Bad Belzig: Lost Places in der Steintherme

Bad Belzig. Die meisten kennen sie aus DDR-Zeiten, die Sperrgebiete, die nur für das Militär zugänglich waren. So fragten sich natürlich auch viele, was sich wohl dahinter verbirgt. Nach der Wende und dem Abzug der sowjetischen Truppen wurden diese Gebiete wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und sind teilweise inzwischen auch touristisch erschlossen. Im Fläming denkt man da vor allem an Jüterbog, Beelitz-Heilstätten und Wünsdorf. Und sie sind teilweise zu beliebten Ausflugszielen geworden.

Verschiedene Fotos von solchen „Lost Places“, wie sie mitunter auch bezeichnet werden, sind derzeit in einer Ausstellung in der Steintherme Bad Belzig zu sehen.

Aufgenommen wurden diese von den Flämingbotschaftern. Diese Gruppe wurde 2017 vom Tourismusverband Fläming e.V. auf Instagram ins Leben gerufen. Und da das diesjährige Jahresprogramm des Kulturlandes Brandenburg unter dem Motto „Krieg und Frieden – 1945 und die Folgen in Brandenburg“ steht, passen diese Fotos perfekt.

„Wir sind dankbar, dass diese Ausstellung stattfinden kann und nun auch analog stattfindet“, so Daniel Sebastian Menzel, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming e.V. Die Ausstellung ist eine Wanderausstellung und wird anschließend auch im Wildgehege Glauer Tal und im Mönchskloster Jüterbog gezeigt. Das Gute ist, dass sie danach nicht verschwindet, sondern digital weiterlebt. Mit der Ausstellung will man vor allem eine Brücke zwischen den sogenannten Konversionsorten und dem Tourismus schlagen. Flämingbotschafter kann jeder werden. Derzeit ist eine Gruppe von 15 Hobbyfotografen auf Instagram aktiv. Alle Fotografen haben einen Bezug zur Umgebung. Und so wächst vor allem die digitale Ausstellung immer weiter.

Auch Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang erinnert sich gut an solche Orte. Besonders an die nicht enden wollende Mauer, wenn man nach Jüterbog gefahren ist. Und dann stellte sich oft die Frage, was wohl dahinter ist. In diesem Areal waren zu DDR-Zeiten sowjetische Streitkräfte untergebracht. Natürlich sind viele Gebäude verfallen, aber sie haben auch irgendwie einen morbiden Charme entwickelt, so Leisegang.

Gleiches gilt für Jüterbog selbst. Dort gibt es einen ganzen Stadtteil, der extra für militärische Zwecke errichtet wurde. Nach Wünsdorf war dieser nach dem Krieg der zweitgrößte Standort sowjetischer Truppen in der DDR. Diesen Stadtteil kann man heute touristische erkunden, entweder auf geführten Touren oder auch auf eigene Faust. Und das ohne große Umstände, denn wenn man aus dem Bahnhofsgebäude kommt, ist man schon fast mittendrin. Daniel Sasse zeigt in der Ausstellung einige seiner Fotos von diesem besonderen Ort. Für viele DAS Areal sowjetischer Streitkräfte ist wohl Beelitz. Heute kann man über den Baumkronenpfad wandern und hat so einen Überblick über die alten Gemäuer. Dort werden auch verschiedene Führungen angeboten.  Frank Burchert hat diesen Blick fotografisch festgehalten.

Für viele Menschen, besonders die, die es noch aus eigener Erfahrung kennen, sind die Orte des ehemaligen Grenzverlaufs interessant. Wo früher Mauer und Todesstreifen verliefen, sieht es heute völlig anders aus. Wie an der ehemaligen Grenze zwischen Teltow und Berlin-Lichterfelde. Nur fünf Tage nach Maueröffnung bekam die Stadt Teltow die Nachricht, dass es auch dort einen neuen Grenzübergang geben soll. Innerhalb von zwei Tagen schufen Bau- und Grenzsoldaten den Übergang. Jetzt ist die ehemalige Grenze mit einem hüfthohen Seil markiert. Und inzwischen zu einem Touristenmagnet geworden, denn im Frühjahr kann man dort eine japanische Kirschblüte bewundern. Als man in Japan von der Grenzöffnung erfuhr, sammelte der japanische TV Sender Asahi 1990 etwa eine Million Euro Spenden zur Pflanzung von japanischen Kirschblüten.

Dieses Teilstück der ehemaligen Grenze hat es auch Jeannine Loth angetan. Sie ist seit fünf Jahren bei den Flämingbotschaftern auf Instagram dabei. Mit der Fotografie beschäftigt sie sich seit zirka sieben Jahren. Animiert, ihre Fotos öffentlich zu zeigen, wurde sie durch eine Kollegin. Nachdem Jeannine Loth die ersten Bilder gepostet und durchweg positives Echo erfahren hat, wuchs ihre Affinität zur Fotografie. Dabei will sie sich aber nicht auf ein Metier festlegen. Sie fotografiert Natur, Gebäude und Menschen gleichermaßen und hat ein Faible für Makrofotografie. „Ich bin pixelsüchtig“, sagt sie schmunzelnd, „wenn ich eine Woche die Kamera nicht in der Hand hatte, ist das doof.“ Jeannine Loth wohnt in Blankenfelde-Mahlow und arbeitet als Buchhalterin in Berlin. Die Fotografie ist für sie ein perfekter Ausgleich zum Bürojob.

Bis zum 4. November kann man die Ausstellung nun in der Flämingtherme besichtigen und sich eventuell neben Informationen auch Anregungen für einen Sonntagsausflug holen. Und natürlich kann man alle Fotos auch auf Instagram unter dem Hashtag #Flämingbotschafter bewundern.

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