Bad Belzig. Es gibt Situationen im Leben, die Menschen an ihre psychische Belastbarkeit bringen. Sei es ein Unfall oder auch der plötzliche Tod eines Familienangehörigen, oft brauchen diese Menschen dann schnell professionelle Hilfe.
Diese bekommen sie bei Notfallseelsorgern, bei Menschen, die speziell für solche Situationen ausgebildet wurden. Die Notfallseelsorge gibt es in allen Bundesländern und Landkreisen. In Potsdam Mittelmark gibt es das Team seit nunmehr 30 Jahren, anfangs noch gemeinsam mit Brandenburg. 2023 wurden beide Teams getrennt, bis dahin waren die Seelsorger gemeinsam für den gesamten Bereich zuständig. Vor der Trennung 2022 gab es 253 Einsätze in diesem Jahr, allein in Potsdam-Mittelmark waren es 153.
Wer sind nun die Menschen, die anderen in schweren persönlichen Lagen helfen? In unserem Landkreis ist Timm Zettler der Teamleiter. Auch Pfarrerin Christiane Moldenhauer gehört dazu. Sie ist die einzige Pfarrerin in diesem Bereich und verantwortlich für die Vorbereitungen des anstehenden Jubiläums. Auch Thomas Siemer gehört als Einsatzkraft dazu.
Die Notfallseelsorge ist eine Regieeinheit des Katastrophenschutzes. Sie wurde 1994 durch einen Pfarrer und einen Rettungssanitäter gegründet und war das erste Team im Land Brandenburg. Gerufen werden sie meist bei Großschadenslagen wie großen Unfällen, Waldbränden oder Evakuierungen. Grundsätzlich gehört zum Einsatzbereich alles, was einen psychischen Ausnahmezustand darstellt. So sind Seelsorger auch dabei, wenn die Polizei Todesnachrichten überbringen muss, sie unterstützen die Polizisten dabei. Aber ihre eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn die Polizei weg ist, dann gehen sie in die Betreuung. Aber auch Todesfälle in der Familie gehören dazu, das sind sogar die häufigsten Einsätze. Betreut werden aber auch Einsatzkräfte nach belastenden Situationen. Es werden die Opfer, aber auch die Täter betreut.
Prophylaktisch gehen die Seelsorger auch in Schulen und Kitas. „Kürzlich waren wir in einer Förderschule in Brandenburg“, erzählt Timm Zettler. Besonders bei Kindern mit Beeinträchtigungen ist es nicht immer einfach, einen Zugang zu ihnen zu finden. Zudem reagieren Kinder auf schwere Ereignisse eh anders als Erwachsene. Für den Sommer rechnet das Team auch wieder vermehrt mit Badeunfällen.
Die Notfallseelsorge ist religionsübergreifend und für alle da, die Hilfe brauchen. Das Team ist vielfältig zusammengesetzt, was die Weltanschauung betrifft. Alles geschieht ehrenamtlich und in der Regel funktioniert auch die Freistellung von der Arbeit, wenn man gerufen wird. So ist das Team in der Lage, etwa 98 Prozent der Einsätze selbst zu bedienen, selten müssen sie Einsätze abgeben.
„Die schwersten Einsätze sind die, bei denen Kinder betroffen sind“, sagt Timm Zettler, „man muss Anteilnahme zeigen, sonst könnte man die Arbeit nicht machen. Und wenn wir weinen müssen, dann weinen wir.“ Denn auch an den Seelsorgern gehen die Einsätze nicht spurlos vorüber. Wie der nach dem Mord an der Lehrerin in Brück. „Das war ein massiver Kräfteeinsatz, auch aus anderen Landkreisen“, so Zettler, „zwei heftige, personell sehr fordernde Tage.“ Oftmals ist der Folgeaufwand noch einmal sehr intensiv, wie der nach dem Tod der beiden Feuerwehrmänner aus Lehnin. Da kam das Team ein Jahr später nochmals zum Einsatz.
Seit vier Jahren macht die Notfallseelsorge viel Öffentlichkeitsarbeit und Infoveranstaltungen, nicht nur für Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte, sondern für alle Interessierten. Damit wollen sie daran erinnern, dass jeder das Recht hat, die Notfallseelsorge über die 112 anzufordern. Dort sitzen geschulte Leute am Telefon, die in einem Gespräch die Notwendigkeit abklären. Meist werden die Seelsorger jedoch schon durch die Einsatzkräfte gerufen.
„Wir haben ein Schlagwort“, so Pfarrerin Christiane Moldenhauer:
„Wir sind die Erste Hilfe für die Seele, wir sind im Anfangsmoment da, wenn es einen Ausnahmezustand gibt.“
Das Team besteht derzeit aus zehn Aktiven, acht Frauen und zwei Männern. Jeder, der das Gefühl hat, er könnte dort mitarbeiten, kann sich bewerben. Es gibt ein Erstgespräch, dann eine Vorstellung. Das Team entscheidet dann nach gegenseitigem Befragen, ob es passt. Die Ausbildung erfolgt zweimal eine Woche, dazu kommen Praktika bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. Informationen gibt es auch unter: www.notfallseelsorgebrandenburg.de/landkreise/potsdam-mittelmark-pm .
Die Notfallseelsorge im Landkreis Potsdam-Mittelmark begeht in diesem Jahr also ihr 30-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird mit einem Fest am Samstag, dem 25. Mai 2024, 15 bis 17:30 Uhr in der Stadtkirche St. Marien Bad Belzig gewürdigt. Zunächst wird ein Gottesdienst gefeiert, in dem Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel die Festpredigt halten wird. Ein Empfang mit Grußworten, Imbiss und Musik wird sich anschließen.
Auch Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dr. Dietmar Woidke wird eventuell anwesend sein, er wurde angefragt, ebenso der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark Marko Köhler, die stellvertretende Superintendentin des Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg, Pfarrerin Susanne Graap und der Landespfarrer für Notfallseelsorge im Land Brandenburg, Pfarrer Stefan Beier.
(Artikelfoto: v.l.n.r. Timm Zettler, Christiane Moldenhauer, Thomas Siemer)
Views: 26