„Applaus für drei“ – Katja Nottke zu Gast im KleinKunstWerk in Bad Belzig

Bad Belzig. Nach einem Bummel durch die Bad Belziger Kunstszene lohnt es sich, am Abend noch einen Abstecher ins KleinKunstWerk im Mühlenhölzchen zu machen. Dort gibt es das Kunstbummelkonzert als Teil des Kunstbummels und der Burgfestwoche. Dabei versteht es Betreiberin Gerlinde Kempendorff immer wieder und nicht nur zu diesem Anlass wahre Perlen der Kleinkunst in den Fläming zu holen:

„Um die heutige Künstlerin habe ich jahrelang gebettelt.“

Die am Sonnabend auftretende Künstlerin ist Katja Nottke, bekannt u.a. durch ihr jetzt leider geschlossenes Berliner Kietztheater Nottke’s und als Synchronsprecherin. In Bad Belzig startet sie mit einem Freudenseufzer:

„Ach is det schön. — Endlich darf man wieder auftreten!“

Sie erzählt, dass sie am letzten Sonntag ihren ersten Auftritt seit fünf Monaten hatte und gesteht:

„Ich liebe den Applaus.“

Mit „Ich liebe den Applaus“ von Hildegard Knef startet sie dann auch in ihr Programm – und bekommt sofort großen Applaus, so dass es vermutlich der Aufforderung von Kempendorff am Anfang gar nicht bedurft hätte:

„Sie müssen für drei klatschen, da wir wegen Corona nur ein Drittel der üblichen Anzahl reinlassen dürfen.“

Weiter geht es im Programm mit Zarah Leander, Alexandra, Édith Piaf und immer wieder „Hilde“. Ein Mikrofon braucht Nottke dabei nicht:

„Das ist nur für sie da draußen.“

Auf dem Hof des KleinKunstWerkes grenzt noch ein Zelt an das alte Elektrizitätswerk an, für die, die nicht drinnen sitzen wollen oder können. Das Zelt wurde mit Spenden der Besucher finanziert. Nottke hat eine grandiose Stimme, die sie gekonnt einsetzt. Sie beherrscht gleichermaßen die leisen und die lauten Töne in einem beachtlichen Tonumfang. Oft verlässt sie sich – zurecht – ganz auf die Wirkung ihrer Stimme und setzt Mimik und Gestik nur sparsam ein, obwohl sie auch das beherrscht. Begleitet wird sie dabei durch ihren Musiker, doch nur vom „Band“. Ihr Mann, Nicolai Preiß, bedient die Technik.

Ein Höhepunkt des Abends sind Lieder von Kurt Tucholsky. Dabei hatte sich Nottke besondere Mühe gegeben, denn „das literarische Chanson beherrscht die Gastgeberin selbst meisterhaft.“ Sie hat also ein Lied gesucht, das Kempendorff vermutlich nicht selbst singt – „singt sie, singt sie, singt sie vielleicht nicht, singt sie, singt sie, …“

Ein anderer Höhepunkt sind die Lieder von Helga Hahnemann, darunter mit Blick auf die eigene Figur „Dicke da“:

„Die Behauptung ist falsch, dass Deutschland keine weibliche Entertainerin gehabt hätte.“

Am Ende der Veranstaltung gibt es so viel Applaus, dass Kempendorf Mühe hat, ihren Dank einzupassen und um den „Austritt“ zu bitten. Natürlich durfte Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ nicht fehlen. Als Zugabe gibt Piafs „Non, Je ne regrette rien“ Nottke noch einmal Gelegenheit, mit ihrer eigenen grandiosen Stimme kongenial zu brillieren. Sie gesteht den Bad Belzigern:

„Ich bereue nicht, dass ich diesen Beruf habe, und wenn ich noch so lange auf einen Auftritt warten muss. Vielleicht im nächsten Jahr mit denen, die heute draußen bleiben mussten…“

Katja Nottke, KleinKunstWerk, Bad Belzig

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