Potsdam-Mittelmark, Bad Belzig. Der Beschluss des Kreistages Potsdam-Mittelmark über den Kreishaushalt ist über einen Monat her. Doch ein Punkt bewegt Birgit Schneider, Ines Grambow und Thomas Prinz noch immer. Das zusätzliche pädagogische Personal in Kindertagesstätten- und -einrichtungen für Kinder mit Migrationshintergrund wurde gestrichen.
Thomas Prinz ist Personalratsvorsitzender in der Stadtverwaltung Bad Belzig und hatte bereits in der Einwohnerfragestunde auf der Kreistagssitzung am 29. Januar 2026 angemahnt:
„Es geht ums Geld. Aber noch mehr geht’s um Kinder. Um Kinder, die Kriegsgeschehen nachspielen.“
Er wolle sich nicht vorstellen, was diese Kinder „gesehen, gehört und gerochen“ haben. Man müsse da mit Bedacht herangehen, fügte er hinzu, – und dafür benötige man zusätzliches Personal.
In den Beratungen im Jugendhilfeausschuss und in anderen Gremien war vor dem Kreistag, so Prinz, nicht abzusehen, dass die zusätzlichen Stunden für die Kinder mit Migrationshintergrund gänzlich gestrichen werden würde. Es hieß demnach lediglich, dass die freiwilligen Leistungen überprüft werden sollen. Jetzt hat das pädagogische Personal weniger Zeit sich um diese Kinder zu kümmern. „Es braucht die Hände“, zeigt sich Prinz überzeugt, nicht allein Konzepte.
Neben den Kindern sind auch die Betreuer betroffen. Besonders empört die betroffenen Erzieherinnen, dass die zusätzlichen Stunden sogar rückwirkend zum 1. Januar gestrichen wurden. „Das ist schlimm für die Kollegen“, schätzt Birgit Schneider, Sachbearbeiterin Tagespflege in der Stadtverwaltung, ein. Stattdessen sollen Leuchtturmkitas installiert werden. „Migration raus, Integration rein“, bringt es Prinz auf den Punkt, „dabei bräuchten wir beides“. Und Beratung ersetzt keine Arbeit an den Kindern.
Und der Bedarf ist nicht nur da, sondern in einigen Kitas groß. In Bad Belzig betrifft es vor allem die Kita Tausendfüßler und den Hort der Grundschule „Geschwister Scholl“. In der Kita haben ca. 40 Prozent von den insgesamt 180 Kindern einen Migrationshintergrund, wie die Leiterin Ines Grambow erzählt.
Auch wenn das Geld weg ist, ist der Mehrbedarf für diese Kinder noch immer da. Darunter Kinder, die Krieg und Gewalt erlebt haben, die noch nicht Deutsch können und deren Eltern ebenfalls mehr Aufmerksamkeit und Zeit brauchen als andere.
Von den Mitgliedern des Kreistags fordern Thomas Prinz und Birgit Schneider mehr Verständnis für diese Aufgabe des Landkreises. „Sie sparen an der falschen Stelle, sie sparen an der Zukunft“, sind sich alle drei sicher:
„Wir werden dem Anspruch an Kinder nicht gerecht. Wen wir nicht unterstützen können, der fällt hinten runter.“
Die Pauschale für den erhöhten Betreuungsbedarf von Kindern mit Migrationshintergrund gab es seit 2015. Vier Mal im Jahr wurde sie beantragt und abgerechnet. Was Birgit Schneider und Ines Grambow besonders irritiert ist, dass in diesen zehn Jahren niemand nachgefragt hat, ob die Förderung sinnvoll ist, aber jetzt wird einfach komplett gestrichen. Trotz Einladung hat sich kein einziges Mitglied des Kreistages die Situation vor Ort angesehen.
Trotzdem wurde auf der Sondersitzung des Kreistags zum Haushalt nach einem Beschlussantrag aus dem Dezernat Kinder, Jugend und Familie des Landkreises unter Anne Baaske die Förderung gestrichen, indem der ursprüngliche Beschluss zur Förderung wieder aufgehoben wurde.
„Der Kreistag hebt den Beschlusses 2014V/002 (Finanzierung von zusätzlichem pädagogischem Personal in Kindertagesbetreuungseinrichtungen an Standorten von Übergangswohnheimen für Kinder die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten) zum 31.12.2025 auf.“
Im Hintergrund steht die finanzielle Situation des Landkreises und die notwendige Haushaltskonsolidierung, die „den Landkreis Potsdam-Mittelmark zur Überprüfung der freiwilligen Leistungen“ zwingen.
Die Fraktion DIE LINKE/PIRATEN/Tierschutz PM versuchte noch, den Beschluss zu verhindern und beantragte, …
„… dass die kreislichen Leistungen nicht auf einmal zum 31.12.2025 eingestellt werden, sondern dass sie jährlich über fünf Jahre – beginnend mit dem Haushaltsjahr 2026 – um jeweils 20% (ausgehend von der erbrachten Leistung des Kreises für 2025) reduziert werden.“
Er wurde abgelehnt. Die Fraktion BVB/Freie Wähler wollte erst ein Jahr später zum 31. Dezember 2026 die Finanzierung zusätzlichen Personals aufheben. Im Jahr 2026 sollte außerdem die Finanzierung des zusätzlichen Personals um ca. 50 Prozent reduziert werden. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.
Und nun? Irgendwie werden die Kinder betreut werden. Aber werden sie sich gut integrieren können?
Views: 161