Ein KoDorf in Wiesenburg

Wiesenburg. „Brandenburg ist das schönste Bundesland Deutschlands“, das die Worte von Thomas Kralinski, Staatssekretär für Digitales des Landes kürzlich  auf der Veranstaltung zur Entwicklung des KoDorfes in Wiesenburg/Mark. Es sei eine Aufbruchsstimmung entstanden, was man an der neuen Kunsthalle und weiteren Plänen der Gemeinde sieht. Er fand das KoDorf von Anfang an eine coole Idee und ist sich sicher, dass es viele Nachahmer geben wird. Gleichzeitig können man die Widersprüche zwischen den Metropolen und dem Land lösen, so Kralinski. Viele Interessenten für das neue Projekt, welches auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes am Bahnhof entstehen soll, aber auch Einheimische, hatten sich in der neuen Kunsthalle eingefunden, um mehr zu erfahren. Dazu gab Bürgermeister Marco Beckendorf einen Überblick über die Gemeinde und die Region. Er findet die Idee deshalb so interessant, weil von Anfang an eine Gemeinschaft entsteht. Allein auf einem Dorf sei es weitaus schwieriger, Kontakte zu knüpfen.

Was heißt nun aber KoDorf?

KoDörfer bestehen aus einer Ansammlung von kleinen Häusern und einigen großzügigen Gemeinschaftsflächen, darunter ein Coworkingspace, eine Dorfschenke, Werkstätten, Yoga-Räume, vielleicht auch ein Kindergarten. Über die genaue Nutzung der Gemeinschaftsflächen wird gemeinschaftlich entschieden. Beim KoDorf baut jede Partei ihr eigenes Haus. Im Gegensatz zu Bauträgerprojekten verdient beim KoDorf kein Investor am Projekt. Stattdessen ist jede Partei Bauherr  und damit ein Stück Mitunternehmer.

Wer möchte im KoDorf wohnen?

Für die meisten gibt es in der Frage Stadt oder Land keine Wahl. Arbeitsplatz, Freunde, Kultur und die nötige Infrastruktur binden viele an die Stadt. Dabei verkommt sie zunehmend zum notwendigen Übel: Retortenarchitektur, Lärm, Hektik und steigende Mieten lassen das Land mehr und mehr zum Sehnsuchtsort werden — zum Refugium, in dem man Kraft tanken, Gemeinschaft leben und sich bauliche Qualität noch leisten kann.

Mit dem KoDorf soll ein Ort geschaffen werde, der beides vereint: Die Ruhe der Natur mit der für den heutigen Lebensstil notwendigen Infrastruktur,  in einer  Gemeinschaft Gleichgesinnter,  in guter, gesunder Architektur. Reduziert, aber mit allem bestückt, was ein gutes Leben ausmacht.

Was ist im KoDorf Wiesenburg geplant?

Die  Initiatoren Frederik Fischer, Katrin Frische und ihr Lebenspartner Patric Meier berichteten von ihren Erfahrungen mit solchen KoDörfern  und stellten das Konzept genauer vor. Alle hatten schon einiges probiert, auch in Gemeinschaften, was aber letztendlich nicht funktioniert hat. KoDorf hat mit dem Feriendorf Meerleben einen Vorreiter an der Ostsee. Ein Dorf, bestehend aus 13 Individualhäusern und einem Gemeinschaftshaus. Es entstand aus einer Vision heraus: Ein Dorf mit Gleichgesinnten zu erbauen, als Auszeit vom Großstadtleben, als Treffpunkt für Freunde und Familie, als Bühne und Refugium. Kurz – ein Stück Heimat auf dem Land. Mit dem KoDorf soll das Konzept nun weiter entwickelt werden: Minimalistischer, gemeinschaftlicher und kostengünstiger.

Im KoDorf Wiesenburg werden 40 Häuser im Eigentum (22-70 qm) entstehen. So findet jeder das passende entsprechend der Familiengröße. Freunde oder größere Familien können zwei oder mehr benachbarte Einheiten erwerben. Für Freunde der Wohngemeinschaft wird ein WG-Haus entstehen. Geplant sind außerdem acht Baumhäuser zur temporären Nutzung für Gäste.

