Bad Belzig: Neuer Hausbeirat im Haus Belizi gewählt

Bad Belzig. Eric Hahn liest gerne – „Bücher und die Tageszeitung“. Florenz Petersen, Lutz Kober und Manuel Kitzrow spielen gerne mit einer Konsole. Hilfried Kehrer ist Amigo-Fan. Und Janine Berndt, die einzige Frau unter den Kandidierenden, schwärmt für Hansi Hinterseer. Allen ist gemeinsam, dass sie sich zur Wahl für den Heimbeirat im Haus Belizi stellten. In der Einrichtung für betreutes Wohnen für Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Straße der Jugend in Bad Belzig stand am 25.05.2021 turnusgemäß die Wahl für die Selbstvertretung an.

Und es waren echte Wahlen, denn es wurden nur vier Mitglieder gesucht, aber es gab sechs Kandidierende. Insgesamt 17 der 20 Bewohner waren wahlberechtigt. Drei sind erst vor kurzem eingezogen und durften laut Satzung des Betreibers noch nicht mitwählen. „Sie müssen mindestens zwei Monate hier gewohnt haben“, erklärte Laura Wegener-Meißner vom Fliedners-Sozialdienst, die für die Wohnstätte als Sozialarbeiterin zuständig ist und gemeinsam mit Kerstin Schulz die Wahl organisiert hat. Schulz arbeitet im Haus Belizi als Heilerziehungspflegerin und ist die Ansprechpartnerin für den Hausbeirat.

An der Tür zum Raum, in dem gewählt wurde, stand groß „Wahllokal“. Damit klar war, wie ernsthaft der Vorgang ist. Einige der Bewohner warteten schon ungeduldig im Aufenthaltsraum auf ihren Aufruf.

Im Wahllokal selbst hatten Andrea Sternberg, Renate Przybilla sowie Sebastian Schulz Platz genommen, die drei bildeten den Wahlausschuss, der den ordnungsgemäßen Ablauf beobachten sollte. Sebastian, ein passionierter Fotograf hielt den Wahlvorgang in Bildern fest. Andrea brachte die improvisierte Wahlurne immer wieder zu den Abstimmenden. Als Beobachter war auch der Ombudsmann Andreas Koska dabei.

„Ich hätte gern selbst kandidiert, aber ich ziehe demnächst hier aus, in eine eigene Wohnung“, berichtete Sebastian Schulz mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Als erster rollte Patrick Ide in seinem Rollstuhl in das Wahllokal. Er betrachtete interessiert den Wahlzettel. Darauf waren nicht nur die Namen eingetragen, sondern auch die Fotos der zu Wählenden. Dadurch konnten die Wählenden, die nicht lesen können, eine eigenständige Entscheidung über ihre Vertretung fällen.

Kerstin Schulz erklärte auf Wunsch wie vorzugehen se. Danach kreuzten die Bewohner ihre Wunschkandidaten an. Jede:r hatte drei Stimmen.

Bei der Auszählung zeigte sich, dass alle Kandidierenden gewünscht waren, der Wahlausgang blieb bis zum Schluss spannend. Einzig Janine Berndt setzte sich ab und wurde mit 12 Stimmen gewählt. Die Männer mussten zittern. Schließlich war dann klar, dass Eric Hahn und Manuel Kitzrow gleichauf mit neun Stimmern dem Gremium angehören werden.

Eric Hahn, der seit der Eröffnung des Hauses Belizi vor zehn Jahren hier wohnt und sich engagiert, ist auch von Anfang an der Vorsitzende des Hausbeirats. Manuel wohnt erst seit zwei Jahren hier und ist neu im Hausbeirat. Das Haus Belizi ist in drei Bereiche aufgeteilt, zwei Wohngruppen und den Wohntrainigsbereich. Der 61-jährige Eric Hahn lebt in Gruppe 1, Manuel in Gruppe 2. Mit sieben Stimmen wurde Florenz Petersen als viertes Mitglied in das Gremium gewählt. Er setzte sich damit knapp gegen Lutz Kober (6) und Hilfried Kehrer (5) durch. Florenz repräsentiert den Bereich Trainingswohnen. Somit ist der Hausbeirat überall vertreten. Er wird sich zum ersten Mal am 10. Juni 2021 zusammensetzen und aus seiner Mitte eine:n Vorsitzende:n wählen. Der Hausbeirat amtiert dann für zwei Jahre.

Schon zuvor wird jedoch gefeiert. Am 4. Juni 2021 wird das Hausfest begangen. Dabei wird auch der offizielle Festakt aus Anlass des 10jährigen Bestehens stattfinden. Eigentlich sollte im Februar gefeiert werden aber die Pandemie machte ein Strich durch die Rechnung. Auch im Juni wird die Feier kleiner ausfallen als gedacht. „Wir werden nur im kleinen Rahmen feiern, ohne Eltern und Betreuer, das lässt die Corona-Pandemie noch nicht zu“, berichtete Kerstin Schulz.

Das Wahlergebnis wurde sofort nach der Auszählung am Schwarzen Brett ausgehängt. Die Freude über das Ergebnis merkte man den Gewählten an.

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