Bad Belzig. Letzten Samstag fand zum dritten Mal der CSD in Bad Belzig statt. Eine bunte Parade mit 350 Menschen zog vom Bahnhof durch die Straßen und wurde musikalisch begleitet von DJ Adrian. Am Marktplatz ging es weiter mit einem farbenfrohen Fest, das von etwa 500 Menschen besucht wurde. Sowohl Fest als auch Demonstration verliefen ruhig und ohne Störungen.
Thema des Tages war „Queeres Leben auf dem Land“. Das wurde auch durch die Ausstellung der Fotografin Sareh Oveysi auf dem Marktplatz abgebildet. Großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien zeigten queere Menschen aus der Region. Die Künstlerin fertigte bewusst keine Studioaufnahmen an, sondern fotografierte Menschen in ihrer Alltagsumgebung auf dem Land, z.B. auf Holzstämmen sitzend oder im Garten.
Auch beim Bühnenprogramm überwogen queere Personen aus der Region. Alle Menschen auf der Bühne, von Musik über Moderation und Redebeiträge bis hin zur Dragshow, waren aus Bad Belzig und Umgebung, ausgenommen die aus Berlin angereiste Oma gegen Rechts. Nach einem musikalischen Einstieg mit Kisse begrüßte Jennifer Burmeister die Anwesenden. In ihrer Rede wies sie noch einmal auf die Wichtigkeit hin, queeres Leben gerade auch in ländlichen Regionen sichtbar zu machen. Für viele und insbesondere junge Menschen, die mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität scheinbar nicht „dazu passen“, ist es wichtig zu sehen, dass es andere gibt, die ähnliche Erfahrungen machen oder gemacht haben wie sie. Dass der queere Jugendverband Lambda gerade jetzt Bundesmittel gestrichen bekommt, ist ein verheerender Einschnitt bei Hilfsangeboten für queere oder nach Orientierung suchende Jugendliche, so die Moderatorin. „Demokratie braucht Vielfalt!“, schloss sie.
D
as nahmen sowohl der Bürgermeister der Stadt, Dr Robert Pulz, als auch die evangelische Pfarrerin, Dr. Christiane Moldenhauer, in ihren darauf folgenden Grußworten auf. Beide bedankten sich für die Einladung und sprachen sich ihrerseits für eine offene und vielfältige Stadtgesellschaft aus. Frau Dr. Moldenhauer erwähnte auch die späte Entschuldigung der Kirche bei Queers, die lange Diskriminierung von Seiten der Kirche erlebten. Sie sprach eine Einladung aus, dass wirklich alle in der Kirche willkommen sind.
Nachdem Kisse in einem weiteren Zwischenspiel politischen Pop mit Humor und Ernsthaftigkeit geboten hatte, mahnte eine Oma gegen Rechts die aktuellen Gefahren für die Demokratie an. Die darauf folgende Performance von Sinnermon BunBun war ein weiteres Highlight. Die Dragkünstlerin schaffte es Freude und Leichtigkeit bei den Songs zu vermitteln und sprach in ihrem Redebeitrag dennoch nachdrücklich an, dass es Zeit ist, für unsere Rechte aktiv zu werden, wenn uns diese genommen werden.
Anschließend stellte Anna Ledwon queeres Leben auf dem Land in die Perspektive einer Person, die in der Enge der Kleinstadt aufwächst, nicht so recht in die erwartete Norm passt und schließlich wegzieht. Nach der Rückkehr entscheidet sich Anna Ledwon nun bewusster für queere Sichtbarkeit zu stehen, damit künftige Generationen diese Enge nicht spüren müssen.
Abgerundet wurde der Tag durch zunächst rockige Gitarrenmusik und später tanzbaren 90er-Jahre-Dance-Pop, den DJ Crab Apple auflegte. Um 17 Uhr verabschiedete sich ein glückliches CSD-Team von der Bühne aus – und bat die Menschen um Mithilfe beim Abbau. Diesem ungewöhnlichen Wunsch kamen sehr viele nach, so dass innerhalb einer halben Stunde fast alles verschwunden war.
Der CSD Bad Belzig wird von einem kleinen Team organisiert, aber von vielen Helfenden an ganz vielen Stellen mitgetragen. Allen, die beigetragen haben, gilt noch einmal ein besonderer Dank des Organisationsteams. Ein Termin für 2027 steht leider noch nicht, aber dass es einen CSD geben wird, ist jetzt schon klar. Bis dahin sind alle queeren Menschen herzlich an jedem dritten Freitag im Monat um 18:30 zum Queeren Stammtisch bei Racha und Roger eingeladen.
(Fotos: Georg Lohmann)
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