Gesundheitstourismus im Fläming – alles ist möglich

Gesundheitsprävention und Tourismus zu verbinden, ist an sich nichts Neues. Was jedoch in den meisten Fällen fehlt, ist die Individualität, also ein speziell auf den Teilnehmer oder Patienten zugeschnittenes Angebot. Denn ganz gleich ob Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Ursachen können bei jedem Menschen verschieden sein. Man kann also nicht alles mit einem einheitlichen Programm behandeln. Das zu verwirklichen, hat sich der neu gegründete Verein „Gesundheitsregion Hoher Fläming e.V.“ auf die Fahne geschrieben. Gemeinsam mit einer Gruppe von Unternehmen, Verbänden und Experten soll der Gesundheitstourismus im Hohen Fläming etabliert werden. Derzeit zählt der Verein fast 20 Mitglieder unterschiedlichster Branchen. Dazu gehören der Naturpark Hoher Fläming, der Barfußpark in Beelitz, die Gruppe rund um das Smart Village, das Haus Fläming in Dahnsdorf und Kräuterpädagogin Britt Muschert. Die fachliche Kompetenz bringen Mediziner Dr. Manfred Heßler aus Bad Belzig und Dr. Tina Lutsch aus Niemegk ein. Den Vorstand bilden Gerrit van Doorn vom Smart Village, Bernd Lüthke, Geschäftsführer vom Haus Fläming und Dr. Manfred Heßler, vielen noch als Chefarzt aus dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Bad Belzig bekannt. Bernd Lüthke ist froh, ihn gewonnen zu haben. Die beiden kannten sich vom früheren Ärztestammtisch in Dahnsdorf und so konnte er ihn überzeugen. Auch ist Dr. Manfred Heßler einer der  Ärzte, die offen sind für Naturheilkundeverfahren.

Der gesamte Prozess der Vereinsbildung hat fast eineinhalb Jahre gedauert. Die Idee entstand jedoch schon viel früher, wie Bernd Lüthke berichtet. Angefangen hat alles mit einer schweren Krankheit von Volker Link, dem Besitzer vom Haus Fläming. Es suchte sich zusätzlich zur Schulmedizin Hilfe durch Naturheilverfahren, die ihm schließlich zur kompletten Heilung verhalfen.Diesen Gedanken, die Kombination von klassischer Medizin und Naturheilkunde,  wollte er teilen und weiter geben. Und was bot sich dafür besser an, als sein eigenes Haus. Es war eh schon ein „Gruppenhaus“, Räumlichkeiten wurden an Gäste und Seminare vermietet, die dann einfach nur dazu gebucht haben, was sie außer einer Übernachtung benötigen. So spann er die Idee von einem Vital-Hotel mit den verschiedensten Angeboten für Gesundheit und Prävention.

Geschäftsführer Bernd Lüthke war sofort Feuer und Flamme. Er hatte von einem Projekt in seiner alten Heimat Mecklenburg gehört, wo es bereits ein solches Netzwerk für Gesundheitsprävention gibt. Er setzte sich mit der dortigen Wissenschafts- und Technikakademie, Herrn Prof. Dr. Stöhr,  in Verbindung und konnte so einen Beratervertrag aushandeln, über den das Know How aus Mecklenburg in unsere Region übertragen werden kann und soll. Die Gedanken wurden in einem Projekt verankert, wie man diese Präventionsmaßnahmen auf Brandenburg und speziell auf den Hohen Fläming anwenden kann. Dabei sieht Bernd Lüthke die Initiative nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Angeboten, sondern als Ergänzung und ggf. Verknüpfung. Um das alles zu bewerkstelligen, wurde nun kürzlich der Verein gegründet. Finanzielle Unterstützung gab es durch die LAG Fläming-Havel.

Die vorrangige Aufgabe des Vereins ist nun eine Potentialanalyse. In dieser wird erfasst, welche Angebote es bereits gibt und was die bisherigen und auch neuen Mitglieder einbringen. Dabei denkt Lüthke an Ernährungsberater, Yogalehrer, die Steintherme, den Barfußpark und viele andere. Ziel ist es, die Angebote zu verknüpfen um so individuelle Angebote erstellen zu können.

