Eine gute Erziehung ist für alle Hunderassen wichtig – Die Vorsitzende des Hundesportvereins Treuenbrietzen im Gespräch zur neuen Hundesteuersatzung

Treuenbrietzen. Der Hundesportverein Treuenbrietzen e.V. ist über die Stadtgrenzen Treuenbrietzens bekannt. So kommen einmal im Jahr Züchterinnen und Züchter des Deutschen Schäferhundes zur Ortsgruppen-Zuchtschau auf dem Vereinsgelände am Hellberg zusammen und zeigen ihr Können (Fläming 365 berichtete). Aber auch in die Stadtgesellschaft bringt sich der Verein mit seinen 21 Mitgliedern aktiv ein. Sei es zur Absicherung des Sabinchenfestes oder in die Diskussionen um die neue Hundesteuersatzung (Fläming 365 berichtete).

Am Montag wurde diese nach mehreren Anläufen mit einer großen Mehrheit von den Stadtverordneten verabschiedet. Im Vorfeld hatte der Hundesportverein Vorschläge für die Satzung eingebracht. Darüber sprach Jonathan Summer mit der Vereinsvorsitzenden Marina Czepl. Die 68-jährige Mutter einer Tochter hält seit 53 Jahren Hunde und ist seit 1983 aktiv im Hundesportverein Treuenbrietzen e.V. bzw. dessen Vorgänger aktiv.

Jonathan Summer: Frau Czepl, Sie sind Vorsitzende des Hundesportvereins Treuenbrietzen e.V., der wiederum Mitglied im Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. ist. Was fasziniert Sie so an Schäferhunden? 

Marina Czepl: Ihr offenes freundliches Wesen und ihr ehrlicher Charakter. Man kann ihn gut lesen.

Jonathan Summer: Ist eine gute Erziehung bei Schäferhunde besonders wichtig, weil sie auch als Bewacher- und Hütehunde eingesetzt wurden und werden? 

Marina Czepl: Eine gute Erziehung ist für alle Hunderassen wichtig. Auch ein Winzling kann beißen und Schaden anrichten.

Jonathan Summer: Was ist das Besondere am Wesen des Schäferhundes? 

Marina Czepl: Die Offenheit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Jonathan Summer: Welche eher kritischen Eigenschaften werden dem Schäferhund zugeschrieben?

Marina Czepl: Ich kenne keine. Es kommt immer auf die Sozialisierung und Erziehung sowie dem Umgang mit ihm an.

Jonathan Summer: Die Stadtverordneten haben kürzlich die Überarbeitung der Hundesteuersatzung auf den Weg gebracht und diese am Montag nach einem Formfehler beschlossen (Fläming 365 berichtete). Hintergrund sind Gesetzesänderungen, nach denen es keine gefährlichen Hunde mehr als solche gibt. Was ist Ihre Meinung dazu? 

Marina Czepl: Von Natur aus gibt es für mich keine gefährlichen Hunde. Ein als gefährlich eingestufter Hund, wurde zu dem gemacht.

Jonathan Summer: Ihr Verein hatte sich in die Diskussionen zur Änderung der Satzung eingebracht und Vorschläge gemacht. Um was ging es bei Ihren Vorschlägen?

Marina Czepl: Soweit mir bekannt, ging es bei den Vorschlägen zum einen darum, einen Anreiz dafür zu schaffen, dass sich Hundebesitzer informieren und auch qualifizieren können bzw., dass dies auch künftige Hundehalter, welche vorhaben sich einen Hund anzuschaffen, tun können. Dazu gibt es verschiedene, durch den Sportverein angebotene, Möglichkeiten einen Hundeführerschein abzulegen oder mit seinem vierbeinigem Begleiter eine Begleithundeprüfung abzulegen oder auch an einem Wesenstest teilzunehmen. Bei allen diesen Prüfungen geht es um eine gute Sozialisierung unserer vierbeinigen Freunde und um einen guten Gehorsam.

Ergo geht es darum, es erst gar nicht dazu kommen zu lassen, dass ein Hund gefährlich wird. Das bekommt man auch als Dokument von dazu fachlich ausgebildeten Richtern bestätigt. Es gibt auch Hunde, die solche Tests nicht bestehen. Mit denen kann und sollte man dann aber weiter arbeiten, denn so eine Prüfung kann wiederholt werden. Für die Hundehalter, die solch ein Dokument vorlegen könnten, wurde eine Steuerminderung vorgeschlagen. Das wurde von der Stadt abgelehnt, da man mit zu hohen Einnahmeverlusten rechnete. Übrigens mit völlig unrealistischen Zahlen.

Jonathan Summer: Warum sind diese Vorschläge für Sie so wichtig?

Marina Czepl: Wichtig? Was ist wichtig? Es geht darum, Hundehalter zu unterstützen, Freude an ihrem vierbeinigem Freund zu haben. Aber auch darum, diejenigen zu würdigen, die sich dafür einsetzen, dass es keine „gefährlichen“ Hunde gibt.

Jonathan Summer: Eine Mehrheit der Stadtverordneten hat Ihre Vorschläge mit der Begründung nicht mitgetragen, dass eine Satzung nicht das geeignete Instrument für Vereinsförderung ist. Können Sie dieser Argumentation folgen? 

Marina Czepl: Nein, das kann ich nicht. Es ging hier auch nicht um eine Vereinsförderung. Man muss ja auch nicht Mitglied der Ortsgruppe sein, um solch eine Prüfung abzulegen und selbst wenn, dann ist unser Beitrag für ein Jahr bei weitem nicht so hoch wie die sechsmalige Teilnahme an einem Welpenkurs mit 120 Euro in einer beliebigen Hundeschule.

Jonathan Summer: Es gab sogar einen Termin mit Stadtverordneten auf Ihrem Vereinsgelände. Wie haben Sie diesen erlebt und die Stadtverordneten wahrgenommen? 

Marina Czepl: An dem Tag war ich nicht anwesend und kann daher dazu nichts sagen.

Jonathan Summer: Für Hundehalter sind die Steuersätze unverändert geblieben. Begrüßen Sie diese Beibehaltung? 

Marina Czepl: Alles was nicht teurer wird ist gut. Schade ist, dass die Bemühungen um vielleicht weniger „gefährliche“ Hunde nicht aufgegriffen wurden. Auto darf man auch nicht ohne Fahrerlaubnis fahren.
Man hätte ja auch so daran gehen können, dass die Steuer für diejenigen, welche einen Nachweis erbringen können bleibt, und diejenigen, die keinen erbringen können, etwas mehr zahlen müssen. So müsste man sich auch keine Sorgen um geringere Einnahmen machen.

Jonathan Summer: Wie wollen Sie in Zukunft auf die wichtige Arbeit Ihres Vereins aufmerksam machen, um mehr Mitglieder zu gewinnen?

Marina Czepl: Ich denke, wichtig ist es, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wir es in den vergangenen Jahren auch schon getan haben.

Jonathan Summer: Kommt für Sie eine Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Netzwerken infrage?

Marina Czepl: Die führen wir bereits teilweise durch.

Jonathan Summer: Was wünschen Sie sich von der Verwaltung und der Stadtverornetenversammlung für die Zukunft?

Marina Czepl: Über die Verwaltung kann ich nichts Negatives vorbringen. Von den Stadtverordneten würde ich mir mehr Weitsicht und Blick für die Realität wünschen, zum Beispiel was den Umgang mit Zahlen betrifft.

Jonathan Summer: Vielen Dank für das Interview. 

(Artikelfoto: Hunde beim Training im Wald © privat)

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