Töpferfest in Schmerwitz

Wiesenburg/Mark, Schmerwitz. Stolz hält Erik Hahn seinen Tombolagewinn in den Händen, denn das ist nicht nur eine Tasse. Sie stammt aus der eigens für das diesjährige Töpferfest hergestellten Kollektion. Die ganze Familie Hahn kommt jedes Jahr aus Berlin nach Schmerwitz. Früher hat sie hier gelebt, Erik Hahn ist in dem Dorf groß geworden. Das schöne Design der Tasse wird allerdings nicht in Serie gehen.

„Die Leute sind auf das königsblau und smaragdgrün fixiert“, sagt Marcel Konetzki. Der Töpfergeselle ist seit 15 Jahren im Suchthilfeverein und seit zehn Jahren Mitarbeiter. So begrüßte er die anwesenden Gäste mit einigen Ausführungen über die Arbeit im Suchthilfeverein. Die mit Blumen verzierten Tassen wird es auch weiterhin als Einzelstücke zu kaufen geben. „Wir haben das Bestreben, in jedem Jahr zum Töpferfest etwas zu bieten, was es sonst nicht gibt“, so Marcel Konetzki. Fünf Preise wurden bei der Tombola verlost und Daniela Rabinowitsch aus Wiesenburg durfte Glücksfee spielen. Zu gewinnen gab es einen Schmalztopf, besagte Tasse, einen kleinen Blumentopf mit Inhalt, eine Vase und einen Krug. Der Erlös aus der Verlosung wird für den gemeinnützigen Zweck des Vereins verwendet. In der Töpferei konnten die Gäste dann selbst kreativ werden und Becher, Teller, Krüge und Vasen bemalen. Das wurde sehr gut angenommen, und die Plätze waren ständig besetzt. Nur gleich mitnehmen konnten sie ihre Kreationen nicht, denn zuerst müssen sie gebrannt und glasiert werden.

Inzwischen füllten sich die Tische auf dem Hof und im Töpfercafé. Und alle wollten Kaffee und Kuchen. Da hatten die Crew um Peter Schlegel schon im Vorfeld richtig was zu tun. Insgesamt 60 Kuchen und Torten wurden für das Fest gebacken. „Die beiden Klassiker Schokotorte und Möhren-Walnuss-Torte sind nach wie vor der Renner“, sagt er. Aber natürlich gab es auch den geliebten Käsekuchen und – der Saison entsprechend – Kuchen und Torten mit Erdbeeren und Rhabarber. Die Gäste freuen sich, dass sie jetzt sozusagen einen Rundgang machen können, vom Hofladen über das Café direkt in die Töpferwerkstatt. Draußen erklang derweil Folk Musik von Billig´s Big Belly Boys – und da wurde gleich ein bisschen das Tanzbein geschwungen.

Das Fest ist aber nicht nur etwas für diejenigen, die zum Kaffee gekommen sind oder sich in der Töpferei umsehen wollten. Es ist auch ein Wiedersehen für ehemalige Bewohner der Einrichtung. Zu ihnen gehört Gunnar Stammwitz. Er hat einen langen Weg hinter sich, der in Marburg 2004 mit mehreren Therapien und Entgiftungen vom Alkohol begann. Die Wirkung hielt nur zwei Jahre, dann wurde er rückfällig und landete mit sechs Promille in der Notaufnahme. Da wunderte sich selbst der Arzt, dass Gunnar Stammwitz noch am Leben war. Da hat ihm wohl seine Sportlichkeit geholfen. Gunnar Stammwitz joggt regelmäßig und läuft Marathon – auch heute noch. 2012 kam er nach Schmerwitz. Anfangs vertrat er den Standpunkt: Ich brauche hier keine Freunde, ich will das nur so schnell wie möglich durchziehen. Nach einem Jahr wollte er eigentlich wieder zurück in seiner Heimat sein. Aber er blieb und lebt nun seit sieben Jahren hier, inzwischen in einer eigenen Wohnung in Hagelberg. Während seiner Zeit in der Suchthilfe hat er unter anderem den eigenen Gemüsegarten mit betrieben. Die Gespräche mit den Therapeuten waren ihm eine große Hilfe.

Er hätte bleiben können, was in anderen Einrichtungen nicht möglich ist. Aber er wollte wieder auf eigenen Beinen stehen. Inzwischen hat Gunnar Stammwitz auch wieder eine Anstellung als Landschaftsgärtner gefunden. „Die Bindung ist geblieben“, sagt er. Heute hilft er auf Veranstaltungen, er will sich einbringen in den Verein. Oft geht er mit den „Neuen“ joggen und gibt seine Erfahrungen weiter. Man müsse einfach ehrlich zu sich selbst sein, sagt er, und einsehen, dass man Hilfe braucht. Heute geht Gunnar Stammwitz offen mit seiner überwundenen Sucht um. Und er will sich nicht mehr verstecken. „Hier in Schmerwitz hat´s mich gedreht“, sagt er nicht ohne Stolz.

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