Potsdam-Mittelmark, Klein Glien. Die offiziellen Medien werden immer überregionaler, deshalb fehlt den Menschen die regionale Berichterstattung. Und den beiden Online- und Bürgerzeitungen „Zauche 365“ und „Fläming 365“, die bisher einen Ersatz schaffen, droht zum Jahresende das Aus, da Initiator und Redakteur Andreas Trunschke in den Unruhestand geht. Das Aus wollen einige Menschen aus der Region nicht hinnehmen, ohne eine mögliche Fortsetzung versucht zu haben. Deshalb trafen sie sich kürzlich in Klein Glien, um über die Zukunft des Lokaljournalismus in unserer Region zu beraten.
Und dabei hat dieser eine lange Geschichte. Bereits 1854 erschien das Zauch-Belziger Kreisblatt. Dieses wurde ergänzt durch Blätter einzelner Orte, die sich anfangs jedoch hauptsächlich auf Anzeigen konzentrierten. Nach 1945 prägten zunächst der “Volkswille (KPD) und “Der Märker” (SPD) die Region, ab 1946 die “Märkische Volksstimme”. Nach der Wiedervereinigung entstand daraus die “Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ)” und diverse Anzeigenblätter. Seit der Jahrtausendwende und der zunehmenden Digitalisierung verändert sich die Lage zusehends: Werbeeinnahmen brechen weg, der Fokus verlagert sich ins Digitale, und die Lokalberichterstattung wird immer dünner.
Das konnten und wollten einige nicht hinnehmen. Seit 2009 betreibt Andreas Trunschke zunächst einige Vorläufer, seit 2018 die Online-Zeitungen “Fläming 365” und “Zauche 365”. Diese sind heute auf jeweils über 5.400 Follower in den verschiedenen Sozialen Netzen angewachsen und verzeichnen zusammen täglich rund 1.000 Seitenaufrufe pro Ausgabe. Das Kern-Autoren-Team bilden Eva Loth, Kristin Grünke, Andreas Koska und Andreas Trunschke selbst; daneben schreiben zahlreiche Menschen regelmäßig, viele gelegentlich, und einige liefern Pressemitteilungen aus Schulen oder Vereinen.
Laut Andreas Trunschke gab es zahlreiche Gründe für den Erfolg. Zum eine die Mischung aus professionellen, sowohl bezahlten und ehrenamtlichen Beiträgen. Darüber hinaus durfte jede und jeder Beiträge einreichen und Beiträge kommentieren – letzteres auch anonym. Allerdings gibt es dabei klare Regeln durch Nutzungsbedingungen: Artikel und Kommentare werden moderiert. Bislang musste erst ein einziger Kommentar abgelehnt werden. Wichtig war Andreas Trunschke immer der kostenfreie Zugang nach dem Grundsatz, dass lokale Information allen gehört.
Um den professionellen Autoren eine Entlohnung geben zu können, wurde 2021 erstmalig eine Förderung bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) beantragt – mit Erfolg. Diese Fördermöglichkeit der mabb hatte bundesweit Pilotcharakter und wurde inzwischen von weiteren Medienanstalten der Länder kopiert. Hintergrund dieser erstmaligen Förderung von Medieninhalten sind die zum großen Teil unverschuldeten Probleme der Lokalmedien. Um die Unabhängigkeit der geförderten Medien zu wahren, wurde zwischen dem Land Brandenburg und den Medien die mabb als unabhängiger Förderer geschaltet.
Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass Andreas Trunschke als Eigentümer und Redakteur selbst Texte schreiben, fotografieren und Webseiten gestalten kann sowie sich in Grundaspekten des Medienrechts auskennt. Das ermöglichte ihm, das Projekt lange im Alleingang zu führen. Nun wird er wird Ende 2026 aufhören. Hinzu kommt, dass ein langjähriger Autor ebenfalls aufhört.
