Diamantene Hochzeit in Setzsteig

Jeserigerhütten, Setzsteig. Dass Ingrid und Ulrich Peter ihre diamantene Hochzeit einmal in Setzsteig feiern würden, war weder geplant noch vorauszusehen. Obwohl sie den kleinen Ortsteil von Wiesenburg schon lange Zeit kannten, ehe sie ihren Wohnsitz dorthin verlegt hatten. Das Häuschen gehörte nämlich Tante und Onkel von Ingrid Peter. Besonders Ingrid Peter fiel es etwas schwer, sich einzugewöhnen. Liegt das Dörfchen doch ziemlich abseits ohne öffentlichen Nahverkehr. So ist man dort auf das Auto angewiesen. Aber ihre Zweifel verschwanden schnell. „Im Grunde sind hier alle befreundet, ohne sich gegenseitig auf den Keks zu gehen“, schmunzelt sie. Ihr gefällt vor allem die Art, hier zu leben.

Das Ehepaar stammt aus der Region um Leuna und Buna, dem Zentrum der chemischen Industrie der ehemaligen DDR. Ingrid Peter ist gelernte Krankenschwester, ihr Mann hat in den Leuna-Werken gearbeitet. Ulrich Peter und der Bruder von Ingrid Peter waren Kollegen. So ergab es sich, dass Ulrich Peter bei einem Besuch die junge Ingrid sah und sofort dachte: das ist die Richtige. Obwohl beide aus unterschiedlichen Verhältnissen stammten, er aus einem ländlichen Haushalt, sie eher aus einem städtischen. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.

Ulrich Peter begann schon zeitig, im Schichtbetrieb zu arbeiten und auch Ehefrau Ingrid hatte als Krankenschwester Schichtarbeit. Kein einfaches Familienleben. „Aber so konnten wir uns nicht streiten“, lachen beide. Das Ehepaar bekam zwei Töchter. Diese wollten nach dem Studium aber nicht in die Region zurück. Da waren die Eheleute Mitte 40 und dachten sich, es ist Zeit für etwas Neues.

Eine LPG bei Eilenburg wollte ein kleines Kulturhaus mit Gaststätte aufbauen. Ingrid und Ulrich Peter besichtigten den heruntergekommenen Gasthof und sahen ihre Chance. Zumal man ihnen bei der Gestaltung freie Hand ließ. Also wurde das Häuschen bei Buna verkauft und es ging nach Eilenburg. „Da haben wir uns so richtig wohl gefühlt“, sagt Ingrid Peter.

Der Gong kam für das Ehepaar nach der Wende. Die Nachfahren der ehemaligen Besitzer wollten Haus und Hof zurück. Jedoch ist wie in vielen derartigen Fällen am Ende nichts passiert. „Alles ist zusammengefallen und wurde abgerissen, heute stehen nur noch die drei Birken, die wir damals gepflanzt haben“, sagt Ingrid Peter wehmütig. Aber das Paar, das durch die vielen Feierlichkeiten in der Region sehr bekannt geworden war, erhielt ein Angebot einer anderen Agrargenossenschaft, das dortige Klubhaus zu übernehmen. Sie wagten noch einmal den Schritt und übernahmen dieses auf Pachtbasis. Mit dem Millennium haben sie dann ihr Arbeitsleben in diesem Bereich zu Ende gebracht.

Bereits vorher waren sie viel in Setzsteig. An den Wochenenden hat Ulrich Peter dort gewerkelt und den Bungalow hergerichtet. Denn Anfangs gab es dort nicht einmal Wasser, nur Brauchwasser. Auch eine Heizung suchte man vergeblich, auch heute noch. Kamin- und Kachelöfen spenden Wärme

„Wenn wir am Wochenende kamen, wurden wir oft mit einem großen Topf Bohnensuppe verwöhnt“, erinnert sich Ingrid Peter.

Ursprünglich lebten in den Häusern die einfachen Forstarbeiter. In den siebziger Jahren wurden in Wiesenburg Neubaublöcke gebaut und wer wollte, konnte umziehen. Die frei werdenden Häuschen wurden „handverlesen“ verpachtet. So kamen Tante und Onkel von Ingrid Peter zu dem kleinen Häuschen .Nach der Wende kam das Angebot, das Häuschen kaufen zu können. Da die beiden auch schon alt waren, wurde gemeinsam beraten und gekauft. Da Tante und Onkel keine Kinder hatten, stand fest, dass Ingrid Peter das alles einmal bekommen würde. Bausparverträge wurden geschlossen, um das Häuschen auf Vordermann zu bringen. 2001 war dann alles soweit fertig, dass man schon darin wohnen konnte. Zumindest an den Wochenenden, denn damals war noch nicht geplant, ständig nach Setzsteig zu ziehen. Ziel war, für jeden einen Schlafplatz und einen Platz am Tisch, denn zur Familie gehören inzwischen auch Enkelkinder. Aber es sollte immer eine „Hütte“ bleiben. Ingrid Peter arbeitet noch über fünf Jahre in Leipzig, während Ulrich Peter in Setzsteig weiter baute.

Als auch sie dann in Rente ging fiel die Entscheidung, für immer nach Setzsteig überzusiedeln. Jetzt vergeht kein Weihnachten, an dem nicht die ganze Familie dort zusammen kommt, auch wenn Heilig Abend dann manchmal schon am 1. Advent ist. „Unser Wunsch ist, dass wir noch lange und vor allem gesund hier leben können“, so das Ehepaar.

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