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Wiesenburg: Parkspaziergang zum Thema Wasser

Wiesenburg/Mark. Der Themenmonat Wasser der Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark war gespickt mit den verschiedensten Veranstaltungen und Workshops. Den Abschluss machte am vergangenen Sonntag eine Parkführung mit Parkleiter Ulrich Jarke, denn auch an einem historischen Ensemble wie dem Wiesenburger Park geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber.

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Der Park war früher nur über diese Treppe erreichbar

Deshalb versucht der Parkleiter durch viele Maßnahmen, das Wasser im Park zu halten bzw. dorthin zu leiten. Ulrich Jarke leitet den Park seit 21 Jahren und sieht seine Aufgabe darin, dass Gartendenkmal so nah wie möglich an die Entstehungszeit zu versetzen. Er weiß aber auch, dass dies nicht eins zu eins möglich sein wird. So werden für Neuanpflanzungen trockenresistente Bäume ausgewählt und auch neue Methoden getestet. Aber nichts geht ohne Wasser.

Derzeit verhandelt Ulrich Jarke  mit der Eigentümergemeinschaft des Schlosses. Im Moment fließt das Wasser des 1300 m² großen Schlosshofs und der Dachflächen über ein Rohr bzw. Graben in den Park. Bei normalem Regen erfolgt das ohne Probleme. Das ändert sich jedoch bei Starkregenereignissen, die auch bei uns immer häufiger werden. Dann fließt das Wasser zu schnell und kann Parkwege und Pflanzungen ausschwemmen. Die Idee ist, am Schloss zwei Zisternen mit einem Gesamtfassungsvermögen von 65 m³  einzugraben, um den Wasserfluss in den Park zu verlangsamen. Für dieses Vorhaben würde es sogar 80 Prozent Förderung geben. Aktuell ist das aber noch Zukunftsmusik.

Auch für die Wiesenflächen gibt es Pläne. Curt Friedrich Ernst von Watzdorf, der den wunderschönen Park angelegt hat, ließ vor rund 160 Jahren Drainagen zur Entwässerung der Wiesen bauen. Diese sind inzwischen sehr reparaturbedürftig. Aber ist es wirklich sinnvoll, sie weiter in dem Maße wie früher zu nutzen? Ulrich Jarke sieht das anders und plant, Teile der Wiesen wieder zu vernässen. Ein geringer Torfanteil ist dort noch vorhanden. Im hinteren Teil sollen Staustufen das Wasser im Park halten. Mit diesen Maßnahmen soll die Artenvielfalt auf den Wiesen verbessert werden. Um zu klären, wie die Bäume mit einem möglichen veränderten Wasserhaushalt zurechtkommen, wird es also zuerst ein hydrologisches Gutachten geben, und dann wird eine Entscheidung gefällt.

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Ulrich Jarke erklärt die Feston Pflanzmethode

Aber beim Rundgang ging es nicht nur um Wasser, sondern auch um andere Besonderheiten des Parks. Am Weg zur Orangerie haben die Parkgärtner eine besondere Kulturmethode versucht, genannt Feston. Ähnlich wie Weinreben haben die Gärtner sieben Blutbuchen an ein Spalier gepflanzt. Irgendwann sind die Zweige dann stark und verholzt genug, dann kann das Spalier entfernt werden. So eine Pflanzung gab es bereits früher an der Westseite des Parks am Eingang von der Schule her auf einer Länge von rund 350 m Länge. Mit Beendigung der Pflege in den 1950er Jahren wuchsen die Bäume senkrecht zum Licht, die historische Kontur ging verloren. Heute stehen noch einige der alten Blutbuchen mit einer Höhe von rund 20 m am westlichen Parkrand. Soviel ist klar: Deutschlandweit scheint es keinen anderen Park zu geben, in dem solch ein gärtnerisches Detail zu finden ist.

Auch in den Eiskeller konnten die Besucher einen Blick werfen. Er wurde als Lager für Lebensmittel angelegt, denn Kühlschränke gab es noch nicht. Zu DDR-Zeiten war dort eine kleine Kneipe. Ebenso interessant war, dass die Wasserfontäne, die jetzt im Schlossteich ist, früher im Inselteich zu finden war. Am nordöstlichen Uferrand wächst jetzt eine Japanische Lärche. Solange diese steht, wird über ein zurückverlegen der Fontäne nicht nachgedacht. Auch waren viele erstaunt, dass es auf der gegenüberliegenden Seite am Wasserwerk früher eine Badeanstalt gab. Reste davon sind sogar noch zu erkennen. Von dort aus führt auch der einzige natürlich Zufluss über einen Graben in den Park. Zu DDR-Zeiten lief auch das Wasser von Brauerei und Brennerei in den Park, und die Teiche waren völlig verschlammt. Die Zeiten sind vorbei, jedoch läuft noch immer eine Abwasserleitung unterirdisch durch den Park.

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Geheimnisse um das Erbbegräbnis wurden erklärt

Als Sturm Kyrill auch im Wiesenburger Park große Schäden hinterließ, machte Ulrich Jarke einen Plan, mit welchen Bäumen und Sträuchern nachgepflanzt werden könnte. Nach Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde die Strauchschicht als reine Rhododendronpflanzung ausgeführt. Also sieht man nun am Eingang von der Schule her neben der „Mondscheineiche“ viele historische Rhododendronsorten. Die Mondscheineiche hat ihren Namen von einer Aktion zum Lichterfest, als dort viele Ballons aufgehängt wurden, die abends leuchteten.

Natürlich wurde auch das Erbbegräbnis besucht. Dieses wurde nach Zeitzeugenberichten wieder hergestellt. Herr  von Watzdorf und seine Familie sind dort beerdigt. Da der Schlossherr Selbstmord begangen hatte, durfte er nicht auf dem Friedhof beigesetzt werden. Lange Zeit war unklar, wie viele Gräber es dort wirklich gibt. Erst bei den Instandsetzungsarbeiten fand man eine vierte Grabstätte, von denen selbst Zeitzeugen nur gerüchtehalber wussten.

 

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