Die Kirche Schlamau

Schlamau. Obwohl Schlamau erst 1361 erstmals urkundlich erwähnt wurde, scheint die Kirche älteren Datums zu sein. Das sieht man an der Art und Weise des Baus, speziell an der Mauerwerksführung. Sie könnte bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut worden sein.

Das Schiff hatte vermutlich drei Fensterachsen. Im Chor war wohl nur je ein Fenster auf der Nord- und Südseite. Das Priesterportal befand sich in der Südwand des Chors, das Gemeindeportal in der Südwand des Schiffs. Wahrscheinlich gehörte auch ein Westportal zum ursprünglichen Bestand an Öffnungen. Die Glocke trägt die Jahreszahl von 1469. Die Zahl könnte in Zusammenhang mit der Errichtung eines neuen Dachturmes stehen. Ohne Hinweise im Dachstuhl der Kirche bleibt dies jedoch reine Spekulation. 1701-1702 wurde die Kirche durch Hans Friedrich und August Friedrich von Brandt erneuert. Vermutlich stammen die Fenster und das Südportal aus dieser Zeit. Auch die Innenausstattung scheint fast vollständig nach diesem Umbau aufgestellt.

1740 ist die Sakristei vom Hauptmann von Brandt angebaut und ebenso um 1740 aller Wahrscheinlichkeit nach das Schmerwitzer Erbbegräbnis angefügt worden, in dem die meisten Verstorbenen aus dem Hause Schmerwitz seit 1746 beigesetzt wurden. Im Jahre 1839 wurde Kanzel und Altar von der Gemahlin des vorigen Besitzers von Schmerwitz und Kirchenpatrons von Schlamau schön verkleidet. Dieselbe hat 1858 nach dem Tode ihres Gemahls der Kirche eine neue Altar- und 1861 eine neue Kanzeldecke verehrt und 1868 die Hälfte des nötigen Geldes zur schön gelungenen Restauration der Schlamauer Kirche hergegeben. Im gleichen Jahr schenkten ihre vier Töchter Luise, Fanny, Marie und Helene je ein neues Fenster. Die Anfangsbuchstaben ihrer Namen sind in die Fenster eingefügt.

Ein großer Festtag war der 12. Juli 1868, denn an diesem Tage wurde die Orgel eingeweiht. Herr und Frau von Brandt hatten diese der Kirche zum Andenken an ihre Eheschließung (1866) verehrt. Angefertigt wurde sie, wie viele in der Region, vom Orgelbauer Bär aus Niemegk. Für ihre Aufstellung musste das westliche Chor in der Kirche etwas vorgerückt werden, was auch auf herrschaftliche Kosten geschah. Die Gemeinde schenkte für diesen Tag eine schöne Altarbibel.

Der Turm von Schlamau hat 2 Glocken, die eine mit einer lateinischen Inschrift, welche nachweist, dass die Glocke 1824 umgegossen und vergrößert worden war. Die andere Glocke hat folgende Inschrift:

„Osanna in exelsis deo. Anno domi. MCCCCLXIX“ d.h. „Hosianna Gott in der Höhe. Im Jahre des Herrn 1469“.

Somit ist diese Glocke in demselben Jahr gegossen wie eine der Jeseriger Glocken. Da ferner die Buchstaben der beiderseitigen Inschriften einen vollständig gleichen Charakter haben, ist auch anzunehmen, dass derselbe Glockengießer beide Glocken gemacht hat. Er hat sich auf der Jeseriger Glocke Hans Bedding genannt. Möglich, dass derselbe auch die kleinste Wiesenburger Glocke gegossen hat, die auch dieselbe Schrift aufzuweisen hat und aus dem Jahr 1458 stammt. 1868 wurde die Kirche renoviert und die Fenster verändert.

Um 1960 wurden die Nord-und Südemporen entfernt. 1996 wurde die Kirche innen neu gestrichen. Die Orgel konnte 2017 für rund 16.000 Euro saniert werden – mit einer Förderung des Kirchenkreises von 9.000 Euro. Dabei wurden auch die Pfeifen aus Zink wieder gegen Zinnpfeifen ersetzt. Jedoch hat man die Zinkpfeifen aufbewahrt. Die offizielle Einweihung musste damals ausfallen. Durch die große Hitze im Sommer war die Orgel nicht bespielbar.

Im Gegensatz zu anderen Kirchen der Region, wirkt die Schlamauer Kirche relativ schmucklos. Es gibt lediglich einen gemauerten Altar mit dem Jesuskreuz und eine Kanzel. Auch der Taufstein ist neueren Datums. Zu sehen ist noch der alte Eingang hinter einer mit durchbrochenem Holt verkleideten Tür. Dieser wurde einst zugemauert, wie Sabine Gramenz weiß. Sie kümmert sich seit geraumer Zeit um die Kirche. Nicht zuletzt, weil sie in der alten Schule die Gaststätte führt, denn das Gebäude wurde damals direkt neben der Kirche errichtet.

Es gibt eine Gedenktafel für die Kriegsgefallenen. Stolz ist man auf ein Geschenk von Emil und Wally geb. Paul Pietsch. Das Ehepaar hatte ein Bild mit alten Ansichten der Kirche gestiftet, welches man jetzt in der Kirche betrachten kann. Die Glocken werden heutzutage elektrisch betrieben. „Aber wir könnten noch per Hand läuten“, erklärt Sabine Gramenz. Dazu müssten einfach nur die dicken Seile ausgehakt werden. Aber wer will das noch dreimal am Tag machen, dazu hat niemand mehr die Zeit.

Das Manual der Orgel ist nicht, wie meist üblich, an der Front der Orgel, sondern seitlich. Der Aufstieg in den Glockenturm führt über enge Stiegen. Dann kann man auch die Inschriften auf den Glocken genauer betrachten. Und man hat durch die kleinen Luken einen tollen Ausblick über das Dorf.

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