Bad Belzig: Der farbenfrohe Fläming

Bad Belzig. Ja, der wievielte Aquarellsonntag war es denn nun? Selbst die Organisatoren Iris Seraphin und Stefan Ratering waren sich da nicht ganz sicher. „Aber wir denken, der achte“, so beide schmunzelnd. Inzwischen hat das Event Wellen über die Landesgrenzen hinaus geschlagen. Große und kleine Maler kamen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern sogar aus Kleinmachnow und Roßlau. In diesem Jahr gastierte das Fläming-Farben-Fest, wie es auch genannt wird, in der Bricciuskirche in Bad Belzig. Die Umgebung der Burg Eisenhardt und auch die Burg selbst boten viele wunderbare Motive. Das Interesse war groß. „Die ersten kamen bereits weit vor der offiziellen Eröffnung“, so Claudia Heinz, die ebenfalls zum Organisationsteam gehört, „wir haben sie dann trotzdem schon mit Papier ausgestattet, so dass sie loslegen konnten.“

Insgesamt hatten sich 18 Erwachsene und ein Kind angemeldet. Mit ihren Malutensilien bewaffnet suchte sich dann jeder ein Platz für das von ihm ausgewählte Motiv. So verteilten sich die Hobbymaler sowohl auf dem kleinen Friedhof als auch auf der Burg und drum herum. Fünf Stunden hatten sie nun Zeit, ihre ausgewählten Ansichten zu Papier zu bringen. Einige brauchten diese Zeit für ein Bild, andere malten aber auch mehrere.

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Vor der Kirche selbst konnten sich die Besucher und Gäste in der Spachteltechnik üben. Zusätzlich gab es einen ganz besonderen musikalischen Leckerbissen. Zu Gast war Ravi Srinivasan. Als Weltmusiker, Percussionist und Preisträger spielte diese bereits bei bedeutenden Festivals weltweit, von Malaysia und Indien über Europa und Russland bis USA und Grönland. Er schrieb Musik für Film, Theater, Tanz und Stücke und Lieder für diverse Bands und Ensembles. Am Abend zuvor war er in Mal´s Scheune zu Gast, so dass Claudia Heinz ihn auch für die musikalische Umrahmung am Aquarellsonntag gewinnen konnte. Und die Zuschauer und Zuhörer waren begeistert.

Bis 15 Uhr mussten die Maler ihre Werke abgegeben haben. Diese wurden dann in der Kirche ausgestellt und konnten von allen Besuchern bewertet werden. Am Ende wurden drei Preisträger gekürt: Ingo Kalisch aus Kleinmachnow, Bernd Krause aus Roßlau und Nadine Schneider mit Töchterchen Melinda, welche den Kinderpreis gewann.

Aber Sieger zu sein, war für die meisten nicht ausschlaggebend für die Teilnahme am Aquarellsonntag. Marianne Nentwick und ihr Mann hatten zufällig bei einem Besuch in der „Alten Schule“ in Wiesenburg davon erfahren. So kamen sie aus Kleinmachnow extra deswegen angereist. Am Tag zuvor hatten sie sich im Countrygolf in Wiesenburg probiert. Dort hatten sie einen Einführungskurs, der ihnen sehr gut gefallen hat. Beide malen sehr gern, haben es autodidaktisch gelernt. „Außerdem ist es eine schöne Konzentrationsübung“ so Marianne Nentwick. Und es macht beiden Spaß.

Bernadette Arnaud stammt aus Frankreich. Natürlich ist sie nicht von so weit her angereist. Sie wohnt in Berlin und hat ein Haus in Schlamau. Regelmäßig geht sie zum Stammtisch von „Neuland Hoher Fläming“ in Mal´s Scheune. So erfuhr sie auch vom Aquarellsonntag. Bernadette Arnaud ist ein bisschen vorbelastet, sie hat Kunst studiert. Inzwischen hat sich eine Leidenschaft entwickelt, das darzustellen, was sie in der Natur sieht. Beim Joggen durch die Natur bleibt sie oft unvermittelt stehen, zückt ihr Handy und nimmt auf, was sie gerade sieht. „Jahrelang habe ich nur Rosen gemalt“, schmunzelt Bernadette Arnaud. Deshalb war sie auch hier auf der Suche nach diesen schönen Blüten. „Ich bin im Moment im siebten Himmel, dass ich hier mitgemacht habe“, sagte sie freudestrahlend.

Franziska Emmert aus Lübnitz und Marie Thiele aus Mörz sind schon zum zweiten Mal dabei. Sie haben zuerst ihre bevorzugten Motive fotografiert und sich dann ein ruhiges Plätzchen zum Malen gesucht. Franziska Emmert hat schon als Kind gern gemalt. Sie holt sich ihre Anregungen aus der Natur und von Fotos, manche Motive entstehen aber auch einfach in ihrem Kopf. Die gelernte Gärtnerin hat die Corona Krise auch erwischt, sie ist im Moment arbeitslos. Um sich abzulenken, widmeten sich die beiden jungen Frauen wieder mehr ihrem Hobby. So waren sie unter anderem bei Fliedners Werkstätten, wo Zeichenkurse angeboten wurden. Jetzt hatten es sich die beiden auf dem Burghof bequem gemacht um ihre Inspirationen aufs Bild zu bringen.

Mitten auf dem Burghof hatte sich Julia Sternberg einen sonnigen Platz gesucht. Die zukünftige Verwaltungsfachangestellte, sie macht derzeit ihre Ausbildung, hatte außer dem Kunstunterricht in der Schule kaum etwas mit Malen am Hut. Aber sie liebt Farben. „Bei mir muss es bunt sein, das finde ich schön“, sagte sie schmunzelnd. Spontan kaufte sie sich Farben und versuchte sich zu Hause am Malen. Schnell merkte sie, dass sie etwas Anleitung braucht. Sie las die Ankündigung zum Aquarellsonntag in der Zeitung und kam zur Burg, um sich mit anderen austauschen zu können.

Vorsichtig zeichnete Jörg Hundt auf seinem Skizzenblock. Den hat der ehemalige Grundschullehrer fast immer dabei. Zu Hause werden dann aus den Zeichnungen größere Bilder. Jörg Hundt zählt zu den Stammgästen und ist schon zum sechsten Mal dabei. Er hat schon als Kind gezeichnet, ist er doch in Dessau direkt neben dem Bauhaus geboren. So kannte er als Kind auch die bekannten Bauhausmaler, was er natürlich damals noch nicht wusste. Als Lehrer hatte er zusätzlich das Wahlfach Zeichnen. Er konnte so das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, denn er wollte schon immer mit Kindern arbeiten. So konnte er diesen Wunsch mit seinem Hobby in Einklang bringen. Vor einigen Jahren hatte Jörg Hundt einen Schlaganfall, saß sogar im Rollstuhl. „Das Malen war für mich wie eine Therapie“, sagt er heute. Regelmäßig besucht er die „Ölmühle“ in Roßlau, wo er inzwischen das Malstudio leitet.

Wie man sieht, kommen viele unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zum Fläming-Farben-Fest. Und das wird es auch im nächsten Jahr wieder geben. Man darf gespannt sein, welcher Ort dann ausgewählt wird.

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