KZ Außenlager Röderhof, Bad belzig. Förderkreis Röderhof

Jahresbrief 2025 vom Förderkreis Röderhof Bad Belzig

Bad Belzig. 

Liebe Freundinnen und Freunde in Frankreich, Belgien, Italien, England und Deutschland,

vor 80 Jahren wurde unsere Stadt von mutigen Bürgern kampflos an die Rote Armee übergeben. Die Soldaten befreiten anschließend das KZ-AußenlagerRoederhof im Grünen Grund. Ein besonderer Gedenktag! In diesem Jahr waren viele Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung des Gedenkens beteiligt.

Das alljährlich vorgetragene Gedicht von Katharina Dahms „Stilles Gedenken“ war in deutscher, englischer und französischer Sprache zu hören. Der Gymnasiast Julius Model berührte Helena Rens, die zum wiederholten Male aus Belgien angereist war, mit dem Vortrag des Gedichtes in niederländischer Sprache. Die Geschichte der „Moorsoldaten“ wurde erzählt und vom Chor des Fläming-Gymnasiums gesungen.

Mit seiner besonderen Rede spannte Thomas Wernicke einen beeindruckenden Bogen von den Berichten der Belgierinnen, Germaine Terwecoren und Clara Draulans-Torfs, welche die Befreiung erlebten und in ihre Heimat zurückkehren konnten. Er sprach über die Erzählungen seines Vaters auf dem Marsch nach Osten und stellte sich die Frage: Wenn ich früher geboren worden wäre und in diesen Krieg gemusst hätte, wie hätte ich mich verhalten. Er fragte: Wie verhielten sich die Belziger zum Geschehen im Lager am Rande der Stadt.

Helena Rens, die Nichte der im Lager verstorbenen Maria Aerts, wandte sich an die anwesenden Jugendlichen mit den Worten:

„Es gibt bald keine Zeugen mehr. Dann seid ihr die, die es weitererzählen müssen.“

Sie forderte auf:

„Erzählt was im Faschismus geschehen ist. Fragt nach. Vergesst nicht!“

Lieder des Chores unter Leitung von Dieter Halbach, die in dieser dunklen Zeit im KZ entstanden, trugen ihren Teil zum würdigen Gedenken bei. Wam Kat, Vorsitzender des Belziger Forum e.V., rief zum Abschluss des Gedenkens zur Toleranz auf.

Anne Catherine del Marmol, Tochter der im Außenlager zu Tode gequälten Marie Luise del Marmol, schickte uns eine Betrachtung „Des morts et des monstres“. Diese ist auf unserer Seite www.aussenlager-roederhof.de in französischer und deutscher Sprache zu lesen und wurde von über 1.000 Interessierten aufgerufen und gelesen.

Am 1. März 2025 startete unter Teilnahme der Gymnasiasten eine Aufräumaktion auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Lagers, um die noch vorhandenen baulichen Reste der Baracken und der Waschbaracke von Wildwuchs zu befreien und wieder richtig sichtbar zu machen.

Der Gedenkspaziergang am Weltfriedenstag, dem 1. September, ist inzwischen zur Tradition gewordenen. Im Laufe des Jahres kamen auch Schulklassen und interessierte Gruppen.

2026 treffen wir uns zum Gedenken am 4. Mai 2025 im Grünen Grund und würden uns freuen, wenn wir auch Sie an diesem Tag begrüßen könnten.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesundes Weihnachtsfest. Angesichts der noch immer in der Welt tobenden kriegerischen Konflikte ist dieses Gedenken wichtiger denn je! Die Toten mahnen!

Mit den besten Grüßen – auch vom Bürgermeister Dr.-Ing. Robert Pulz,

Ihre Inge Richter

Vorsitzende des Förderkreises Roederhof

 

Antworten auf den Jahresbrief 25 des Förderkreises Roederhof

Wie jedes Jahr haben die Mitglieder des Förderkreises Roederhof auch 2025 in einem Jahresbrief über die Aktivitäten und Geschehnisse berichtet und diesen an die Freundinnen und Freunde geschickt.

Noch Ende Dezember gab es erste Antworten darauf. So schrieb Fabien Houlmont, er kümmert sich gemeinsam mit Josette Metzeler, Tochter von Lucienne Metzeler, darum, dass das Schicksal von Lucienne nicht in Vergessenheit gerät. „Ich habe kürzlich gelesen, dass Tugend weder Glück noch die Abwesenheit von Leid garantiert. Sie schützt auch nicht vor Unglück. Doch sie verleiht unserem Umgang damit Würde. Gut zu sein – oder es zu versuchen – ist keine Versicherung gegen Unglück; es ist ein Akt des Glaubens, eine ethnische Entscheidung unabhängig von den Folgen. Ich bemühe mich, diesen Weg zu gehen, mit all meinen Stärken und Schwächen – darunter meine völlige Gleichgültigkeit gegenüber jenen, deren Empathie eine tiefe Leere offenbart.“

Jef De Ridder, er hatte das Schicksal von Albertine De Bus erforscht (s. Schicksale Bd.3), bedankte sich für unseren Brief und teilte uns mit, dass er uns für unsere Arbeit dankt. Auf Grund seiner 82 Jahre sei es ihm aber leider nicht mehr möglich, im Mai zum Gedenken nach Bad Belzig zu kommen. Er werde in Gedanken dabei sein.

Helena Rens (Nichte der im Lager umgekommenen Maria Aerts) und Tochter Annemie Peiffer schrieben: „Es tut gut, solche Worte zu lesen, gerade in Zeiten, die uns allen viel abverlangen. Wir denken gerne an unsere Begegnungen zurück und freuen uns schon jetzt sehr darauf, Sie am 4. Mai 2026 wiederzusehen.“

Ein weiterer Angehöriger der Maria Aerts, Guillaume Leys-Aerts, teilte uns mit, dass im Mai in Herselt, dem einstigen Wohnort von seiner Tante, 3 „Stolpersteine“ aufgestellt werden. Einer für Maria Aerts und auch einer für Frans Aerts. Frans Aerts kam im KZ Mittelbau Dora um und wenn Helena Rens auf dem Gedenken bei uns im Grünen Grund das Wort ergreift, wird sie auch immer an ihren Onkel erinnern.

Es ist gut zu wissen, dass unsere Freunde in den Ländern, aus denen die Frauen und Mädchen während des Faschismus in das KZ-Außenlager Roederhof deportiert wurden, gemeisam mit uns dafür sorgen, dass diese Schicksale nicht in Vergessenheit geraten.

(Inge Richter, Förderkreises Roederhof | Das Artikelfoto ist aus dem Roederhof-Archiv und zeigt Helena Rens mit Tochter Annemie Peiffer )

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