Neue Räume für das Töpfercafé Schmerwitz

Potsdam-Mittelmark, Schmerwitz. „Thomas, ich glaub die Töpferei brennt“, mit diesen Worten riss ein Nachbar Thomas Rottenbücher, den Leiter der Töpferei des Suchthilfeverein „Scarabäus“ in Schmerwitz, am 12. Juni 2014 mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Als er am Brandort ankam, stand schon alles in Flammen. Fünf Löschzüge waren im Einsatz und versuchten zu retten, was zu retten ist. Leider ohne Erfolg, denn auf Grund des Blechdaches auf dem alten Hühnerstall, in dem sowohl Töpferei als auch Töpfercafé untergebracht waren, kam man nicht an den Brandherd heran. Thomas Rottenbücher wird diesen Tag wohl nie vergessen. Denn eigentlich ist alles eine Erfolgsgeschichte. 1992 kam die Töpferei mit der Suchthilfe „Synanon“ nach Schmerwitz. Aufgabe war es, hilfesuchenden süchtigen Menschen Zuflucht vor ihrer Sucht zu geben, sie in die Synanon-Gemeinschaft aufzunehmen, ihnen ein Zuhause zu bieten und die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben ohne Suchtmittel und ohne Kriminalität zu erlernen. Im alten Hühnerstall auf dem Gelände des Gutes Schmerwitz wurde eine Töpferei eingerichtet, die gut und erfolgreich lief. Das schöne Gelände drum herum inspirierte zu der Idee, gleichzeitig ein Café zu betreiben, um Handwerk und Genuss zu verbinden. „Deshalb muss man die Töpferei und das Café immer im Zusammenhang betrachten“, so Thomas Rottenbücher, das sei sehr wichtig. 2008 wurde die Idee in einer kleinen Holzhütte mit einer wunderschönen Außenanlage  realisiert. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag wurde das Café dort geführt und war bald in der gesamten Region bekannt. Es kamen Reisegruppen und Wanderer – Schmerwitz liegt am Kunstwanderweg – um die Töpferei zu besichtigen und natürlich auch dieses und jenes zu kaufen und gleichzeitig kulinarisches aus der Region zu genießen. Heute nennt man das Erlebnisgastronomie.

Nach dem Brand waren sowohl Töpferei als auch Café völlig vernichtet. „Wir hatten Glück, dass uns die Bürger der Region in unglaublich dankenswerter Weise mit Spenden unterstützt haben und auch die Versicherung den Schaden schnell regulierte“, erinnert sich Thomas Rottenbücher. Aber am selben Ort ging nichts mehr. Da kam der Eigentümer des Gutes Schmerwitz, Gerrit van Schoonhoven auf den Verein SCARABÄUS Hoher Fläming e.V., der die Einrichtung von Synanon weiter führte, zu. Auch er hatte großes Interesse an der Weiterführung von Töpferei und Café und bot die alte Scheune auf dem Gutshof als Übergangsdomizil an. Im Herbst 2014 begann man diese einzurichten. Da die Versicherung schnell gezahlt hatte, konnten notwendige Maschinen und Geräte neu beschafft werden.

Die alte Scheune hatte ihren ganz eigenen Charme, vor allem aber konnte man weiter arbeiten. Das war vor allem für die Bewohner wichtig, die sich Hilfe erhofften und über die Arbeit in Töpferei und Café wieder an ein normales Leben herangeführt werden sollten. Die Zusammenarbeit funktionierte gut, so dass van Schoonhoven an Scarabäus herantrat und fragte: „Wollt ihr nicht auf dem Gutshof bleiben? Ich sorge für die Renovierung der Gebäude.“ So begann eine große Bau- und Sanierungsaktion mit viel Papierkrieg, da auch der Denkmalschutz ein Wort mitzureden hatte. Als erstes war die Töpferwerkstatt an der Reihe, dort konnte man bereits im Februar 2017 einziehen. Jetzt musste ein Ausweichquartier für das Café gefunden werden. Für den Zeitraum der Renovierung nutzte man dazu die kleine Kirche. Das war schon etwas besonderes, in diesem Ambiente seinen Kaffee genießen zu können, denn es wurde dort auch viel Kulturelles geboten. Die gesamte Sanierung lief mit der Neugestaltung des Gutshofes einher. Das ganze Areal war eine Riesenbaustelle, was sich auch in den Kundenzahlen niederschlug. Im September dieses Jahres konnte das Töpfercafé endlich übergeben werden. Am 7. Oktober fand eine Einweihungsfeier statt. „Wir waren überwältigt von dem großen Ansturm an Gästen“, freute sich Thomas Rottenbücher, auch über die nun sicheren Betriebsstätten. Diese sind nun ein Teil des Hofes, man bereichere sich gegenseitig, sagt er. Immerhin ist direkt neben dem Café auch der neue Hofladen, in dem es Bio-Produkte, viele aus eigener Produktion des Gutes, zu kaufen gibt.

Die Betriebe müssen sich finanziell selbst tragen, so Rottenbücher. Inzwischen haben sie sich aber zu einem touristischen Highlight der Region entwickelt. Es kommen immer mehr Anfragen von Busreisen und Wandergruppen, auch für Familienfeiern kann das Café gebucht werden. Außerdem wird es musikalische Veranstaltungen und  Lesungen  geben.

Für das Leibliche Wohl sorgt Peter Schlegel. Der gelernte Koch ist Leiter des Cafés. Er hat immer eine Handvoll Mitarbeiter aus den Bewohnern. Die regelmäßige Arbeit ist für die meisten eine Herausforderung, da sie oft kein geregeltes Arbeitsleben gewöhnt sind. Auch müssen gewisse Fähigkeiten für den Umgang mit Publikum vorhanden sein. Da ist die Auswahl meist nicht besonders groß. Bekannt und berühmt ist das Café seit langem für seine Kuchen und Torten. Käsekuchen gibt es in den verschiedensten Variationen, besonders beliebt ist die Schokotorte. Auch dreistöckige Hochzeitstorten wurden schon gebacken. Die Rezepte stammen von Peter Schlegel, er hat sie teilweise abgewandelt, bis das Ergebnis zu seiner Zufriedenheit war. Seine Kenntnisse gibt er gern weiter und merkt, dass die Bewohner es gern annehmen. „Sie haben etwas zu tun und fühlen sich nicht mehr nutzlos“, so Schlegel. Zu seinen Schützlingen gehört Marcus Kühle. Er wohnt seit 8 Monaten bei „Scarabäus“. Der gebürtige Magdeburger kommt aus  Berlin und ist gerade mit einem Käsekuchen beschäftigt. „Genau das richtige für mich“, sagt er schmunzelnd, „ich bin gelernter Bäcker.“

Auch das alá carte Geschäft läuft inzwischen richtig gut, da ist Peter Schlegel schon ein bisschen stolz auf seine Schützlinge. Außerdem kann man auch ein Catering für Veranstaltungen und Feiern bestellen. Das Café ist von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet und unter der Telefonnummer 033849-305757 zu erreichen, Alkohol- und rauchfrei. Für die Verdauungszigarette müssen die Gäste also einen kleinen Spaziergang außerhalb des Geländes unternehmen und der Verdauungsschnaps muss bis zu Hause warten.

Aufrufe: 518