Bad Belzig. Migration bewegt die Menschen. Das gilt im doppelten Sinne: Es bewegt jene, die ihre Heimat verlassen, aber auch jene, in deren Heimat sie Schutz suchen. Das gilt auch für Bad Belzig und den Fläming. Das Echo ist zwiegespalten. Auf der einen Seite finden sich jene vielen, die in sich mit hohem persönlichen Aufwand um die ankommenden Geflüchteten kümmern. Auf der anderen Seite sind jene zu finden, die den Zuzug insbesondere aus ihnen fremden Kulturen mit Skepsis, Unwohlsein und teilweise blankem Hass verfolgen.
Das Thema „Migration“ ist ein Feld, bei dem jede Diskussion schnell polarisierend wird. Dies wird politisch von rechten Parteien und linken Populisten gleichermassen zum eigenen parteipolitischen Vorteil genutzt, in dem sie genau diese Debatten immer wieder anheizen und Polarisierung sowie Hass schüren.
Die SPD in Bad Belzig versucht einen anderen Weg zu gehen. In vielen Debatten hat sich gezeigt, dass es eine Brücke zwischen jenen gibt, die die Flüchtenden unterstützen und jenen, die einer Migration eher skeptisch gegenüber stehen. Diese Brücke heisst Arbeit.
Wenn Flüchtende mittels Arbeit ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten können, nützt dies erkennbar allen. Den Flüchtenden, weil sie Selbstständigkeit erlangen und vielleicht sogar Wohlstand aufbauen können. Den Einheimischen, weil sie nicht nur von sozialen Kosten entlastet werden, sondern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ihren Wohlstand nicht nur wahren, sondern sogar mehren können. Es nützt allen gemeinsam, weil durch gemeinsame Arbeit auch kulturelle Integration entsteht, die einem Abdriften in politischen Extremismus auf beiden Seiten entgegen steht. Ziel der SPD Bad Belzig war es daher auch, durch die Debatte eine Brücke in der Bevölkerung zwischen Unterstützern und Skeptikern der Migration zu schlagen.
Es ist also von überragender Bedeutung, dass Geflüchtete möglichst rasch so in den Arbeitsmarkt integriert werden, das sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Doch genau hieran hapert es an den verschiedensten Stellen, auch hier vor Ort im Landkreis. Um diese Fragen ansprechen und diskutieren zu können, hatte die SPD Bald Belzig zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Kulturzentrum Bad Belzig eingeladen. Zu Gast waren die Sozialsenatorin des Landes Berlin Cansel Kiziltepe (SPD), die auch für Integration zuständig ist, der Migrationsforscher Prof.Dr. Herbert Brücker (IAB), der einer der führenden Experten auf diesem Gebiet ist, und der Landtagsabgeordnete Günter Baaske (SPD), der sich mit den Verhältnissen in und im Bad Belzig herum bestens auskennt. Gut dreissig Besucher nahmen an der Veranstaltung teil.
Herbert Brücker präsentierte Zahlen, die noch einmal deutlich machten, wie stark unser künftiger Wohlstand von einem Zuzug von Menschen abhängt. Er zeigte auch auf, dass zumindest männliche Geflüchtete, mittelfristig in gleichem Umfang im Erwerbsleben stehen wie Einheimische. Es dauert allerdings rund fünf Jahre, und es könnte ohne zahlreiche bürokratische Hürden deutlich schneller gehen. Herausforderung bleibt die Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Cansel Kiziltepe konnte aus ihrer konkreten politischen Arbeit die abstrakten Zahlen mit Beispielen untermauern. Sie führte zudem zahlreiche Maßnahmen an, mit denen das Land Berlin versucht, die Integration in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Dazu gehört eine Jobmesse für Geflüchtete, auf der nach ihren Angaben viele sofort ein Angebot von Unternehmen bekamen. Aber auch in Berlin geschieht dies jedoch alles viel zu langsam.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, wenn Günter Baaske auf die erheblichen bürokratischen Hemmnisse und mangelnde Koordinierung im Landkreis hinwies. Hier ist die Botschaft, dass Geflüchtete möglichst schnell Arbeit bekommen sollen, offensichtlich weder beim Landkreis noch bei der Agentur für Arbeit bislang hinreichend angekommen.
Diese Erkenntnisse, die vielen Anwesenden zumindest im Detail nicht geläufig waren, wurden lebhaft diskutiert. Bemängelt wurde, dass leider keine Migrationsskeptiker anwesend waren, schließlich ginge es ja gerade um die Auseinandersetzung mit ihnen. Mit anderen Worten, in Bad Belzig bleibt der Brückenbau als Herausforderung bestehen.
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