Kita Tausendfüßler, Bad Belzig, Sprachkita

Kita Tausendfüßler in Bad Belzig ist Sprach-Kita – Mit 18 Sprachen

Bad Belzig. Mit dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ förderte der Bund von 2016 bis Mitte 2023 die sprachliche Bildung als Teil der Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung. Jetzt auch in der Kita Tausenfüßler, wie in einer Sitzung eines Gremiums der Stadtverordnetenversammlung Bad Belzig zu erfahren war.

Das Bundesprogramm richtet sich vorwiegend an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Für jede Sprach-Kita stellte das Programm eine zusätzliche Fachkraft zur Verfügung. Die zusätzlichen Fachkräfte wurden im Verbund von einer externen Fachberatung begleitet. Bundesweit war etwa jede 8. Kita eine Sprach-Kita. Davon profitierten mehr als 500.000 Kinder und ihre Familien. Mitte 2023 gingen die Sprach-Kitas in die Verantwortung der Länder über. Um die alltagsintergierte sprachliche Bildung im Land Brandenburg frühzeitig zu unterstützen, werden auch in den Jahren 2025 und 2026 weiterhin zusätzliche halbe Fachkraftstellen sowie zusätzliche halbe Fachberatungsstellen mit dem Schwerpunkt Sprache in Kindertagesstätten mit einer Pauschale gefördert.

Anne Geserick stellte auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der SVV Bad Belzig die Arbeit in der Kita Tausendfüßler vor. Sie hat für dieses Projekt eine spezielle Weiterbildung absolviert. „Wir Erzieher müssen uns der Rolle als Sprachvorbild bewusst sein“, sagte sie.

In der Kita Tausendfüßler gibt es ganz besondere Voraussetzungen. Die Kinder sprechen dort 18 Sprachen als Muttersprache. Auf diese Mehrsprachigkeit versuchen die Erzieher einzugehen, eng in Zusammenarbeit mit den Familien. Und so heißt es auch nicht am Eingang: Ab hier wird deutsch gesprochen. Die Kinder dürfen und sollen in ihren Muttersprachen sprechen, besonders, wenn sie miteinander spielen.

Gleichzeitig wird aber darauf geachtet, dass sie Wörter und Begriffe in Deutsch lernen. Dafür haben Anne Geserick und ihre Kolleginnen verschiedene Methoden entwickelt. So gibt es zum Beispiel den Morgenkreis, bei dem die Kinder sich austauschen können oder auch singen. Es gibt Leseecken in gemütlicher Atmosphäre und eine Kinderbibliothek. Lesen und auch bildliche Darstellungen helfen den Kindern. Oft wird, besonders bei ausländischen Familien, festgestellt, dass es dort gar keine Bücher zu Hause gibt. Deshalb sind in der Kita auch Bücher in verschiedenen Sprachen vorrätig. Obendrein gibt es ein Kinderparlament, dem jeweils zwei Kinder einer Gruppe angehören. Dort werden nicht nur die Kinderrechte vertieft, sondern die Kinder können sowohl Ideen einbringen als auch Kritik.

In der heutigen Zeit steht auch die digitale Mediennutzung auf dem Plan. Neben Kinder Tablets und Tonie-Boxen stehen bei den Kindern die Tip-Toi-Stifte hoch im Kurs. Damit können nämlich Geschichten auch in der eigenen Muttersprache angehört werden.

Ein weiteres Highlight sind die Vorlese-Omis, die regelmäßig in die Kita kommen, wie auch die Kinder der Grundschule. Demnächst wird es mehrsprachige Büchertaschen geben. Zusätzlich beschäftigt man sich mit gebärdenunterstützender Kommunikation. Inzwischen haben Kinder und Erzieherinnen das erste eigene Kitabuch geschrieben.

All das ist aber nur durch die Förderung des Landes möglich. Und so fragte Gustav Horn zu Recht, wie es nach 2026 weiter gehen soll. Leider hat die Stadt darauf keinen Einfluss. Bürgermeister Robert Pulz teilte jedoch mit, dass das Projekt im Rahmen der Haushaltslage weiter gehen soll. Und das wäre eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Kinder. Man stellt nämlich fest, dass die Sprachkompetenz aktuell unter Kindern immer mehr abnimmt. Sollte es keine Verlängerung geben, muss geschaut werden, wie diese Aufgaben zusätzlich geschafft werden können.

(Artikelfoto: Kita Tausendfüßler)

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