Ziegenmahd in der Brautrummel bei Grubo

Grubo. Weidetiere im Wald sind heute ein ungewöhnlicher Anblick. Bis vor etwa 200 Jahren war das noch anders, da wurden die Wälder ganz selbstverständlich auch für die Tierhaltung genutzt. Das führte stellenweise zu einer Übernutzung des Waldes. Dennoch stellt sich die Frage, ob das grundsätzliche Herausdrängen der Weidenutzung aus dem Wald auch zielführend für den Naturschutz ist. Fest steht, dass früher, als Tiere noch im Wald weideten, ein wesentlich größeres Artenspektrum an großen Pflanzenfressern vorkam. Davon ist heute bestenfalls noch Reh- und Damwild übrig. Man muss davon ausgehen, dass es früher keinen „dunklen“ geschlossenen Wald gab, sondern ein strukturreiches Ökosystem.

Beweidung von Waldflächen heute

Heute beschränkt sich die Beweidung von Waldflächen auf wenige kleine Projekte. Noch immer zählt die Beweidung forstlich genutzter Flächen zu den außergewöhnlichen Managementmaßnahmen des Naturschutzes. Am Beispiel um Hobrechtsfelde am nördlichen Berliner Stadtrandwird gezeigt, wie im Naturpark Barnim mittels extensiver Ganzjahresbeweidung auf mehr als 800 Hektar Fläche der halboffene Charakter dieser Landschaft erhalten werden kann und dabei vorhandene Zielstellungen der Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der Erholungsnutzung in Berlin und Brandenburg länderübergreifend in Einklang gebracht werden können. Die vormalige Riesenfeldlandschaft wandelt sich vom Altlastenstandort zum attraktiven stadtnahen Naherholungsgebiet.

Im Naturpark Hoher Fläming gibt es seit diesem Sommer nun auch einen ersten, wenn auch nur kleinflächigen und zeitweisen Versuch, Tiere wieder im Wald auf ausgewählten Standorten weiden zu lassen. In der Brautrummel bei Grubo ist seit Ende Juni eine Ziegenherde unterwegs und soll Relikte wertvoller Trockenrasen und Heiden wieder zum Vorschein bringen. Die Brautrummel steht nämlich als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (kurz FFH Gebiet) unter besonderem europäischen Schutz und bietet seltenen Arten einen Rückzugsraum.

Durch den Verbiss gelangt mehr Licht in den Wald, lichtliebende Pflanzen können sich  entwickeln und auch verschiedene Insekten und Kleintiere sich ansiedeln. Aber der Weg bis dahin war und ist nicht einfach, weiß Andrea Künnemann von der Naturparkverwaltung zu berichten. „Waldweide ist laut dem Landeswaldgesetz verboten und nur aus Naturschutzgründen möglich“, sagt sie. Viele Abstimmungen vorab waren nötig, aber intensive und offene Gespräche haben zu einem guten Konsens geführt. Gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde, der Forstverwaltung, der Universität Potsdam, dem Naturpark und immerhin 15 verschiedenen Eigentümern konnte nun das Projekt von der Naturparkverwaltung umgesetzt werden. Große Unterstützung kommt dabei von der Gemeinde Wiesenburg/Mark als größter Flächeneigentümer. Die Gelder kommen vom Landesamt für Umwelt speziell für Naturschutzmaßnahmen im Wald.

Rund 100 Ziegen

Derzeit weiden rund 100 Tiere in den Brautrummelarmen, meistens Ziegen, aber auch einige Schafe. Wanderer werden am Eingang der Rummel mit einem Schild auf die Beweidung aufmerksam gemacht und auf Verhaltensweisen hingewiesen. Die Herdenschutzhunde melden sich nämlich lautstark, wenn sich jemand nähert und auch der Elektrozaun kann gefährlich werden.

 

Max Hafemann, Ziegenmahd, Brautrummel
Max Hafemann

Die Tiere gehören Max Hafemann, der eigentlich aus Treuenbrietzen kommt, seinen Lebensmittelpunkt nun aber in den Hohen Fläming verlegen möchte. Max Hafemann hat überall nach Weideflächen für seine Tiere gefragt und der Naturpark Hoher Fläming war überaus froh über die Anfrage. Nun zieht der gelernte Schäfer seit letztem Jahr mit seinen Tieren durch den Fläming, unterstützt von seiner Lebenspartnerin Josephine Rauhut, die eigentlich gelernte Krankenschwester ist. Die ersten Flächen beweideten die Tiere bei Schwanebeck. Dann kam der Umzug auf den Presseberg in Bad Belzig und nun in die Brautrummel.

