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„Mein Weg. Meine Worte.“ – Ausstellung in Bad Belzig erzählt von Mut, Lernen und neuen Möglichkeiten

Bad Belzig. Über 6 Millionen Menschen in Deutschland können nicht oder nur unzureichend Lesen und Schreiben.

Das sind auf Potsdam-Mittelmark bezogen etwa 16.000 Personen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben einer angeborenen Lese-Rechtschreib-Schwäche spielen Schule, Familie und auch Herkunft eine Rolle. Im Schulalltag ist es oft nicht möglich, Kinder mit erhöhtem Förderbedarf ausreichend zu betreuen. Das Ergebnis ist, dass diese Kinder ungern zur Schule gehen, teilweise gar nicht und so lesen und schreiben nicht richtig lernen. Als Erwachsene schummeln sie sich dann irgendwie durch das Leben, erfinden oft Ausreden wie: ich habe meine Brille vergessen. Um diesen Menschen zu helfen, gibt es in Potsdam-Mittelmark seit fünf Jahren das Grundbildungszentrum der Kreisvolkshochschule. Das Angebot umfasst neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch die Vermittlung von digitalem Wissen, Basis-Englisch, Grundwissen zur Ernährung, Gesundheit und Finanzen. Gefördert wird das Projekt von der EU und dem Land Brandenburg. Bis Ende 2028 ist die Finanzierung gesichert, man ist aber schon in Verhandlungen für eine Weiterführung. Derzeit gibt es 13 kostenlose Kurse an 7 Standorten, auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Seit 2024 auch Kurse speziell für Pflegeberufe. Die Kurse sind kostenlos. In den Lernraum für Erwachsene im AWO-Familienzentrum am TRollberg kann man einfach ohne Anmeldung kommen und sich informieren und mitmachen.  Immer Mittwoch von 9-12 Uhr und Donnerstag von 16-19 Uhr sind die Mitarbeiter vor Ort. Für Muttersprachler und Menschen, die schon Deutsch sprechen und verstehen gibt es Kurse an der Kreisvolkshochschule. Darüber kann man sich bei Sandra Bramekamp unter 033203-803712 informieren.

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Meine Worte

Das Projekt ist jetzt schon eine Erfolgsgeschichte. Das zeigt die Ausstellung „Mein Weg. Meine Worte.“, die zum Weltalphabetisierungstag im Landratsamt im Papendorfer Weg eröffnet wurde. Ziel ist es nicht nur, die Erfolge zu zeigen, sondern das Thema auch mehr sichtbar zu machen. Denn es gehört viel Mut dazu, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht und diese dann auch anzunehmen. Viele tun es immer noch nicht aus Scham und Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen.

14 Lernende hatten den Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen.  Für die Ausstellung haben sie ihren persönlichen Weg aufgeschrieben. Sie berichten davon, was sie zum Lernen bewegt hat, welche Schwierigkeiten sie überwunden haben und was sich dadurch in ihrem Alltag verändert hat. Ihre Aussagen reichen vom Ausfüllen einer Überweisung bis zum Wunsch, wieder im erlernten Beruf arbeiten zu können. Einer der Lernenden schreibt inzwischen sogar an einem eigenen Buch.

„Die Texte gehen ans Herz“, sagte Kristin Helbig als Vertreterin des Landkreises. Besonders würdigt sie, dass in den Kursen nach persönlichen Bedarfen gearbeitet wird. Niemandem wird also vorgeschrieben, was er zu lernen hat, jeder kann mit seinen eigenen Wünschen kommen. Lesen und schreiben sind weit mehr als Schulwissen. Es geht darum, einen Brief zu verstehen, ein Formular selbst auszufüllen, Informationen im Internet zu finden oder beruflich wieder neue Möglichkeiten zu haben.

Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann würdigt das fünfjährige Bestehen in einer Videobotschaft: „Lesen, Schreiben und Rechnen – das sind Voraussetzungen für berufliche und gesellschaftliche Teilhabe. Brandenburg setzt auf ein starkes Netz von inzwischen 15 Grundbildungszentren im ganzen Land. Seit fünf Jahren gehört auch das Grundbildungs-Zentrum Potsdam-Mittelmark dazu.“

Ein Lernender bringt das Anliegen der Ausstellung auf einen einfachen Satz: „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen trauen, Hilfe anzunehmen.“

Eindrücke von der Ausstellungseröffnung. Die Personen auf dem Gruppenfoto sind von links nach rechts:

Pia Christ, Grundbildungszentrum PM
Dr. Jane Worlitz, Brandenburgischer Volkshochschulverband
Dr. Tim Eyßell, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Bernd Schade, Landkreis Potsdam-Mittelmark
Anja Schmalfuß, Kreisvolkshochschule PM
Jürgen Otto, Landkreis PM
Kristin Helbig, Landkreis PM
Susanne Schmitt, Grundbildungszentrum PM
Marion Welsch, Ehrenamtliche
Petra Hendrick, Ehrenamtliche

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