Werbig. Die Werbiger Kirche ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Der letzte Gottesdienst fand Weihnachten 2024 statt. Eine Hubertusmesse ist noch länger her.

„Mitte der Neunziger Jahre fand mal eine statt“, erinnert sich Ralph Charpentier. Damals lag ein ganzer Hirsch vor dem Altar. Der war es diesmal nicht, sondern nur ein beeindruckendes Hirschgeweih.
Entstanden ist die Idee bei einem Gespräch an Himmelfahrt zwischen Jagdpächter Michael Dikall und Ralph Charpentier. Beide fanden es schade, dass in der Werbiger Kirche so gar nichts los ist, und so war die Idee einer Hubertusmesse geboren. Da die Kirchgänger immer weniger werden, gibt es besonders in den kleinen Orten nur noch selten Gottesdienste. „Da mach ich lieber etwas Besonderes wie das hier in den kleinen Kirchen“, so Pfarrerin Christiane Moldenhauer. Werbig gehört zum Kirchenkreis Bad Belzig. Seit ein paar Tagen hat die Kirchenglocke nun auch einen Motor, so dass sie wieder morgens und abends läuten kann.
Die Organisatoren hatten sich alle Mühe gegeben. Jagdhornbläser der Region begleiteten den Gottesdienst, ebenso wie Kantor Winfried Kuntz an der Orgel. Die Lieder waren gut gewählt, jeder konnte mitsingen. Christiane Moldenhauer erzählte die Geschichte vom heiligen Hubertus. In Wohlstand aufgewachsen bekannte er sich durch ein besonderes Erlebnis zu Gott. Auf der Jagd sah er einen Hirsch mit einem prächtigen Geweih. Als er zum Schuss ansetzen wollte, erschien mitten im Geweih ein Kreuz mit den gekreuzigten Jesus. Hubertus lässt sich von diesem Ereignis berühren und ändert sein Leben komplett. Es gibt Menschen, die ein ähnliches Erlebnis hatten und so zum Glauben fanden, so die Pfarrerin. Anderen steht dieses vielleicht noch bevor. „Lassen sie sich darauf ein“, gibt sie den Anwesenden mit auf den Weg. Da Hubertus auch der Schutzheilige der Jäger ist, heißt es für diese: In Demut erlegen, mit Freude hegen. Denn die Jagd ist heutzutage mehr als nur das Stillen menschlicher Bedürfnisse.
Zum Ausklang des Nachmittags war Gemütlichkeit angesagt. Die Jagdhornbläser gaben an der Feuerschale noch einmal Jagdsignale zum Besten. Es gab Kaffee, Kuchen, Soljanka und viele Gespräche. Den Besuchern hat der Gottesdienst gefallen, und sie wünschen sich mehr. Und ja, es wird auch am Heiligen Abend etwas geben – was, wurde nicht verraten.
Die Spenden aus der Kollekte und aus dem Verkauf von Kaffee und Kuchen, insgesamt 648,29 Euro, gingen zu gleichen Teilen an die Wohnstätte Benken und das Altenheim in Dahlen.
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