Wiesenburg – Wie alles begann

Wiesenburg. 1161 fand Wiesenburg erstmalige Erwähnung. Ursprung der Ansiedlung war die Burg, die über einer feuchten Niederung erbaut wurde. Daran entstand eine Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung Wiesenburgs berührt zugleich die kirchliche und die politische Seite. Im Jahr 1161 erwähnte Bischof Wilmar von Brandenburg den Ort in einem Brief, den er in Magdeburg schrieb. Er teilt in diesem Brief das Diakonat Brandenburg und gibt dem Propst Wigbert von Brandenburg das Diakonat, welches von der Havel bis zur Oder und wiederum von der Havel bis zur Ihle reichte. Dieses beinhaltete auch alle Burgwarten von Görzke über Wiesenburg bis Bad Belzig. So kam Wiesenburg unter die geistliche Gerichtsbarkeit des Propstes von Brandenburg. Da dieser dem Erzbischof zu Magdeburg untergeordnet war, gehörte Wiesenburg anfangs zum Erzstift Magdeburg. Aber bereits 1187 wurde Wiesenburg unter die Aufsicht des Propstes zu Leitzkau gestellt. Bestätigt wurde dies durch ein Schreiben von Papst Clemens III., also von Allerhöchster Stelle.

Archäologische Untersuchungen in der Ortslage Wiesenburg lassen vermuten, dass die Anfänge der Besiedlung bis ins 7. Jh. hinein reichen, es wurden auch Siedlungsspuren aus der Bronzezeit gefunden. Teile dieser Grabungsfunde sind im Torhaus des Schlosses in der Ausstellung zur Geschichte Wiesenburgs zu sehen.

Die Besitzer von Wiesenburg wechselten im Laufe  der Jahre mehrmals. Es wurde verkauft, verpfändet oder fiel mangels männlicher Erben wieder an das Erzbistum Magdeburg zurück. 1356 fiel der Ort an die sächsischen Kurfürsten, bevor er 1815 preußisch wurde. Im 15. Jahrhundert  ging Wiesenburg in den Lehnbesitz der Brandt von Lindau über, die den Ort zum Mittelpunkt ihres Territoriums machten. Auf den Namen dieser Lehnsherren ist die Bezeichnung „Brandtsheide“ für einen großen Teil des Gebietes, das sich an den Ort Wiesenburg anschließt, zurückzuführen. Seit dieser Zeit sind sowohl Wiesenburg als auch die umliegenden Orte eng mit dem Schicksal der Familie Brandt verknüpft. Der Ort wurde im 17. Jahrhundert mehrfach geteilt, so dass auch auswärtige Herren von Brandt Anteil und Erbe an Wiesenburg, Schloss und Dorf hatten. Im Jahr 1808 wurden die Güter um Wiesenburg auf 6566 Taler geschätzt.

Seit 1860 erfolgten der Ausbau des Schlosses und die Neugestaltung des Schlossparkes durch den Schlossherren Curt-Friedrich-Ernst von Watzdorf. Ihm ist Größenteils der Schlosspark zu verdanken, wie wir ihn heute kennen. Watzdorf experimentierte schon damals mit den verschiedensten Gehölzen, auch aus Übersee, um die passenden für Klima und Standort im Park zu finden.  Das Dorf entwickelte sich im 19. Jahrhundert nördlich des alten Kerns an den neu geschaffenen Straßen. Der ursprüngliche Dorfkern war das Areal der heutigen Hermann-Boßdorf-Straße, wo sich auch die Kirche befindet. Handwerk und Gewerbe siedelten sich verstärkt an. Weitere Wohnsiedlungen entstanden im 19. und 20. Jahrhundert. Nach 1945 wurde im Osten von Wiesenburg die Neubauernsiedlung „Klein Moskau“ erbaut, welche als Zeitzeuge der ländlichen Nachkriegsbebauung eine gewisse Einmaligkeit besitzt. Der Schloss- und Gutsbesitz wurde enteignet und innerhalb der Bodenreform verteilt. Durch den Arbeitskräftebedarf der örtlichen Betriebe, insbesondere die Entwicklung eines Metallverarbeitungsbetriebes, kam es im Ortskern und am nördlichen Rand des Parks zum Geschosswohnungsbau. Im Schloss wurde 1947 eine Internatsschule eingerichtet, die zunächst für die Neulehrerausbildung und später als Erweiterte Oberschule, seit den 60er Jahren als Spezialschule für Russisch, bis 1992 genutzt wurde. Seit 1998 hat ein privater Investor die Sanierung des Schlosses durchgeführt und mit ihrem Abschluss Wohn- und Geschäftsräume geschaffen.

(Artikelfoto: Alte Luftaufnahme (c) Parkarchiv)

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