Es stehen drei verschiedene Haustypen zur Wahl. Die Reduzierung soll dazu beitragen, die Kosten zu minimieren. Über die Festlegung der Standards entscheidet die Gemeinschaft auf Empfehlung der Architekten. Der Kauf des Grundstücks erfolgt gemeinschaftlich durch eine Genossenschaft, die VielLeben e.G.

Neben den bewusst reduziert gehaltenen Eigenheimen, die sich um Höfe zu kleineren Einheiten verbinden, wird es acht Gemeinschaftshäuser geben – mit Platz für geselliges Beisammensein. Das ehemalige Sägewerk selbst gehört dazu. In einer Animation wurde gezeigt, wie die Gebäude später im Inneren aussehen könnten. Die Außenhülle soll weitestgehend erhalten bleiben. Mit dem alten Sägewerk steht eine große „Spielwiese“ zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung. Wie die Fläche genau genutzt wird, ob als Coworkingspace, Werkstatt, Sauna, Abstellfläche, Gewächshaus, Kino, Weinkeller oder alles zusammen, wird die Gemeinschaft beschließen.

Wie kann man mitmachen?

„Wir sind Ermöglicher, keine Investoren“, betonen Frederik Fischer, Katrin Frische und Patric Meier ausdrücklich. An einem Modell einer Wohneinheit und auf Papier konnten sich alle anschauen, wie es am Alten Sägewerk zukünftig aussehen könnte. Ein Einstieg in das Projekt ist ab etwa 135.000 € möglich. Fällig werden 4.460 € pro Quadratmeter.  Darunter fallen die Erwerbskosten, Erschließungskosten, reine Baukosten, Kosten für die Außenanlagen und Baunebenkosten. Als Einlage für die Gemeinschaftseinrichtungen schlagen 15.000 € zu Buche. Es soll mit regionalen Planern und Handwerkern gearbeitet werden. Offen stellten sich die drei Initiatoren den Fragen der Anwesenden. Diesen geht es neben der Kostenfrage auch um Internetverbindung und Mobilität. Ein Teil der Bedenken konnte sofort aus dem Weg geräumt werden. Für Hilfe und Unterstützung stehen die Projekte „Landwärts“ und „Neulandgewinner“ jedem offen, der hinaus aufs Land möchte. Auch, um es erst einmal zeitweise zu probieren, ob es das Richtige ist.

Positive Aufnahme in Wiesenburg

Als Marco Beckendorf von Idee erfuhr, war er sofort begeistert und nahm Kontakt auf. Die Brachen der ehemaligen volkseigenen Betriebe sind ihm und allen anderen schon lange ein Dorn im Auge. Nach der Wende abgewickelt, fanden sich bisher keine neuen Nutzer. Oder sie dienten als Spekulationsobjekte. Frederik Fischer, Katrin Frische und Patric Meier wiederum waren von seinem Grundstücksangebot so angetan, dass sie es kaum glauben konnten, dass ihr Projekt hier Realität werden kann: Das erste KoDorf in Brandenburg. Angrenzend an einen traumhaften Schlosspark, neben einem zukünftigen Country- Golfplatz, direkt am Bahnhof mit einer schnellen Verbindung nach Berlin und Leipzig. Auch die Einwohner der Gemeinde sehen das Projekt positiv. Viele verbinden Erinnerungen mit dem Grundstück als ehemaligen Arbeitgeber. Mittlerweile gibt es einen städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde, dem Grundstücksverkäufer und unserer Genossenschaft. Die Gemeinde hat einstimmig einen Aufstellungsbeschluss für die Erarbeitung eines Bebauungsplans gefasst… Es kann also losgehen!

Ansprechpartner und Infos

Presse und Info: Frederik Fischer / Katrin Frische, info@kodorf.de

www.kodorf-wiesenburg.de

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