So stehen alle nun vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Dabei geht es nicht in erster Linie um den Fortbestand von “Fläming 365” oder “Zauche 365” als Marken, sondern um den Erhalt eines bürger- und lokaljournalistischen Angebots in der Region – wie dieses künftig heißen mag oder konkret ausgestaltet wird, ist nachrangig.
In vier Arbeitsgruppen wurden bei dem Treffen in Klein Glien verschiedene Szenarien diskutiert und anschließend ausgewertet. Sinnvoll erscheint allen die Reduktion auf eine Kernplattform (z.B „PM 365“) statt bisher zweien, die auf dem aufbaut, was bereits existiert. Idealerweise wird das Archiv gesichert und eine technisch moderne, skalierbare Plattform auf einem leistungsstärkeren Server bzw. bei einem besseren Host als bisher neu aufgebaut.
Von Anfang an sollten Kooperationsmöglichketen mitgedacht werden, wie beispielsweise mit Amtsblättern, MAZ oder BraWo. Auch sollten vielfältige Formen der Berichterstattung eingebaut werden können wie Podcast und Video.
Die Bündelung aller Aufgaben in einer Person wie bislang bei Andreas Trunschke scheint den Anwesenden langfristig nicht tragfähig zu sein. Es braucht eine verantwortliche Person mit dem „Hut auf“, die sich mit Medienrecht auskennt, Autorinnen und Autoren gewinnt und koordiniert sowie Schulungen für Bürgerinnen und Bürger anbietet. Denkbar wäre auch eine Person für die Technik, eine Person für Administration und Einpflegen von Pressemitteilungen und eine Person für Werbeakquise und Finanzierung. Technik wurde als wichtiges Thema identifiziert, sie muss funktionieren und für Schreibende leicht bedienbar sein.
Die Finanzierung ist die zentrale Herausforderung und könnte aus verschiedenen Quellen kommen. Beispielsweise: freiwilliges Abo, Werbeeinnahmen, Öffentliche Gelder (Kommunen, Landkreis, Land), Stiftungs- und institutionelle Förderungen und natürlich die mabb. Diskutiert wurde, wie man Kommunen und Landkreis motivieren kann, Mittel beizusteuern – etwa indem die Plattform kommunale Informationen integriert und damit Öffentlichkeitsaufgaben für die Ämter übernimmt.
Als Analogie wurde der „Tourismusverband Fläming“ genannt: Ein kleiner Betrag pro Einwohnerin und Einwohner könnte eine belastbare Grundfinanzierung sichern. Als Organisationsform wurde eine Genossenschaft diskutiert.
Damit es weiter gehen kann braucht es zukünftig mindestens zwei bis drei Personen in bezahlten (Teilzeit-)Stellen für Management, Finanzierung, Technik und Administration, dazu einen Stamm bezahlter (semi-)professioneller Autorinnen und Autoren sowie eine größere Gruppe Ehrenamtlicher, die gelegentlich, aber regelmäßig Beiträge leisten. Am wichtigsten ist die Unterstützung und Finanzierung durch möglichst viele unterschiedliche Partner und Quellen, weil nur so journalistische Unabhängigkeit und damit Glaubwürdigkeit erhalten bleiben.
Die Runde einigt sich auf die Gründung einer Strategiegruppe mit drei bis fünf Personen, die die genannten Ideen recherchiert, Finanzierungsoptionen prüft und die nächsten Schritte koordiniert. In einer abschließenden Runde wurde Freude darüber deutlich, dass sich so viele Menschen für das Thema engagieren. Es war ein vorsichtiger Optimismus und eine vage Hoffnung spürbar. Der Fortbestand einer bürger- und lokaljournalistischen Plattform in der Region könnte gelingen.
Wer mitarbeiten möchte, kann sich an Andreas Trunschke: kontakt@webfischerei.de, Dorothee Bornath unter: mail@bornath.de oder Meike Eitel unter: meike@muehle-luesse.de melden oder natürlich auch über „Fläming 365“ oder „Zauche 365“ direkt sowie über die sozialen Netze.
Eine aktive und engagierte Lokalzeitung ist wichtig für eine lebendige Demokratie.
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