Im zweiten Schritt werden die ersten Seminare erarbeitet. Am Beispiel eines Ernährungsseminars könnten diese folgendermaßen ablaufen. Bei Ankunft gibt es einen Eingangscheck mit ausführlichen Untersuchungen durch Dr. Manfred Heßler und Dr. Tina Lutsch. Dann erfolgt eine theoretische Einführung. Mit Kräuterpädagogin Britt Muschert geht es schließlich auf eine Kräuterwanderung, auf der verschiedenste essbare Kräuter gesammelt werden, die der Gesundheit gut tun.

Für die Zubereitung dieser hat Bernd Lüthke Hans-Joachim Kalkofen ins Boot geholt. Viele kennen ihn als ehemaligen Küchenchef der Springbachmühle in Bad Belzig. Er zeigt den Teilnehmern dann verschiedene Zubereitungsmöglichkeiten. Diese sind später auch noch einmal über ein You Tube Video mit einem gesicherten Zugang abrufbar. Das Video wird von Mal´s Scheune erstellt. Der Teilnehmer bekommt letztendlich einen Ernährungsberater an die Seite, mit dem er jederzeit Kontakt aufnehmen kann. Dieses geschieht über weframe one, einer Technologie der Zusammenarbeit in digitaler Form. Hierbei kann der Teilnehmer sich mit dem Arzt oder dem Ernährungsberater über weitere Vorgehensweisen austauschen und über eine gesicherte Cloud auch Dokumente austauschen. Überhaupt soll das Digitale weiter vorangetrieben werden, bestätigt Bernd Lüthke, schließlich ist alles natürlich auch eine Zeitfrage. „Aber alles soll mit Spaß und Freude passieren und nicht mit Zwang und Druck“, so Lüthke.

Der Verein hat schon kräftig die Werbetrommel gerührt und so viele von dem Konzept überzeugt. So hat die AOK bereits einen Kooperationsvertrag angeboten, denn Ziel des Vereins ist es, die Kurse von den Krankenkassen zertifizieren zu lassen. „Das wird ein schwerer Schritt“, so Bernd Lüthke und Gerrit van Doorn. Jedoch liegt der Vorteil für die Kursteilnehmer auf der Hand. Sind die Kurse anerkannt, könnten die Kursteilnehmer einen hohen Anteil der Kosten von ihrer Krankenkasse erstattet bekommen.

Das Haus Fläming wird sozusagen das Versuchskaninchen für die Seminare sein. Parallel zur Erarbeitung wird dort gleichzeitig getestet, was umsetzbar ist und was nicht. Erste Probeläufe gab es bereits. Einer Gruppe Naturheilkundler aus dem Berliner Raum wurde eine Kräuterwanderung mit Britt Muschert und anschließenden Kochkurs mit Hans-Joachim Kalkofen angeboten. Die Gruppe nahm an und war am Ende vollauf begeistert, so dass es zum Abschied Standing Ovations für Bernd Lüthke und sein ganzes Team gab. Ein gutes Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Aber auch die Vernetzung untereinander ist wichtig. Der Anfang ist gemacht mit der Verbindung mit der Flämingschmiede, dem Netzwerk für innovative Tourismusangebote aus Beelitz, und dem Smart Village Verein. „Das ist ein gutes Beispiel für die Kooperation von zwei Netzwerken“, so Gerrit van Doorn. Diese Vernetzung soll auf die gesamte Region ausgeweitet werden. Außerdem wollte man mit dem Ganzen auch die Stadt Bad Belzig ein bisschen herausfordern, sich als Kurstadt noch mehr öffentlich zu präsentieren, schmunzelt van Doorn.

Ein weiterer Gedanke, der dem Verein vorschwebt, ist der eines Heilwaldes. Einen solchen gibt es bereits auf Usedom. Ob der Fläming tauglich ist, einen Heilwald auszuweisen, soll die Potentialanalyse klären. Bernd Lüthke ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird.  Einen Heilwald sieht er als DAS Marketinginstrument der Zukunft. Auch andere Institutionen interessieren sich bereits für den neuen Verein, wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse. Vielleicht gibt es von dort auch die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung für bestimmt Projekte. Eine Idee kam bereits im gemeinsamen Gespräch auf: eine Gesundheitswoche unter dem Motto „Der Fläming macht sich fit“ mit Beteiligung von den Einzelhandelsgeschäften der Stadt. Dann könnte man zum Beispiel in der Sparkassenfiliale auf ein Ergometer steigen oder gegen fünf Kniebeugen in der Buchhandlung ein Malbuch für die Kinder bekommen. „So können wir mit wenig Aufwand und ein bisschen Spaß die Menschen motivieren“, so Bernd Lüthke.

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