Reppinichen. Seit vielen Monaten ist der geplante Windpark zwischen Reetz und Reppinichen Gesprächsthema.

Betroffen ist auch Reetzerhütten, wenn auch nicht in demselben Ausmaß. Nachdem das Landgut Reppinichen, welches zur Lindhorst-Gruppe gehört, mit den Plänen auf die Gemeinde zukam, wurde eine Energie-AG ins Leben gerufen. Dieser gehören neben Verwaltung und Gemeindevertretern auch interessierte Bürger an. Die Vor- und Nachteile wurden besprochen. Im November gab es einen Infomarkt und immer wieder extra angebotene Zusammenkünfte, auf denen sich die Bürger informieren, Fragen stellen und sich eine Meinung bilden konnten. Martin Bauer, Geschäftsführer des Landguts, hat zusätzlich eine WhatsApp Gruppe ins Leben gerufen, in der auch noch einmal Meinungen kundgetan und Fragen gestellt werden konnten.
Die Ergebnisse der Beratungen wurden nun den Bürgern vorgestellt. Diesen ist vor allem wichtig, was in den Orten finanziell hängen bleibt. Es gibt gesetzlich geregelte und freiwillige Zuwendungen. Man hat sich vorerst so geeinigt, dass 80 Prozent davon in den Dörfern bleibt, 20 Prozent in der Gemeinde. Aufgeteilt nach der Größe der Beeinträchtigung. So würde Reetz den größten Anteil erhalten, danach folgen Reppinichen und Reetzerhütten.
Zusätzlich werden verschiedene Dinge in einem städtebaulichen Vertrag geregelt. Das betrifft vor allem die zusätzliche Verkehrsbelastung, einen zusätzlichen Löschwasserbrunnen in der Nähe der Anlagen und die Ausgleichsmaßnahmen. Die Kosten für die Prozessbeteiligung und die Einwohnerbefragung trägt der Vorhabenträger, die Kinesis GmbH. Ebenfalls werden darin die Rückbaukosten abgesichert. Es wird ein System zur Abschaltung verwendet, wenn sich Vögel nähern und blinken werden die Anlagen auch nur, wenn sich Flugzeuge nähern. Das Landgut bietet zusätzlich eine geschotterte Umgehung um Reetz für den landwirtschaftlichen Verkehr und einen Lärmschutz um die Motocross-Strecke an. Kinesis will den Firmensitz in die Gemeinde verlagern, dann bleiben die Gewerbesteuern zu 100 Prozent dort. Ferner erhält die Gemeinde ein Vorkaufsrecht und die Option, sich mit bis zu 10 Prozent an der Betreibergesellschaft zu beteiligen. Mehr, wie etwa ein Bürgerbonus, konnte derzeit nicht vereinbart werden.
Am 11. Februar soll in der Gemeindevertretersitzung der Beschluss zur Bürgerbefragung gefasst werden. Diese erfolgt per Briefwahl. Je nach Ergebnis könnte es dann am 24. März einen Aufstellungsbeschluss geben. Dann käme erst einmal die Bauleitplanung. Das heißt alles noch nicht, dass die Anlagen wirklich kommen. Es gibt noch einmal eine Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, erst dann wird entschieden.

Werden die Zahlungen auch direkt an die einzelnen Orte gehen? Kann darüber frei verfügt werden? Hat es Einfluss auf das Ortsteilbudget? Das ist für viele Bürger ein wichtiges Kriterium. Dazu erklärte Ortsvorsteher Dirk Klare, dass der Ort frei verfügen könne und es auch keine Auswirkungen auf das Ortsteilbudget hat. „Mit 3.800 Euro Ortsteilbudget ist nicht viel möglich“, so Dirk Klare:
„Mit dem Geld könnte viel gemacht werden.“
Gerade wird mit der Kommunalaufsicht geklärt, ob die gesetzlichen Abgaben erst zur Haushaltskonsolidierung verwendet werden müssen, da sich die Gemeinde im Haushaltssicherungskonzept befindet.
Aber es gab natürlich auch kritische Stimmen. Gegen das Windprojekt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Diese macht seit Bekanntwerden der Pläne auf mögliche negative Auswirkungen der Windkraftanlagen vor allem durch Flyer in der Briefkästen aufmerksam. So wurde auf der Versammlung auch das Thema Infraschall angesprochen, ebenso der Vogelschutz und gesundheitliche Aspekte zum Beispiel durch den Abrieb.
Da schlugen die Emotionen teilweise hohe Wellen. Auch wenn sich Martin Bauer solche Diskussionen mit Projektgegnern wünscht, wehrt er sich vehement gegen nicht bewiesene Aussagen. Das sieht die Bürgerinitiative anders. Sie will die Leute nicht nerven, sondern auf Risiken hinweisen und die Bürger zum Nachdenken anregen.
Auf der anderen Seite kam von Einwohnern ein wichtiger Hinweis: Bis Ende 2032 muss Brandenburg 2,2 Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen. Noch könne man mitbestimmen, wo diese Flächen sein sollen. Danach wird bestimmt. Auch lebe man seit Jahrzehnten neben einem Truppenübungsplatz, der wohl auch nicht gerade umweltfreundlich und gesundheitsförderlich ist.
Martin Bauer bietet nochmal einen Termin zur Diskussion über gerade diese Themen an. Auch die Gemeinde nimmt die Fragen mit und wird sie in einem Infoblatt aufarbeiten.
Fazit: Man muss Kompromisse eingehen, denn von irgendwas muss man leben, da Deutschland komplett aus fossilen Brennstoffen aussteigen will. „Öffnet Eure Köpfe, denkt über den Tellerrand hinaus“, fasst es Dirk Klare zusammen.
(Artikelfoto: Wiesen und Felder bei Reetz, auf denen Windräder stehen könnten)
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