“Was bewegt Dich?” – Interview mit Taiwo aus Nigeria, danach in Charkiw, jetzt in Bad Belzig

Bad Belzig. Fläming 365 und Zauche 365 fragen 30 Menschen, was sie aktuell besonders bewegt. Unser Ziel ist eine Momentaufnahme des Denkens und Fühlens der Menschen in der Region, insbesondere vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der in der Folge auftretenden Probleme und Konflikte. Wir wollen Leserinnen und Leser zum eigenen Nachdenken anregen.

Interviewpartnerin bei diesem Interview ist Taiwo. Sie kommt aus Nigeria und möchte ihren vollen Namen lieber nicht nennen. Zusammen mit ihrem Mann ging sie zum Studium in die Ukraine und lebte und studierte in Charkiw, als der Krieg ausbrach. Sie war schwanger, als sie fliehen mussten und brachte im Juni einen gesunden Sohn zur Welt. Anders als ukrainische Staatsbürger:innen erhalten Menschen, die keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in der Ukraine hatten, in Deutschland nicht automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung. Da sie und ihr Mann nur befristete Studierenden-Visa hatten, drohte ihnen in Deutschland bereits die Abschiebung nach Nigeria. Taiwo lebt mit Mann und Kind in einer kleinen Einliegerwohnung und geht für Deutschkurse, bei denen sie ihren Sohn mitbringen kann, regelmäßig zum AWO Familienzentrum.

Das Interview wurde auf Englisch geführt.

Was beschäftigt dich im Moment?

Im Moment brauchen wir nur unsere Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Das ist genau das, woran ich denke, denn wir versuchen, darauf hinzuarbeiten. Es ist schon eine Weile her, dass wir aus der Ukraine geflohen und hierher gekommen sind. Wir brauchen einen besseren Aufenthaltsstatus. Es sieht ein bisschen wahrscheinlicher aus gerade. Vielleicht wird es noch etwas wahrscheinlicher, vielleicht noch viel mehr nach unserem Gespräch mit der Ausländerbehörde. Ich glaube, wir werden Glück haben. Wir warten also einfach auf die gute Nachricht. Darum geht‘s.

Wenn du an den Krieg in der Ukraine denkst, was kommt dir in den Sinn?

Nun, der Krieg ist eine wirklich traurige Sache – auch für uns, weil wir aus unserem Land [Nigeria] in die Ukraine gezogen sind, um dort ein besseres Leben zu haben und zu studieren. Als wir dort ankamen, planten wir, alles, was wir hatten, umzusiedeln. Wir zogen mit all unserem Besitz und allem, was wir hatten, in die Ukraine. Aber leider konnten wir wegen des Krieges nichts mitnehmen. Wir haben unsere persönlichen Dinge dort. Mein Computer – an dem ich manchmal gearbeitet habe – ist in Ukraine und viele meiner Sachen, sehr viele meiner Sachen. Mit meinem Mann ist es dasselbe. Wir haben beide wirklich nichts bei uns. Jetzt versuchen wir einfach, unser Leben allmählich aufzubauen. Das ist wirklich schmerzhaft. Es ist traurig, dass wir nicht hingehen können. Aber in der Ukraine wüssten wir nicht einmal, ob unser Zuhause noch da ist oder nicht. Wir wissen es einfach nicht. Im Moment ist es nämlich schwierig, vollständige Informationen und alle Einzelheiten darüber zu bekommen, was vor sich geht. Sie sagen uns nur, was sie uns wissen lassen wollen.
Wenn ich an den Krieg denke, denke ich daran, wie wir hierher kamen, an den Stress, den wir durchmachen mussten, und daran, dass ich schwanger war, als ich abreiste, das war überhaupt nicht einfach. Und die Reise war lang und sehr unangenehm. Aber es ist okay, wir leben, also ist es in Ordnung.

Hast du vor, dein Studium in Deutschland fortzusetzen?

Ja, ich möchte weiter studieren, vielleicht meinen Master machen, genauso wie mein Mann. Und wenn wir auch einen Job bekommen, dann können wir arbeiten und mehr sparen. Vielleicht machen wir also beides, studieren und arbeiten.

What is on your mind at the moment?

Presently we just need our permit to stay in Germany. That‘s the exact thing on my mind, because we are trying to work towards it. It‘s been a while since we fled Ucraine and came here. We are in need of better stay. It‘s looking a bit possible. Maybe it will become possible some more, maybe much more after our interview with the foreign office. I think we will get lucky. So we are just waiting for the good news. That‘s it.

When you think about the war in Ucraine, what comes to your mind?

Well the war is a really sad thing – also for us because we moved from our country [Nigeria] to Ucraine to get a better life and study there. Getting there we planned to move everything we had. We moved all our properties and everything to Ucraine. And unfortunately because of the war we couldn‘t get anything out. We have our personal things there. My computer – I used to work sometimes – is in Ucraine and many of my things, a lot of my things. It‘s the same with my husband. We both really don‘t have anything with us. Now we are just trying to build our lives just gradually. It‘s really painful. It‘s sad that we cannot go. But in Ucraine we wouldn‘t even know if our home is still there or not. We really don‘t know. Because currently it is difficult to get full information and all the details what is going on. They just tell us what they want us to know.

Thinking of the war, thinking even before we got here, the stress we had to go through, me being pregnant while I left, it wasn‘t easy at all. And the journey was long and a very uncomfortable one. But it‘s ok we are alive so it‘s fine.

You plan on continuing your studies in Germany?

Yes, I want to continue, maybe have my master‘s degree, same with my husband. And if we could also get a job, then we could work and save up more. So maybe we do both, study and work.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Artikelfoto: Taiwo möchte angesichts ihres unsicheren Status’ nicht nur ihren vollen Namen, sondern auch ihr Gesicht nicht in der Zeitung sehen. Deshalb wurdeersatzweise ihre aktuelle Wohnung fotografiert.)

(Alle Was-bewegt-dich-Interviews auf Fläming 365 findest du HIER. Außerdem empfehlen wir dir auch die entprechenden Interviews auf Zauche 365)


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