Geschmack” gekommen waren einige Bad Belziger im vergangenen Jahr, als sie zur Kohlfahrt nach Ritterhude eingeladen worden waren. Zurück kehrten Kristina Bonne-Herz als Vertreterin des Gemischten Chores und Stadtverordnetenvorsteher Ingo Kampf als Kohlkönigin und Kohlkönig. So geadelt, ließen sich die Mitglieder des Partnerschaftskomitee nicht lumpen und luden in der vergangenen Woche zum Gegenbesuch ein.

Alles war bis ins kleinste Detail vorbereitet. Eine Winterwanderung von Lüsse zu den Steilen Kieten bei Bad Belzig war geplant. Unterwegs sollte eine Rast eingelegt und auf dem Rückweg geboßelt werden. Im Boßeln – einer norddeutschen Tradition, die die Ritterhuder hierzulande bekannt machten – haben einige Bad Belziger schließlich schon Erfahrungen gesammelt. Als Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) 2018 zum Neujahrsempfang rief, lud er gleichzeitig zum ersten Boßel-Wettstreit ein. Mit Erfolg – denn die Zahl der Boßel-Freunde hat sich seitdem hierzulande erhöht.

Auf zum Boßeln mit Vertretern der Bad Belziger Partnergemeinde Ritterhude

Und so rückte der Sonnabend heran. Mit bangen Blicken verfolgten die Gastgeber die Wetterprognosen und es kam, wie es kommen musste. Der Sonnabend brachte Regen, viel Regen. Notgedrungen musste die geplante Wanderung abgesagt werden, jedoch nicht das Boßelturnier. Am späten Nachmittag machten sich vier Mannschaften auf den Weg. Das Ortseingangs- bzw. Ortsausgangsschild markierte die Start-/Ziellinie. Die einzelnen Teams – Rot, Gelb, Grün und Blau – hatten mit möglichst wenigen Würfen eine festgelegte Strecke zu absolvieren.

Es ging über aufgeweichte Feld- und Waldwege, durch tiefe Pfützen und auf regennassen Asphalt. “Das ist Boßeln unter erschwerten Bedingungen” konstatierte Lübnitz Ortsvorsteher Robert Warnke, der aufgrund seiner Vorkenntnisse aus dem ersten Bad Belziger Boßelwettstreit den Part des Spielleiters übernahm. Über zwei Stunden boßelten sich die Gruppen gut gelaunt durch den Dauerregen. Allen voran, Bürgermeister Roland Leisegang. Sein Fazit:

“Das Boßeln ist schon eine eigene, schräge Kiste!”

Fredersdorfs Ortsvorsteher Bodo Sternberg mit Boßelkugel

Am Ende gab es ein Kopf an Kopf rennen, aus dem das Team Blau mit den Ortsvorstehern Robert Warnke (Lübnitz), Bodo Sternberg (Fredersdorf), Hartmut Jänicke (Schwanebeck), Elke Sternberg und Maja-Lena Lüers als Sieger hervorging. Mit 38 zu 38 Würfen hatte Team Blau jedoch nur hauchdünn die Nase vor Team Gelb, die mit Ingo Kampf, Klaus Fricke, Rainer Dause, Andrea Kampf und Bärbel Kraemer angetreten waren. Erst mit dem letzten Wurf entschied sich der Wettstreit auf regennassem Asphalt. Teamleiter Warnke warf wenige Meter weiter und katapultierte damit sein Team aufs Podest.

Hungrig und durchnässt wurde anschließend im Lüsser Landgasthof Einkehr gehalten; wurde der Boßelwettstreit ausgewertet und wurde das Kohlkönigspaar gekrönt. Eine Ehre, die Maja-Lena Lüers und Rainer Dause aus Ritterhude zuteil wurde. “Wir haben uns sehr über die Einladung gefreut. Uns verbindet eine super gelebte Partnerschaft”, freute sich Michael Harjes von der Gemeinde Ritterhude, der zugleich herzliche Grüße von Bürgermeisterin Susanne Geils überbrachte. Und im nächsten Jahr, so das Versprechen von Stadtverordnetenvorsteher Ingo Kampf, soll es auch wieder einen Boßelpokal geben. “Es wird ein Wanderpokal”, kündigte der Bad Belziger an.

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Infokasten

Die Städtepartnerschaft zwischen Bad Belzig und der Gemeinde Ritterhude wurde 1991 im Rahmen der Rathauseinweihung besiegelt.

Sie jährt sich im kommenden Jahr zum 30.mal.

Der Bad Belziger Werner Sperfeld, der am Sonnabend auch vorbeischaute, gehörte damals in der Funktion des Stadtverordnetenvorstehers zu den Mitunterzeichnern des Papiers.