Was hat die Biene mit der Corona-Pandemie zu tun? Ein Gedankenspaziergang mit der Agrarbiologin A. Sekine

Natur und Umwelt. Zunächst mal natürlich nichts. Bienen sterben da nicht dran, sondern, neben dem natürlichen Tod, am Befall mit Varroa-Milben und dessen Folgen, an Amerikanischer Faulbrut, an Umweltgiften…

Und zum Honigessen darf man den Mundschutz ja abnehmen.

Aber, Moment mal, Varroa-Milben, Amerikanische Faulbrut? Mit Pandemien schlagen sich Biene und ImkerInnen schon seit Jahrzehnten, wenn nicht länger, herum. Betroffene kann es dann auch echt hart treffen, da kann das Veterinäramt schon mal die Vernichtung ganzer Völker anordnen. Keulung nennt man das. Ist ja in der Nutztierhaltung üblich. Es reicht, wenn etwa ein einziges Tier eines Schweinebestands an Schweinepest erkrankt, dass hunderte von (noch) gesunden Tieren getötet werden müssen. Dabei würden die Fittesten wahrscheinlich übrigbleiben. Und es kommt noch härter: Keulung seiner Tiere droht auch einem Landwirt, der sich weigert, seine Freilandschweine in Ställe zu pferchen oder es schlichtweg nicht kann, nur weil irgendwo im Umkreis von 40 Kilometern ein an Afrikanischer Schweinepest verendetes Wildschwein gefunden wurde.

Zurück zu den Bienen und vielleicht auch noch zur Corona-Pandemie. Ihre Milben haben sie halt, da muss man sich mit ‘rumschlagen. Und vielleicht kommen wir ja durch sorgfältige Zucht und Auslese einmal zu toleranten Beständen, die es selbst schaffen, dem Milbenbestand niedrig genug zu halten, um zu überleben. Was Pandemie angeht haben wir ImkerInnen schon Einiges durch, Quarantänen, Sperrgebiete, Reiseverbote und „immer drauf mit der Chemiekeule“. Keine Chance. Die Milben werden wir nicht wieder los. Bleibt also nur die Hoffnung auf die oben erwähnte Toleranz, vielleicht in Kooperation mit dem Bücherskorpion, der mit den Bienen befreundet ist und ganz gerne die Varroa-Milben frisst …

Vom Veterinäramt strenger geahndet als das Milbenproblem ist die Amerikanische Faulbrut. Dabei hat auch die es sich in unseren Bienenbeständen häuslich eingerichtet und bricht hier und dort immer mal wieder akut aus. Eigentlich ein völlig normales Verhalten eines Krankheitserregers im Ökosystem. Nun, kein(e) ImkerIn darf ohne ein amtliches Gesundheitszeugnis Bienen verkaufen oder mit seinen Bienen attraktive Trachten anwandern. Was müssen wir nun tun, um dieses Zeugnis zu bekommen? Sind Völker erkrankt finden sich Sporen des Erregers in nachweisbaren Mengen im Honig. Bis vor Kurzen gab es hier in Brandenburg ein Faulbrut-Monitoring. Alle ImkerInnen, auch solche, die weder wandern noch verkaufen wollten, waren angehalten, repräsentative, gemischte Honigproben abzugeben. Eigentlich eine clevere Sache. Und sein Gesundheitszeugnis hatte man dann auch gleich. Das ist leider Vergangenheit. Seit diesem Jahr sind fleißige, junge AmtstierärztInnen bemüht, alles ganz genau richtig zu machen. Und es steht wohl im Tierseuchengesetz, die Proben seien vom Amtstierarzt direkt aus den Völkern zu entnehmen.

Das mag sicherstellen, dass keine(r) schummelt, aber ich hoffe, das hätte aus unserer Imkerschaft sowieso niemand getan. Für uns ImkerInnen bedeutet dies nun eigentlich nur mehr Aufwand, mehr Stress für die Bienen und natürlich mehr Kosten. Das dürfte das Schummeln (in diesem Fall einfach heimlich Wandern) dann auch deutlich attraktiver machen.

Ich habe mich da mal beschwert und nachgefragt und habe erfahren, das sei voraussichtlich noch längst nicht alles, was da auf uns zukäme. Es gebe ja noch eine weitere Faulbruterkrankung, die viel schwerer zu diagnostizieren sei, da die Bienen befallene Brut erkennen und selbst entfernen, und da sei ja auch noch die Milbe, die es besser zu kontrollieren gelte. Au weia, viel Arbeit für die Amtstierärzte…. Sie hofften, habe ich erfahren, dass ihnen zum Bienenseuchensachverständigen ausgebildete ImkerkollegInnen da unter die Arme greifen könnten. Diesen Titel kann man durch einen Wochenendkurs beim Landesverband Brandenburgischer Imker erwerben – wenn nicht gerade Veranstaltungsverbot wegen Corona ist. Dabei lernt man voraussichtlich auch nicht mehr, als nach den bösen Erregern zu fahnden. Aber vielleicht, so erhoffe ich mir, bekomme ich so eher die Möglichkeit mal mitzureden, was den Sinn und Unsinn der Maßnahmen betrifft. Warum sollten wir ein weiteres Drama aus einer eher harmlosen Erkrankung machen, mit der die Bienen, wenn ihre Lebensumstände nicht zu schlecht sind, selbst klarkommen?

Eigentlich wollte ich doch nur mit diesen faszinierenden Summ- und Piekstierchen leben und leckeren Honig ernten. Aber immerhin habe ich schon mal einige Vorerfahrungen zum Thema Pandemine gesammelt. Mit ziemlichem Kopfschütteln über diesen Kontrollwahn. Müssen wir wirklich solche Angst haben? Ich weiß, das ist ein heikles Thema, aber ich glaube tatsächlich nicht, dass Lockdowns und Impfkampagnen das Problem lösen werden.

Bildlich gesprochen: Wenn die Flut gewaltig ist und die Dämme, die wir bauen, immer wieder zu brechen drohen, sollten wir dann nicht besser Schwimmen lernen?

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