Wiesenburg/Mark, Reetz. Das Votum der Wiesenburger Gemeindevertreter war dann doch überraschend klar. Neun der Anwesenden 14 stimmten für den Aufstellungsbeschluss für den Windpark Reetz, nur vier dagegen bei einer Enthaltung. Damit kann die Prüfung des Vorhabens in die Wege geleitet werden.
Martin Bauer und Janis Meyerhof war die Erleichterung anzusehen. Denn nicht nur die Gemeinde, sondern auch das Landgut Reppinichen und der Investor haben schon viel Zeit in das Projekt investiert.
In der Einwohnerfragestunde kamen nochmal einige Themen zur Sprache, ob denn auch mit den Befürwortern und Gegnern gesprochen wurde, ob die Reduzierung der Bodenfeuchte betrachtet wurde und wie sich das Vorhaben auf den Tourismus auswirkt. Zu letzterem sieht Bürgermeister Marco Beckendorf einen sehr geringen Einfluss. Da es in der näheren Umgebung wenig Unterkünfte und gastronomische Angebote gibt, lebt die Region vorwiegend von Tagestouristen. Das macht jedoch auch Sorgen, und gemeinsam mit umliegenden Orten will man versuchen, daran etwas zu ändern.

Mit allen anderen Themen haben sich Gemeindevertreter, Fraktionen, eine Energie-AG und die Bürger selbst fast eineinhalb Jahre beschäftig. Es gab mehrere Infoveranstaltungen, auf denen sich die Einwohner informieren konnten und auf denen sowohl Befürworter als auch Gegner ihre Meinung darlegen konnten. „Jeder sieht den Trend zu erneuerbaren Energien“, sagte Rita Neumann, Vorsitzende der Gemeindevertretung, “was heute passiert, ist erst einmal der Aufstellungsbeschluss“. Dann beteiligen sich die Träger öffentlicher Belange, mit dem Beschluss wird nur der Weg für diesen Prozess frei gemacht.
Johannes Blatt brachte die gesamte Situation auf den Punkt. „Wir alle sitzen hier mit sehr gemischten Gefühlen“, sagte er, „selten hat ein Thema so bewegt.“ Die Gemeindevertreter hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wer jetzt dagegen stimme, tue das mit Bauchschmerzen wegen der prekären Haushaltslage der Gemeinde. Wer dafür stimme, tue das ebenfalls mit einem unguten Gefühl ob der jahrzehntelangen Auswirkungen. „Egal, wie das Ergebnis ausfällt, wir sollte auch weiterhin respektvoll miteinander umgehen“, so Johannes Blatt. Für ihn spricht energiepolitisch und finanziell vieles dafür, er fühlt sich aber an das Bürgervotum gebunden, welchen zwar recht knapp, aber eben doch gegen das Projekt ausfiel. Deshalb werde er mit Nein stimmen, obwohl es ihm nicht gut gehe mit dieser Entscheidung. Der abschließende Satz von Rita Neumann beschrieb die Lage recht gut: Der Verstand sagt ja, das Herz sagt nein. Ute-Paulmann Boll beantragte eine namentliche Abstimmung, die auch so durchgeführt wurde mit dem oben genannten Ergebnis.
Für das Landgut Reppinichen und den Investor Kinesis geht nun die Arbeit richtig los. „Ich freue mich total über diese Entscheidung“, so Martin Bauer vom Landgut Reppinichen. Er habe aber auch gemerkt, wie intensiv sich mit dem Thema beschäftigt wurde und kann das bauchgrummeln der Gemeindevertreter durchaus nachvollziehen.
Als nächstes geht es an die konkreten Vorbereitungen, die in der Hand von Kinesis liegen. Die Flächen müssen kartiert, die Träger öffentlicher Belange eingebunden werden und die Kapazität der Netzeinspeisung geklärt werden. Das alles ist nötig, um einen Bauantrag stellen zu können. Kinesis hat also richtig Arbeit vor sich. Martin Bauer wird sich jetzt darum kümmern, alles anzuschieben, was im Vorfeld versprochen wurde, wie der Lärmschutz und die Umgehung für den landwirtschaftlichen Verkehr. „Wir werden zeigen, dass wir halten, was wir versprechen“, so Martin Bauer.
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Ein Kommentar
Hat jemand was anderes erwartet? so viel Heuchelei und Getue gab es noch nicht mal in der DDR. Hoffentlich wird jetzt dem Letzten klar was der Obrigkeit der Bürgerwille wert ist.