Josephine Rauhut, Ziegenmahd, Brautrummel
Josephine Rauhut kann mit diesem Gerät den Strom ein und ausschalten.

Beide Gebiete stehen als FFH-Gebiet unter besonderem Schutz und beherbergen seltene Arten, die auf eine Pflegenutzung angewiesen sind.  Immer begleitet und unterstützt wird die Herde von Hütehündin Maja, einem gestromten Harzer Fuchs. Sie kommt nur zum Einsatz, wenn die Herde weiterzieht. Mit ihrer ruhigen Art hält sie die Ziegen im Zaum. In den mit einem Elektrozaun eingegrenzten Weideflächen passen vier Herdenschutzhunde auf die Tiere auf. Bisher haben diese ihre Arbeit gut gemacht, es gab keine Angriffe von Wölfen oder anderen Tieren. Der Schäfer sucht nun ein Winterquartier für seine bunte Herde in der Nähe von Bad Belzig. Die Stallsuche ist aber gar nicht so einfach. Hinweise und Angebote können gern an die Naturparkverwaltung unter 033848-900013 gemeldet werden.

Ziegenmahd, Brautrummel
Maja

Die ersten Ergebnisse der Beweidung sind bereits gut sichtbar. „Am Eingang der Rummeln standen Gras und Brennnesseln über einen Meter hoch, viele der Feldsteinhaufen waren nicht mehr zu sehen“, weiß Andrea Künnemann. „Ziel ist eine regelmäßige Beweidung, um Störanzeiger wie die Brennnessel auch langfristig zurückzudrängen. Das wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen“, so Andrea Künnemann.

Etwa neun Hektar werden derzeit beweidet. Und der „Pflegetrupp“ soll auch noch wachsen. Allein in diesem Jahr wurden 49 Lämmer geboren. Max Hafemann wollte schon immer etwas mit Tieren machen. Angefangen hat er in seiner Lehrzeit mit Kühen, merkte aber recht schnell, dass war nicht sein Ding. So hat er also einfach die Fachrichtung gewechselt und ging zu den Schafen. Das gefiel ihm besser. Angefangen hat sein Hirtendasein mit zwei Ziegen, dann wurden es immer mehr. Inzwischen hat er die Herde geteilt, so dass nun auf zwei Flächen geweidet werden kann. Ganz neu in der Herde ist „Hitzek“, ein Bock mit wunderschönen Hörnern. Er kommt aus dem Spreewald und ist ein Geschenk eines Freundes. Und er fühlt sich in dem Harem mit den vielen Ziegen sichtlich wohl.

Erste Erfolge

Ziegenmahd, Brautrummel

Ziegenmahd, Brautrummel
Andrea Künnemann

Andrea Künnemann besucht die Herde regelmäßig, um sich die Ergebnisse anzusehen. Bisher entspricht alles ihren Vorstellungen. Sogar einige Pflanzen Heidekraut hat sie wiederentdeckt. „Das wäre toll, wenn sich das wieder etwas ausbreiten würde“, freut sie sich. In einigen bereits beweideten Teilbereichen sind wieder offene Bodenstrukturen zu sehen. Hier entsteht nicht nur Platz für lichtliebende Pflanzenarten, auch bestimmte Wildbienenarten brauchen offene Bodenstellen, in die sie ihre Bruthöhlen graben.

Brautrummel
Ersatz für die Ameisen

Manchmal ärgert sie sich aber auch über die Unachtsamkeit der Menschen. Auf dem Weg zu den Ziegen fand sie einen leeren Ölkanister aus Plastik. Als Andrea Künnemann ihn aufhob, hatten es sich schon Ameisen darunter bequem gemacht. Kurzerhand wurde ein Stück Totholz von einer Birke gefunden und als Ersatz über die Ameisen und ihre Brut gelegt. Ja, die Rummel ist weiterhin begehbar, aber das Ablagern von Abfall muss nun wirklich nicht sein.

Stellt sich letztendlich die Frage, wie man die Ziegen davon abhält, Bäume und Sträucher anzunagen, die nicht beschädigt werden sollen. „Das ist ganz einfach“, schmunzelt Max Hafemann, „man beschmiert die Gehölze mit Exkrementen, egal von wem, das hält die Ziegen fern.“

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