Wiesenburg. Wie jedes Jahr zum Blumenmarkt war auch in diesem Jahr in Wiesenburg kaum ein Durchkommen.

Herrlichster Sonnenschein und angenehme Temperaturen lockten Pflanzenfreunde aus nah und fern in die Perle des Flämings. Auf dem Goetheplatz wurden Kleingärtner und Blumenfreunde fündig, fällt doch der Blumenmarkt immer auf den Muttertag.
Bunte Blumenpflanzen, Stauden, Kräuter und Gemüsepflanzen wechselten im Sekundentag den Besitzer. Und das teilweise schon vor der offiziellen Eröffnung. Inzwischen hat der Blumenmarkt einen kleinen Volksfestcharakter. Auf der „Foodmeile“ gab es für jeden Geschmack das Richtige. Dort stand auch die kleine Bühne für kulturelle Darbietungen. Besonders aufgeregt waren die Kinder der IKTB, denn sie führten die Geschichte vom Kartoffelkäfer auf und ernteten dafür tosenden Applaus. Musikalisch unterhielten unter anderem Dings und Bums alias Marcel Wricke und Thomas Nehrkorn. Im Quergebäude war wie jedes Jahr die Gruboer Puppenbühne zu Gast, im Gartensaal des Schlosses erläuterte Julia Baumgarten das Gärtnern mit Stauden.

Großes Interesse hatten Besucher auch am Rundgang durch die Ruine der alten Brauerei. Dafür wurden extra Wege geschaffen, einige Ecken waren nur mit Schutzhelm zugänglich. Anfangs erläuterte Bürgermeister Marco Beckendorf in der Kunsthalle die Entwicklungsstrategie des Ortes, zu der auch die Brauerei gehört.
Einige andere Dinge konnten schon verwirklicht werden. So erstrahlt die „Rote Villa“ neben dem Netto-Markt wieder in altem Glanz und auch das KoDorf nimmt Gestalt an. Auf dem Gelände des KfL wird bereits gebaut, obwohl es noch nicht vollständig beräumt ist. Dort sollen zwischen 50 und 60 Wohneinheiten entstehen. Schwieriger war die Lage mit der Drahtzieherei und das nicht nur wegen der Altlasten. Der ehemalige Besitzer Lincoln Electric aus den USA hatte das Werk kurz nach Erwerb geschlossen und mehr als ein Jahr stillstehen lassen. Dadurch war der Bestandsschutz verwirkt und es hat vier Jahre gedauert, alle Genehmigungen und Rechte wieder zu bekommen. Dort könnte, so alles glatt läuft, 2027 wieder produziert werden.

Ähnlich kompliziert war es mit der Brauerei. „Die ist ein negatives Beispiel der Treuhand“, so Marco Beckendorf. Sie wurde nach der Wende an einen Investor verkauft, der sie geschlossen und alles Verwertbare ausgebaut hat. Dann hatte er sich in die USA abgesetzt. Die Gemeinde wollte das Objekt gern übernehmen. Aber die Treuhand hatte die Forderungen an den Investor, immerhin eine Mio. Euro, als Grundschuld eintragen lassen. Das Geld hatte die Gemeinde nicht. Der ehemaligen Bürgermeisterin Barbara Klembt war es jedoch gelungen, die Gläubigerrechte an die Gemeinde übertragen zu lassen. Dadurch konnte eine Zwangsversteigerung angestrebt werden. Mit Edeka hat man auch einen interessierten Investor gefunden.
Jetzt geht es darum, einen Einklang mit dem Artenschutz hinzubekommen. Denn das alte Gemäuer haben sich inzwischen viele Fledermausarten als Quartier ausgesucht. Dadurch ist ein Arbeiten auf dem Gelände nicht durchgängig möglich, da die Fledermäuse nur zu bestimmten Zeiten gestört werden dürfen. Ist klar, wer wie viel Quadratmeter „bekommt“, kann geplant werden. Realistische Aussichten, dass etwas passiert, sind wohl etwa fünf Jahre. Alles steht und fällt natürlich auch mit Fördermitteln. Aber diese Gebäude haben Geschichte und etwas Altes soll erhalten werden, eine gute Voraussetzung für Förderungen.
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