Potsdam-Mittelmark. Die Kritik an der geplanten Streichung der Zuwendungen für Familienzentren wird immer lauter. In der Sitzung des Bildungsausschusses haben Dezernentin Anne Baaske und Jugendamtsleiterin Peggy Stübing die Pläne vorgestellt und der 1. Beigeordnete Steven Koch hat versucht zu erklären, weshalb dies notwendig sei. Die Kommunen sollen 500.000 Euro weniger für den Betrieb der unterstützenden Angebote erhalten (Fläming 365 berichtete).
Während im Ausschuss nur verhalten Kritik an den Plänen geäußert wurde, formiert sich jetzt der Widerstand nicht nur bei den Trägern und Nutzern, sondern auch innerhalb der Kreistagsfraktionen. Eine Petition erreichte inzwischen über 30.000 Unterschriften.
Im Finanzausschuss des Kreistages Potsdam-Mittelmark wurde unter anderem von Myriam Krawczyk (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert, dass man einerseits fast die gleiche Summe für die Mitgliedschaft in den Tourismusvereinen ausgibt und andererseits bei den wichtigen Angeboten kürzt. Auch Klaus-Jürgen Warnick (Linke/Piraten/Tierschutz) sowie Ruth Bartels (BVB Freie Wähler) setzten hier an.
Nun hat die SPD-Fraktion einen Änderungsvorschlag eingebracht, bei dem es zwar eine Kürzung geben würde, diese aber erheblich geringer ausfällt. „Familienzentren sind das Herzstück der Familienarbeit im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Sie sind insbesondere für junge Eltern nicht wegzudenken. Innerhalb kürzester Zeit haben gerade diese Familien deutlich gemacht, wie wichtig die Arbeit ihrer regionalen Familienzentren für sie ist. Dieses Signal darf in der Beratung zum Haushalt 2027 des Landkreises Potsdam-Mittelmark nicht ungehört bleiben“, sagte die Angeordnete Anika Lorentz, die die SPD im Jugendhilfeausschuss vertritt.
In einem Antrag fordert die SPD-Fraktion, die Verwaltung im Haushaltsaufstellungsverfahren 2027 die Kürzungsabsichten nicht im vorgeschlagenen Umfang durchzuführen. „Wir sind uns der angespannten Haushaltslage in Potsdam-Mittelmark bewusst und werden unserer Verantwortung bei der Aufstellung eines tragfähigen und stabilen Haushalts für unseren Landkreis nachkommen. Kürzungen bei den jüngsten Einwohnerinnen und Einwohnern halten wir aber für wenig nachhaltig“, begründet die Fraktionsvorsitzende Melanie Balzer.
„Der Kreistag fordert die Verwaltung auf, bei der Aufstellung des Entwurfs der Haushaltssatzung 2027 die Mittel für die Familienzentren so anzupassen, dass der geplante Mittelansatz von 777.100 Euro auf 1.000.000 Euro angehoben wird. Der Mittelaufwuchs von 222.900 Euro soll aus den Mitteln gedeckt werden, die durch den vollständigen Entfall des Kreisentwicklungsbudgets frei werden und die die Verwaltung in ihrem Schreiben vom 14. September 2026 zur weiteren politischen Prioritätensetzung ausgewiesen hat“, heißt es im Antragstext. Außerdem sollen die Familienzentren und ihre Arbeit im kommenden Jahr evaluiert werden, um danach über die finanziellen Mittel für 2028 zu entscheiden.
Im Augenblick gibt es in Potsdam-Mittelmark 20 Familienzentren in 19 Kommunen. Bad Belzig und das Amt Brück haben zwei Familienzentren.
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