Jeserig/Fläming: Ernst Neuendorf – Naturfreund und Künstler

Jeserig/Fläming. Zu Pfingsten waren am Jeseriger See Pinguine zu sehen. Geschaffen hatte sie Ernst Neuendorf, der mit diesem Spaß auf den Klimawandel und zunehmende Wetterkapriolen aufemrksam macht. Die Pinguine sind jedoch nicht das einzige Werk des rüstigen Rentners.

Wer öfter durch Jeserig fährt, hat vor dem Haus und neben der Kirche schon andere wundersame Dinge gesehen. Im Frühjahr fühlte sich dort zwischen Krokussen, Winterlingen und Blausternchen eine ganze Familie an Maulwürfen wohl. Seit Jahren hat Ernst Neuendorf unter der Linde die Blumenzwiebeln gesteckt und vermehrt. In diesem Jahr hat alles besonders schön geblüht und viele Durchreisende hielten an, um Fotos von der Blütenpracht zu machen. „Man muss die Blüten aber auch ausblühen lassen, damit sie Samen tragen können“, erklärt Ernst Neuendorf.

Der 84 jährige hat das Gehöft von seinen Eltern geerbt und konnte es bisher halten. Er weiß aber auch, dass es wohl nicht weiter gehen wird und irgendwann zum Verkauf steht. Seinen Kindern möchte er die Belastung nicht zumuten.

Schwalbennester
Schwalbennester

Betritt man den Hof, wird man zuerst von einem Schwarm Schwalben empfangen. Unter dem alten Torhaus hat Ernst Neuendorf Nisthilfen selbst gebaut und angebracht, einige Nester haben die Schwalben selbst gebaut. 72 der Nester sind bereits belegt, aber der Rentner denkt, dass es wohl noch 80 werden. Dazu hat er die Nester extra nummeriert, um die Brutpaare zählen zu können. Auch jetzt füttert er noch täglich zwei Büchsen mit einem Gemisch aus Weizen, Sonnenblumenkernen und Haferflocken. Das lockt auch andere Vögel an. So konnte er regelmäßig zwei Kernbeißer beobachten.

Karte mit teilweise nicht mehr existierenden Orten unserer Region
Karte mit teilweise nicht mehr existierenden Orten unserer Region

Aber man kommt sich auch vor wie in einer Künstlerwerkstatt. Der Rentner arbeitet gern und viel mit Holz und hat so das Torhaus zu einer kleinen Ausstellung gemacht. Die Ideen für seine Arbeiten kommen ihm nach und nach oder, wenn er anderswo etwas sieht, was ihm gefällt. So hängen dort neben Vogelkästen für verschiedene Vögel auch Bilder aus Kirsch- und Pflaumenkernen. Die Vorlagen für seine Tiermotive stammen aus Zeitschriften und auch von eigenen Fotografien. Die zeichnet er sich dann ab und fertigt sie aus Holz. Aber auch andere Ideen hat Ernst Neuendorf umgesetzt. In einem Nebenraum steht ein Modell seines Heimatdorfes. Aus alten Fenstern hat er Bildergalerien angefertigt. Fast täglich arbeitet er in seiner kleinen Werkstatt. Aber auch die Natur liegt ihm sehr am Herzen. In seinem Garten hat er eine Blühwiese angelegt. Die Mischung hat er teilweise selbst zusammengestellt. Im Moment blüht dort der rote Inkarnatklee. „Man muss Interesse und Liebe für all das mitbringen“, sagt Ernst Neuendorf. Früher musste auch bei ihm im Garten alles ordentlich aussehen. Aber auch der Rentner hat angefangen, umzudenken, so wie wir es alle tun müssen, um unsere Natur zu erhalten und zu schützen.

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