Das 6. Komische Festival “Belziger Bachstelze” – Der Tag der Männer

Bad Belzig. Nach den vier Frauen am Freitag kämpfen am Sonnabend vier Männer(gruppen) im KleinKunstWerk um die begehrte, vom Bürgermeister der Kreisstadt gespendeten Bachstelze, inzwischen der vielleicht wichtigste Kunstpreis im Hohen Fläming. Coronabedingt dürfen deutlich weniger Besucher in das KleinKunstWerk als sonst. Glücklich, wer eine Karte hat. Es sind Enthusiasten, die sich kaum eine Veranstaltung hier entgehen lassen, weshalb Veranstalterin Gerlinde Kempendorff feststellt:

„Ich kenne fast alle mit Namen. Eigentlich können wir auch zusammenrücken, weil wir eine große Familie sind.“

MTS

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Thomas Schmitt (links) und Frank Sültemeyer von MTS

Als erstes werfen die Blödelbarden Thomas Schmitt und Frank Sültemeyer von MTS ihren musikalischen Ring ins Publikum. Der eine oder andere gelernte DDR-Bürger wird sich noch an ihr Lied „Ein Pferd wie du und ich“ und so manch anderen Song erinnern. Klar, dass sie in Bad Belzig etwas Heimvorteil hatten.

In ihrem Auftritt stellen sie die entscheidenden Fragen des Lebens wie: Gibt es in einer Teefabrik auch Kaffeepausen? Oder, wenn man Buchstabensuppe erbricht, ist das dann gebrochenes Deutsch? Bereits mit ihrem ersten Lied bringen sie den Saal zum Kochen. Inzwischen 47 Jahre des Bestehens haben ihrer Freude an musikalischen Blödeleien keinen Abbruch getan.

Die Bachstelze

Der vielleicht wichtigste Kunstpreis im Hohen Fläming wird in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal vergeben, die Belziger Bachstelze. In getrennten Wettbewerben treten im KleinKunstWerk Bad Belzig jeweils vier Frauen und vier Männer gegeneinander an, solo oder in Gruppen. Jeder Teilnehmer erhält 20 Minuten Zeit, die Jury zu überzeugen. Diese wird durch das Publikum gestellt. Die Länge seines Beifalls entscheidet, wer gewinnt. Der Sieger erhält die begehrte, von Brigitte Hessler vom Kunstverein Hoher Fläming extra angefertigte und vom Bürgermeister Roland Leisegang gestiftete Trophäe, besagte Bachstelze. Außerdem darf sie bzw. er im kommenden Jahr eine ganze Veranstaltung im KleinKunstWerk bestreiten.

In diesem Jahr gibt zusätzlich eine Neuerung: Auch die, die nicht gewonnen haben, bekommen etwas. Für jeden hat Hessler eine Trostplakette gefertigt. Veranstalterin Gerlinde Kempendorff begründet die Neuerung damit, dass im letzten Jahr der Abstand zwischen den Teilnehmenden so gering gewesen war.

Brüder Podewitz

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Willi und Peter Podewitz

Das ist Stakkato. Die Pointen fallen so schnell, dass man Mühe hat, mit der Verarbeitung nachzukommen. Raffinierte Wortspiele, treffender Sprachwitz, Mimik und Gestik von Sparflamme bis Wohnungsbrand. Gleich am Anfang mit Blick auf Corona:

„Warum sitzt ihr soweit auseinander? Könnt ihr euch nicht leiden?“

Es folgen eine Schnellstartanleitung für Kabarettisten, musikalische Träumereien für Rasenmäher und Heckenschere und eine kriminalistische Spurensuche mit Schlagern: Keine Spuren, das Opfer wurde schon tausend mal berührt. Willi und Peter Podewitz erhalten stürmischen Applaus.

Thomas Kahler

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Oleksii Aleinikov und Thomas Kahler

Ganz anders wieder Thomas Kahler, musikalisch begleitet von Oleksii Aleinikov. Als Urlauber inszeniert erzählen sie irrwitzige Geschichten eines Mägdeleins auf Hiddensee und die Ehe:

„Ich genieße jeden Tag mit ihr, doch manchmal trinke ich heimlich ein Bier.“

Nach der Geschichte mit dem Mägdelein folgen Erzählungen über Schlängelein und einen Zaubermantel, vielleicht etwas verkopft, aber musikalisch interessant untersetzt.

Cosmo

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Cosmo

Der Mental-Künstler Cosmo fällt mit seiner Show ein wenig aus dem Reigen, was dem Zuspruch keinesfalls Abbruch tut. Mit Witz und verblüffenden Tricks zieht er die Zuschauer in seinen Bann. Scheinbar mühelos errät er Urlaubswünsche. Mit Pizzateil, Münzstücken, Mullbinden und einem schwarzen Tuch vor den Augen errät er Karten und verrät die Lottozahlen für die nächste Woche. Letzteres leider zu überraschend zum Mitschreiben – und sie zu wiederholen weigert er sich.

Locker und gekonnt spielt Cosmo mit den Gedanken seiner Zuschauer. Am Schluss fordert und bekommt er  verdient Standing ovations.

Die Entscheidung

Es wird spannend. Wie am Vortag entscheidet das Publikum mit seinem Klatschen, wer die Bachstelze 2020 gewinnt. Martin Gronwald stoppt sekundengenau die Länge, das Ergebnis möglicherweise verzerrende Einzelklatscher am Ende ingnoriert er.

Wieder bekommen alle vier Parteien sehr viel Beifall, doch am Ende gewinnen klar – die Brüder Podewitz. Deren Freude ist riesig:

Kurzinterview mit Willi und Peter Podewitz

Bad Belzig, KleinKunstWer, BachstelzeDie Gewinner der Bachstelze 2020 haben überschwänglich gejubelt, als sie den Preis zugesprochen bekamen. Nach der Veranstaltung gewähren sie „Fläming 365“ ein Interview.

Was bedeutet Ihnen der Preis?

Wir sind seit sieben Monaten zum ersten Mal wieder auf einer Bühne. Aber ehrlich gesagt dachten wir, Cosmo macht’s. Der kann richtig was, wir reden ja bloß.

Ehrlich?

Ehrlich. Es hat uns auch ohne den Preis Spaß gemacht. Aber mit ist natürlich schöner.

Konnten Sie sich etwas von Bad Belzig ansehen?

Nein, überhaupt nicht. Nach der langen Pause sind wir ja etwas eingerostet. Also sind wir die ganze Zeit vor dem KleinKunstWerk auf und ab gelaufen und haben die Texte vor uns hin gebrabbelt.

Wie geht es weiter?

Wir feiern jetzt ein bisschen und posen mit dem schönen Preis zuhause vor dem Spiegel. Dann haben wir noch zwei Auftritte und danach hoffentlich keine zu lange Corona-Pause.

Alles Gute, bleiben Sie gesund!

Fazit von Gerlinde Kempendorff

Wir hatten wieder ein tolles Wochenende, eine tolle Bachstelze.

Wieder einmal zeigte sich, dass Frauen einen anderen Humor als Männer haben. Frauen sind hintergründiger und brachialromantisch. Männer sind dichter an der Politik dran.

Die Künstler sind glücklich, das Publikum ist glücklich, ich bin glücklich.

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